Bamberg
Kinder-Uni

Dürfen Reporter Lügen erzählen?

Am Samstag erforschten rund 130 Kinder, ob Medien immer die Wahrheit sagen und was das Schimpfwort "Lügenpresse" bedeutet.
Artikel einbetten
So voll war es in der Bamberger Kinder-Uni wohl noch nie: Etwa 130 Mädchen und Jungen kamen zur Vorlesung "Sagen Medien immer die Wahrheit?" von Anna Maria Theis-Berglmair. Foto: Barbara Herbst
So voll war es in der Bamberger Kinder-Uni wohl noch nie: Etwa 130 Mädchen und Jungen kamen zur Vorlesung "Sagen Medien immer die Wahrheit?" von Anna Maria Theis-Berglmair. Foto: Barbara Herbst
+13 Bilder
Jeden Tag fragen wir uns: Was gibt's Neues?! Um das herauszufinden, lesen wir Zeitung, hören Radio, schauen Fernsehnachrichten an oder recherchieren im Internet nach Neuigkeiten aus unserem Ort und der ganzen Welt.
Auch fast alle der rund 130 Mädchen und Jungen, die an diesem Samstag in die Kinder-Uni-Vorlesung nach Bamberg gekommen sind, lesen, schauen und hören täglich Nachrichten. Anna Maria Theis-Berglmair will heute mit ihnen untersuchen, ob Medien (=Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet) immer die Wahrheit sagen und was das Wort "Lügenpresse" bedeutet, von dem oft die Rede ist. Anna Maria Theis-Berglmair ist Professorin für Kommunikationswissenschaft und befasst sich daher viel mit Journalisten und ihrer Arbeit, deren Ergebnis zum Beispiel diese Kinderseite ist oder die "Logo"-Nachrichten im Fernsehen. Doch: "Wie kann es sein, dass gerade immer so viel passiert, wie in eine Zeitung oder eine Sendung reinpasst?", die Professorin stellt eine knifflige Frage, die sich schon der Huckleberry-Finn-Autor Mark Twain überlegt hat. "Es wird nicht über alles berichtet, was passiert", vermutet ein Mädchen. Die Professorin nickt.


Wie werden Themen ausgewählt?

Zur Verdeutlichung hat sie ein Glas voll grüner Murmeln mitgebracht. Es sind 220 Stück. "Stellt euch vor, dass diese Murmeln die Nachrichten sind, die die Journalisten für eine Nachrichtensendung zur Verfügung haben", erklärt sie. "Wie viele davon werden wohl weiterbearbeitet?" Die Kinder raten. Die Lösung: 22 Nachrichten, also zehn Prozent. "Und von den 22 werden am Schluss zwei veröffentlicht." Puh, diese Zahl, die Forscher herausgefunden haben, verblüfft alle.
"Journalisten wählen also Nachrichten aus", erklärt die Wissenschaftlerin. Dabei helfen ihnen bestimmte Auswahl-Kriterien, die in der Fachsprache Nachrichten-Faktoren heißen: Wenn bei uns in der Gegend ein Lastwagen umkippt und plötzlich Tausende Gurkengläser über die Autobahn kullern, kommt das auf jeden Fall in die Zeitung und auf deren Internetseite, denn der Unfall passiert in unserer Nähe, er hat Folgen für viele Leute (die kommen später zur Arbeit) und außerdem ist das Ganze ziemlich außergewöhnlich und überraschend. Auch Neuigkeiten von Promis, aber auch über Kriege und Konflikte werden von Journalisten oft vorrangig bearbeitet, weil viele Leute sich dafür interessieren. Tipp: Macht mit eurer Klasse bei KLARTEXT!, dem Schulprojekt dieser Zeitung mit, und erfahrt mehr darüber!


Journalisten haben "Brillen" auf

Nicht alle Leute sind mit der Nachrichtenauswahl von Journalisten einverstanden: Diejenigen, deren Neuigkeiten nicht dran kommen, ärgern sich vielleicht und schimpfen über die Medien, erklärt die Wissenschaftlerin.
Welche Themen Journalisten auswählen, hängt oft davon ab, für welche Zeitung, Zeitschrift, Internetseite oder Fernsehsendung sie arbeiten. "Man kann auch sagen: Die Medien betrachten die Welt durch bestimmte Brillen", erklärt Anna Maria Theis-Berglmair. Diese Brillen können unterschiedlich sein, weshalb manchmal über ein und dasselbe Thema unterschiedlich berichtet wird. "Alle Berichte können inhaltlich stimmen, nur haben die Journalisten eben auf unterschiedliche Dinge geschaut."
Natürlich machen Journalisten auch Fehler, schreiben Namen und Wörter falsch oder zitieren Interviewpartner in einem Bericht anders, als die sich das vorgestellt haben. Diese Fehler werden in der nächsten Sendung oder der nächsten Ausgabe der Zeitung berichtigt. "Manche Leute meinen aber, Journalisten würden über bestimmte Dinge extra nicht oder absichtlich falsch berichten", sagt die Professorin. Für die Medien hätte das aber schlimme Folgen: "Dann würde ihnen ja keiner mehr glauben und sie nicht mehr kaufen", meint ein Mädchen.
Aber: "Jeder kann heute über das Internet Dinge ungeprüft verbreiten. Zu überprüfen, ob ein Gerücht wahr ist, dauert dagegen einige Zeit", sagt Anna Maria Theis-Berglmair. "Journalisten müssen deshalb gut aufpassen, dass sie nicht nur schnell, sondern auch richtig berichten", betont die Professorin.
Jonas aus Melkendorf hat zum Abschluss einen cleveren Tipp: "Man kann ja viel lesen und viel anschauen und sich eine eigene Meinung bilden."



Eure Meinung!


Anna (9) aus Bamberg: "Ich fand's heute sehr spannend. Und auch, dass zum Beispiel die ,Logo‘-Sendung anders auf die Dinge schaut, als andere Sendungen. Ich glaube, absichtlich lügen die Medien nicht."

Anne (10) aus Stegaurach: "Ich schaue oft Nachrichten und lese auch manchmal die Kinderseite. Ich denke, die Medien lügen nicht, sondern sehen manchmal Dinge von einer anderen Seite."

Jonas (10) aus Melkendorf: "Ich fand die Vorlesung sehr schön, und es ist alles gut erklärt worden. Man kann ja viel lesen und viel anschauen und sich eine eigene Meinung bilden."

Maruscha (9) aus Bamberg: "Heute ging es darum, ob Medien immer die Wahrheit sagen. Ich glaube, dass das schon oft so ist. Aber Fehler passieren eben auch manchmal. Ich glaube, absichtlich lügen sie nicht."

Alexia (10) aus Bamberg: "Ich selbst lese nicht viel Zeitung und schaue auch keine Nachrichten. Aber ich habe heute gehört, dass manche Medien andere Sichtweisen haben als andere."

Augustin (9) aus Bamberg: Ich glaube, manchmal machen die Medien schon Fehler. Einige lügen auch absichtlich, damit mehr Leute es kaufen oder ansehen. Der Professorin gebe ich eine 1!"



Verwandte Artikel
7 Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren