Bamberg
Sandkerwa

Neues Konzept: Künftig nur noch alle zwei Jahre Sandkerwa in Bamberg?

Die Meinungen über neue Vorschläge zur Rettung der Sandkerwa in Bamberg sind geteilt. Zudem kritisiert CSU-Fraktionschef Müller die Besucher des Festes.
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Ein Händler mit bunten Luftballons geht am 18.08.2010 am Regnitzufer von Bamberg über die Sandkerwa. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa
Ein Händler mit bunten Luftballons geht am 18.08.2010 am Regnitzufer von Bamberg über die Sandkerwa. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa
Sandkerwa 2017 in Bamberg ist endgültig abgesagt

Kommt der Reanimationsversuch für die Bamberger Sandkerwa 2017 zu spät? Die Sorge wächst, dass die Traditionsveranstaltung heuer nicht mehr zu retten ist. Im Rathaus wird trotzdem mit Hochdruck an einem Angebot für die Macher der Sandkirchweih gefeilt.


Bangt der Bürgerverein um Glaubwürdigkeit?

Florian Müller, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands in Bamberg und selbst Wirt im Sandgebiet, hat großen Zweifel an eine Rettung der Kerwa. Denn Müller geht nach den Erkenntnissen der letzten Tage nicht mehr davon aus, dass 2017 eine Sandkerwa stattfinden wird. Das hat vor allem mit der Entscheidung des Bürgervereins zu tun. Müller sagt, es würde die Glaubwürdigkeit der Veranstalter beschädigen, wenn sie sich nach der Absage nun doch wieder eine Zusage abringen lassen würden.


Künftig nur noch alle zwei Jahre?

Außerdem sind es auch ganz praktische Gründe, die Müller zweifeln lassen, dass 2017 am Ende doch alles so kommt wie geplant. Jeder Tag, der seit dem 3. Mai verstreicht, erhöht die Schwierigkeit, eine Jetzt-Doch-Noch-Kerwa auf die Beine zu stellen. "Viele wissen einfach nicht, was für ein logistischer Aufwand hinter der Sandkirchweih steht", sagt Müller.

Der Gastronomie-Sprecher hält es deshalb für sinnvoller, sich auf eine langfristige Lösung für die Jahre ab 2018 zu konzentrieren. Seine private Meinung könnte durchaus Anstoß zu einer Kontroverse bieten: Warum sollte sich nach dem Beispiel des Weltkulturerbelaufs nicht auch für die Sandkerwa ein zweijähriger Turnus anbieten?
Gegen reflexhaftes Bewahren spricht nicht nur die Befindlichkeit im Bürgerverein. Auch die Stimmung im Stadtrat könnte den Rettungsbemühungen des OB einen Strich durch die Rechnung machen.


Rettung um jeden Preis?

"Es ist einfach schwer zu vertreten, zusätzliche öffentliche Gelder in die Sandkerwa zu pumpen. Ich bin nicht für eine Rettung um jeden Preis", sagt im Schulterschluss zur SPD-Fraktion nun auch Helmut Müller von der CSU. Den Vergleich mit der Bergkirchweih in Erlangen, wo die Stadt als Veranstalter deutlich höhere Beträge investiert, lässt der CSU-Fraktionschef nicht gelten. Bamberg habe ganz andere Aufgaben zu leisten als Erlangen, etwa zur Finanzierung der Bamberger Symphoniker.

Auch ganz persönlich schlägt Müllers Herz nicht für die Sandkerwa. Schon seit Jahren besucht der 73-Jährige das Spektakel nur noch zur Eröffnung. Sein persönliches Urteil klingt schonungslos: "Die Sandkerwa ist eine Belustigung für das Prekariat. Niedere Schichten kommen zusammen, um sich zu besaufen."

Zustimmung zu Starkes Rettungsplänen kommt dagegen von einer Seite, die sonst eher nicht dadurch aufgefallen ist, dem OB willfährig zu sein. Norbert Tscherner vom Bürger-Block unterstützt die schnelle Wiederbelebung der Kirchweih, weil er der Meinung ist, dass es in Bamberg genug millionenteure Kulturangebote für gehobene Bevölkerungskreise gebe. Gleichzeitig werde für den Normalbürger zu wenig getan: "Der Plärrer ist weg, an den Blumen in der Hofhaltung wollte man sparen", dazu passe es, auch am Geld für die Sandkirchweih zu knausern.


Sparen an Stadtmarketing?

Tscherner macht auch einen Vorschlag, wo man die Mittel zu Gunsten des Bürgervereins 4. Distrikt einsparen könnte - bei Stadtmarketing. Jährlich bekommt der Verein von der Stadt 61.000 Euro.

Hohe Erfolgsaussichten hat diese Idee aber nicht. Bisher hat die Stadtratsmehrheit Attacken von Tscherner und den Grünen gegen Stadtmarketing stets abgewehrt.
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