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Tourismus

Flusskreuzfahrten auch in Bamberg immer beliebter - die Schattenseite des Erfolgs

Die steigende Zahl an Flusskreuzfahrt-Touristen sorgt mancherorts für Unmut. Dabei sind die Städte nicht ganz unschuldig an der Entwicklung.
Ein Passagierschiff fährt im niederbayerischen Passau auf der Donau. Bei der 21. Donauschifffahrts- und Tourismuskonferenz in Nürnberg sprechen Experten vom 30.11.2016 bis 02.12.2016 über Probleme in manchen Tourismus-Orten wegen der steigenden Flußkreuzfahrt-Passagierzahlen. Foto: Armin Weigel dpa
 
von DPA
Die Erfolgsmeldungen aus der Flusskreuzfahrt-Branche überschlagen sich seit Jahren. Im Südosten der Republik gibt es allerdings angesichts enormer Zuwächse Gegenwind. Anwohner sind genervt von den Hundertschaften, die für wenige Stunden in Städte wie Bamberg, Passau oder Regensburg einfallen - und sich dann wieder auf ihre schwimmenden Hotels zurückziehen. Wie viel Tourismus verträgt eine Stadt?

Das Spannungsverhältnis ist nicht neu. In Berlin etwa gibt es seit Jahren Klagen über Wochenendtouristen, deren Koffer nachts übers Kopfsteinpflaster rattern. Auch Partyfahrräder sorgen regelmäßig in vielen Städten für Unfrieden. In Berlin dürfen die Gruppenfahrräder mit Theke, Zapfanlage und Musikanlage auf bestimmten Straßen gar nicht mehr fahren. Durch die Innenstadt von Münster rollen sie gar nicht mehr.

Aber wo ist das Problem mit den Kreuzfahrern, die sich die Altstädte von Bamberg oder Regensburg anschauen wollen? "Es gibt Menschen, die das befürworten, weil es viel Geld bringt", sagt eine Sprecherin der Stadt Bamberg. "Manchen Anwohnern ist es aber zu viel, die ärgern sich." Die Schiffe spucken mitunter Hunderte Touristen aus, die sich dann durch die Innenstädte schieben. "Die Kreuzfahrt-Riesen nerven alle", titelte unlängst die "Mittelbayerische Zeitung" in Bezug auf Regensburg.


Flusskreuzfahrt-Touristen in Bamberg in zehn Jahren mehr als verdoppelt

Vor zehn Jahren noch kamen der Hafenverwaltung zufolge in Bamberg 327 Schiffe mit etwa 47.000 Plätzen an. Im vergangenen Jahr waren es 874 Schiffe mit einer Kapazität für rund 146.000 Menschen. Auch Würzburg verzeichnet einen heftigen Zuwachs: 2001 legten nur 80 Flusskreuzfahrtschiffe an, 2014 schon 916.

Viele Kommunen tun seit Jahren alles dafür, mehr Kreuzfahrer anzulocken. Im rheinland-pfälzischen Speyer etwa wurde gerade eine neue Anlegestelle genehmigt. In Koblenz ist die Zahl der Anlegevorgänge in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Und auch in Bayern haben Städte, Reedereien sowie Wasser- und Schifffahrtsämter auf den erhöhten Bedarf reagiert.


Die Stadt Bamberg argumentiert mit dem wirtschaftlichen Nutzen der Schiffstouristen.

Jeder von ihnen gebe mit 28 Euro rund 4 Euro mehr aus in der Stadt als der Rest der Tagesbesucher. Dieses Argument nennt auch ein Sprecher des Flusskreuzfahrt-Unternehmens 1AVista. "Generell bereichert der Fluss-Tourismus die angelaufenen Städte durch viele kaufkräftige Gäste, welche gerne willkommen geheißen werden." Man achte jedoch darauf, Anwohner so wenig wie möglich zu belasten.

"Natürlich ist es so, dass Touristen frisches Geld in die Städte bringen", sagt Tourismus-Experte Dirk Schmücker vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung. Eine flächendeckende Untersuchung dazu gebe es allerdings noch nicht. Schmücker hält das kurze, massenhafte Auftreten der Touristen für problematisch. "Wenn das passiert, gibt es häufig Konflikte." Er berichtet von ähnlichen Spannungen auch in Städten wie Venedig, Amsterdam und Barcelona, in denen sich der Tourismus auf Wohngebiete ausbreitet. "Man muss diese Beschwerden ernst nehmen, aber es gibt sicher keine pauschale Antwort darauf."

Mögliche Antworten versucht die 21. Donauschifffahrts- und Tourismuskonferenz in Nürnberg zu finden. Sie steht bis Freitag unter dem Motto "Die Donau - Destination mit Zukunft?". Manch ein Anwohner würde diese Frage sicher verneinen.
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