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Region  // Bamberg

Tradition

Tag der offenen Brauereien bot Einblicke in Bier-Geheimnisse

Beim "1. Tag der offenen Brauereien" in der Fränkischen Toskana wurde den Teilnehmern viel geboten.
Landrat, Bürgermeister und Gäste lassen sich von den Experten in die Geheimnisse der Braukunst einweihen. Fotos: Werner Baier
 
von WERNER BAIER
"Vier Sorten Bier, nur vom Weizen haben wir nichts eingekauft!" Die Auskunft eines Ehepaares, das mit Verspätung die Führung durch die Brauerei Knoblach in Schammelsdorf erreicht, lässt eine osteuropäische Sprachfärbung erkennen. Und tatsächlich: Die beiden neuen Mitbürger aus Polen nutzten den "1. Tag der offenen Brauereien" zu einem Integrations-Exkurs durch die Fränkische Toskana. Sie hatten sich in der Brauerei Sauer in Roßdorf am Fort bei der Bierprobe verbummelt und wollten von da einen kleinen Vorrat für den Haustrunk mitnehmen.

Auf diese Weise ging das von der Tourismusmanagerin Bianca Müller für einen sonst tristen Herbst-Samstag entwickelte Format voll in Erfüllung. Mal hinter die Kulissen erfolgreicher Land-Brauereien schauen, Interessantes und Lustiges von den Braumeistern erfahren - das war eine gern angenommene Abwechslung für Einheimische und Zugezogene oder auch später Touristen.

Das Programm war vielfältig: Schäuferla mit Bockbiersoße zum Beispiel wurde im Brauerei-Gasthaus Sauer kredenzt. Wer die Brauereiführung mitmachte, kam an einer Bierverkostung der fünf Sorten nicht vorbei.
Die Brauerei Höhn in Memmelsdorf eröffnete den Tag der offenen Tür mit dem Bockbieranstich durch Landrat Johann Kalb (CSU). Beim Prosit zur ersten Runde Freibier gab Braumeister Georg Höhn eine Vorwarnung: Acht Prozent Alkoholgehalt im neuen Bock sollte man mit Vorsicht genießen, auf jeden Fall mit einer guten Grundlage im Magen.

Die anschauliche Grafik eines "Aromabaumes" nahmen im Brauerei-Gasthof Drei Kronen der Braumeister Hans-Ludwig Straub und Bierfee Isabella als Ausgangspunkt zu einem kleinen Exkurs durch die Geschmacksvielfalt beim Bier: 1,4 Millionen Varianten können durch die gezielte Auswahl von Hopfensorten, Gerstenmalz und Bierhefe gebraut werden, Unterschiede durchs Wasser noch gar nicht mitgezählt. Und ja: Heute wird auch Bier mit der Geschmacksnote Schokolade oder Lackritze hergestellt - und nachgefragt, versichern die Straubs!

Dass solche Spezialbiere mittlerweile auch Familienbrauereien mit Erfolg anbieten, bestätigte Michael Knoblach, Seniorchef der Schammelsdorfer Brauerei. Wegen des hohen technischen Aufwands müssten die klein- und mittelständigen Betriebe allerdings beim alkoholfreien Bier passen. Schon erstaunlich zu erfahren, dass den Braubetrieb in Schammelsdorf allein Vater und Sohn aufrecht erhalten. Nur zur Flaschenabfüllung werde eine weitere Arbeitskraft benötigt. Wenn früher in der Stunde fünf bis sechs Mann 25 Kisten "schafften", dann werden heute in der gleichen Zeit die Flaschen von 130 Kisten gespült, neu befüllt, etikettiert und eingeschlichtet. Die Maschine, die das leistet, kostete (ohne Gebäude) über eine halbe Million Euro. Den Wert aller Brauereigeräte, die sich in dem labyrinthisch verwinkelten Brauereikomplex verbergen, schätzt Knoblach auf über drei Millionen Euro. Finanzierbar sei das nur gewesen, weil auch "die Brauereigaststätte gut läuft".

Und dann verriet Michael Knoblach sein Geheimrezept zur Bekämpfung einer aufziehenden Grippe: Zwei Seidla heißes Bier trinken, zu jedem eine Scheibe Butterbrot essen und dann für ein paar Stunden zum Schwitzen ins Bett! (Zu Risiken und Nebenwirkungen braucht man Arzt und Apotheker gar nicht erst zu fragen - es handelt sich um eine Rosskur!)

Wie hat's den Teilnehmern bei den Brauereiführungen gefallen? Zwei andere Neubürger unseres Raumes, Karin und Hans-Jürgen Meyer, die für ihren Alterssitz aus Frankfurt nach Bamberg gewechselt sind, beeindruckt die höchste Brauereidichte der Welt. Sie genießen inzwischen nur noch heimisches Bier aus handwerklicher Produktion. "Nicht jede Sorte schmeckt," räumt Hans-Jürgen Meyer ein, aber Binding und Henninger vermissten sie nicht. Seine Frau Karin übrigens äußerte sich am Ende der gut eineinhalbstündigen Führung "überrascht von der Sauberkeit" in der Brauerei Knoblach und dass nur zwei Mann den Braubetrieb meistern. Das weckte in der Besucherin gemischte Gefühle: Als Bankerin sei sie früher häufig mit der Finanzierung von technischen Innovationen beschäftigt gewesen. Und es sei ihr schon klar gewesen, dass solche Investitionen in Maschinen Arbeitsplätze vernichten, aber an der Abfüllmaschine sei ihr das mal wieder ins Bewusstsein gerufen worden.

Andererseits, und das machte auch Braumeister Michael Knoblach deutlich, wären Familienbrauereien mit dem früheren Personalaufwand nicht mehr konkurrenzfähig. Und es sei ja auch nicht mehr nötig, für einen Sud zehn Ster Holz und zwei Zentner Kohle zu verheizen. Stattdessen hat der Brauer von heute zum Beispiel Zeit und Muße, im Nebenerwerb Schnaps zu brennen. Aus allem, was uns die Natur an Früchten beschert. Genau: Wir leben halt doch wie Gott in Franken, da hat uns der Glücksatlas kürzlich nichts Neues bescheinigt ...

zum Thema "Bier"

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