Kemmern
Freizeit

Fiese Falle für Fahrradfahrer im Kemmerner Wald

Mit Nägeln gespickte Bretter auf einem Weg haben Mountainbiker Tobias S. einen Platten beschert. Zum Glück blieb er unverletzt.
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Eine fiese Falle für alle Waldbesucher Foto: privat
Eine fiese Falle für alle Waldbesucher Foto: privat
Fünf Zentimeter lange scharfkantige Baunägel in mindestens fünf auf einander folgenden Holzbalken am Boden - eine Falle. Vermutlich sollte sie Mountainbikern zum Verhängnis werden. Zumindest Tobias S. aus Appendorf hat sie die Tour am Dienstagabend vermasselt. An sich bemerkte der 35-Jährige zunächst nur einen Platten am hinteren Reifen. Als er nach der Ursache forschte, stieß er auf die fiese Falle. Um andere Mountainbiker vor Schaden zu bewahren, fotografierte er den Streckenabschnitt und warnte seine WhatsApp-Gruppe. Auch Georg E. aus Zückshut . Der wandte sich nun an die Presse, um auf möglichst breiter Basis auf den Hinterhalt aufmerksam zu machen.

Der befindet sich in einem Abschnitt eines Weges, den wohl hauptsächlich Mountainbiker und bisweilen Spaziergänger nutzen, etwa 200 Meter nordwestlich des Leicht-Kellers, nach den Angaben, die Georg E. gegenüber dieser Zeitung machte. Der Zückshuter gesteht durchaus zu, dass es auch "schwarze Schafe" unter den Bikern gebe, die unerlaubt Rampen und ähnliches im Wald postieren.

Er selbst gehört der Deutschen Initiative Mountain Bike (DIMB) an, die sich für ein verträgliches Miteinander aller Freizeit-Gruppen im Wald einsetzt. Seit 27 Jahren Mountainbiker, führt der 43-Jährige selbst Touren mit bis zu zwölf Teilnehmern, "natürlich nur auf geeigneten Wegen", wie es in den Statuten des über 60.000 Mitglieder starken DIMB steht.


Gefahr für Mensch und Tür

Trotz der "schwarzen Schafe" auch unter den Mountainbikern seien "Reaktionen" wie die am Dienstag im Wald entdeckte kein Kavaliersdelikt: "Wer das gemacht hat, nimmt bewusst schwere Körperverletzung in Kauf." E. weist dabei auch auf die katastrophalen Folgen hin, wenn ein Spaziergänger oder Jogger in so einen Nagel tritt - "der geht durch". Für Wild oder Hunde bildeten diese Hindernisse gleichfalls eine große Gefahr.

Viele tausend Kilometer hat E. schon in der Heimat abgespult und auch die Kemmerner Strecke oft absolviert. Die ist deswegen so beliebt, weil man hier gut Höhenmeter machen kann und zudem technisch anspruchsvolle Wege ins Tal führen, sagt der Biker. Er habe zwar auch in der Region schon erlebt, dass Äste über den Weg gelegt waren, aber so was wie nun in Kemmern, das sei "der Wahnsinn". Sonst habe er nur in Fachblättern von Derartigem gelesen. E. und sein Mountainbike-Kollege wollen nicht mit vollem Namen in der Öffentlichkeit erscheinen. "Denn wer so was wie die Sache mit den Nägeln macht, ist auch zu anderem in der Lage", fürchten sie. Gleichwohl hoffen beide, dass der Kemmerner "Fallensteller" auch Zeitung liest und ihm auf diese Weise die Dimensionen seines Handelns bewusst werden.


Bürgermeister: "So etwas geht überhaupt nicht"

Im Kemmerner Rathaus wusste man nichts von der "Falle", hakte aber prompt bei der Polizei nach. Der lag bis dann keine Anzeige oder Meldung vor. Auf Nachfrage ging Bürgermeister Rüdiger Gerst dem Ganzen gemeinsam mit dem Bauhof auf den Grund. Nach intensiver Suche wurde man fündig: Der Suchtrupp fand die fünf mit Nägeln präparierten Hölzer. Die Nägel wurden umgehend entfernt. Gerst spricht von einer "infamen Sache, so etwas geht überhaupt nicht"; auch nicht in Privatwald. Er werde sich deswegen nun an die Polizei wenden. Überdies werde er am Freitag mit dem neuen Revierleiter sprechen.

Bei der Sache mit den Nagelbrettern handele es sich keinesfalls um ein Kavaliersdelikt, so Rainer Frauenknecht von der Bamberger Polizei auf Nachfrage unserer Zeitung. Da Mountainbiker S. die Sachbeschädigung (bis Donnerstagnachmittag) nicht gemeldet habe, könne die Polizei auch nicht aktiv werden. Wenn allerdings ein Mensch zu Schaden komme, und dies zur Anzeige bringe, ermittle die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung.
Dafür, dass die "vier bis fünf Zentimeter langen Nägel", die Gerst und Bauhofmitarbeiter entfernten, umgebogen waren, gibt es eine Erklärung: Damit nicht andere in die Nagelfalle tappen, hat der geschädigte Appendorfer Dienstagabend sicherheitshalber erst einmal alle Metallnägel umgebogen. Das hat er spontan getan, bevor er sich samt seinem Bike hat abholen lassen.

Bis S. wieder auf Bike-Tour gehen kann, wird es noch dauern, er muss erst einmal seinen Hinterreifen reparieren.


Gleich melden

Zwischenzeitlich hat er mit der Polizei Kontakt aufgenommen. Das empfiehlt Bürgermeister Gerst in solchen Fällen unbedingt. Auch hätte er es begrüßt, wenn die Gemeinde in Kenntnis gesetzt worden wäre, dann hätte man noch früher reagieren können. Zudem wäre ihm und dem Bauhof eine längere Suche erspart geblieben.
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