Bamberg
Kinder-Uni

Eine geheime Nachricht für dich

Der gute alte Brief war das Thema der letzten Vorlesung an der Bamberger Kinder-Uni in diesem Wintersemester. Schon immer hatte er mit Geheimnissen zu tun.
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Über einen Brief von unserem Freund oder unserer Freuen freuen wir uns sehr. Das war auch früher so: Iris Hermann berichtete in ihrer Vorlesung "Briefe und ihr Geheimnis", dass ein Brief früher die einzige Möglichkeit war, einem anderen etwas mitzuteilen. Foto: Matthias Hoch
Über einen Brief von unserem Freund oder unserer Freuen freuen wir uns sehr. Das war auch früher so: Iris Hermann berichtete in ihrer Vorlesung "Briefe und ihr Geheimnis", dass ein Brief früher die einzige Möglichkeit war, einem anderen etwas mitzuteilen. Foto: Matthias Hoch
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Oh, im Briefkasten steckt ja ein Brief zwischen all den Zeitungen und Werbezetteln! Was da wohl drinsteht? Eine Einladung zu einer Party vielleicht? Eine Rechnung vom Sportverein? Oder ist es etwa ... ein Liebesbrief??? Jetzt aber schnell aufmachen!


Statt zum Füller greifen wir heute meist zum Smartphone

Briefe schreiben wir uns ja heute eher selten. Wenn wir uns verabreden, machen viele das über Whatsapp, greifen zum Telefon oder schreiben eine SMS. Aber früher, bevor es Computer und Handys gab, war das anders: "Um 1800 war der Brief das einzige Mittel, um sich etwas mitzuteilen", sagt Iris Hermann. Sie ist Professorin für Literaturwissenschaft an der Universität Bamberg und beschäftigt sich viel mit Schriftstellern von früher - und auch mit den Briefen, die sie geschrieben haben. "Früher kam die Post zwei Mal am Tag, morgens und abends", erzählt die Wissenschaftlerin. Das war praktisch: So konnte man morgens einen Freund zum Abendessen einladen, und man bekam noch rechtzeitig eine Zu- oder eine Absage.


Früher kam die Post mit der Kutsche

Gebracht wurden die Briefe nicht mit dem Fahrrad oder Auto, sondern mit der Postkutsche. In Bad Kissingen kann man noch heute mit einer echten Postkutsche fahren. Wenn der Brief sehr schnell beim anderen ankommen sollte, beauftragte man einen Reiter, der dann gleich losgaloppierte. "Wenn ein Pferd müde wurde, tauschte man es in einer Wechselstation gegen ein anderes", berichtet Raffaela Schönlein. Sie ist eine Studentin von Iris Hermann und unterstützt die Professorin heute mit ihren drei Mitstudentinnen (in der Uni-Sprache sagt man Kommilitoninnen) Sophia Klopf, Marlen Michel und Franziska Brehm bei der Kinder-Uni-Vorlesung "Briefe und ihr Geheimnis".
Und mit Geheimnissen hat ein Brief ja immer etwas zu tun: Einen Brief, der für jemanden anderen ist, darf man nicht öffnen. "Das ist ein Grundrecht im Gesetz", erklärt Iris Hermann. Naja, und mal ehrlich: Unsere Eltern und Geschwister sollen ja gar nicht immer wissen, was uns ein Freund oder eine Freundin schreibt.


Ein Fach für Geheimnisse

Die Wissenschaftlerin macht mit den Kinder-Uni-Studierenden jetzt eine kleine Zeitreise in die Zeit der Romantik vor etwa 200 Jahren: "Damals haben die Leute sich viele Gedanken gemacht und sich gefragt: Wer bin ich? Und was will ich mit meinem Leben machen?", berichtet Iris Hermann. Ihre Gedanken haben sie dann aufgeschrieben. Mal in Briefen, mal in ihrem Tagebuch.
Übrigens: Auch viele Kinder-Uni-Besucher schreiben ihre Gedanken, Ängste und Wünsche in einem Tagebuch auf. Das darf natürlich auch keiner lesen, deshalb wird es gut versteckt.
Das war früher auch so: Iris Hermann zeigt ein Bild von einem kunstvoll gearbeiteten weißen und türkisfarbenen Schreibtisch mit ganz vielen Schubladen. So einen Schreibtisch nennt man Sekretär. "Die hatten immer ein Geheimfach", sagt Iris Hermann. Und wie konnte man früher erkennen, ob ein Fremder einen Brief geöffnet hatte, obwohl ihn der Inhalt nichts anging? "Früher hat man Wachs heiß gemacht einen Stempel in das Wachs gedrückt und damit den Brief zugemacht", weiß ein junger Studierender. "Das war ein Siegel." Genau: Und wenn das Siegel erbrochen, also kaputt war, dann wusste man, dass jemand verbotenerweise den Brief bereits gelesen hatte.


Vorsicht Tintenkleckse!

Aber es gab früher noch ein paar Besonderheiten beim Briefeschreiben, erklärt Iris Hermann: Früher schrieb man nicht mit dem Füller, sondern mit einer Feder, einer Gänsefeder." Die musste man sich zurechtschnitzen und tauchte sie dann in ein Fässchen mit Tinte ein. "Als Schreibmaterial diente oft Pergament." Pergament gewann man aus der Haut von Tieren. Und statt einer Schreibtischlampe gab es nur Kerzen. Da kam es oft vor, dass man seinen Brief mit Tintenklecksen oder Wachsflecken "verschönerte".
Zum Abschluss gibt's noch zwei tolle Überraschungen: Alle jungen Studierenden bekommen einen Umschlag mit Briefbogen, Gänsefeder und einer Anleitung für Geheimschriften! Und alle, die in diesem Wintersemester zu allen drei Vorlesungen gekommen sind, bekommen zur Belohnung eine Urkunde.
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