Dass Dohlen zu den gefährdeten und besonders geschützten Vogelarten gehören, werden die Bewohner des Bereichs um Kirche und Kloster in Rattelsdorf kaum glauben. In diesem Areal gibt es die zweitgrößte Kolonie der schlauen, kleinen, schwarzen Rabenvögel im Landkreis Bamberg. In einem Gemeinschaftsprojekt von Artenschutz im Steigerwald, dem Landesbund für Vogelschutz und den psychisch Kranken im Haus an der Itz, dem Wohnheim der Arbeiterwohlfahrt, wurden jetzt in den hohen, alten Bäumen des historischen Klostergartens fünf Nisthilfen für die Vögel angebracht.

"Bei den Rattelsdorfer Dohlen handelt es sich um eine Splitterkolonie der Vögel von der Giechburg. Sie finden hier noch hervorragende Lebensbedingungen, aufgrund des großen Nahrungsangebotes im Itzgrund", sagt Thomas Köhler von Artenschutz im Steigerwald. Mit zwei bereits durchgeführten Projekten, dem Anbringen von Nisthilfen im Schulturm und im Turm der Pfarrkirche Sankt Peter und Paul wurden in den vergangenen Jahren bereits erste Ersatzbrutplätze für die Rabenvögel geschaffen. Mit diesem Angebot an neuem Fortpflanzungsraum soll unter anderem verhindert werden, dass die anderweitig im Bestand bereits stark rückläufigen Dohlen versuchen, in Hauskaminen ihre Nester zu bauen. Somit kommt das Projekt möglichen Bedenken mancher Hausbesitzer entgegen, die Befürchtungen äußern Projekte dieser Art seien für das Auftreten der Dohlen ursächlich.

Das Gegenteil ist der Fall. Der Wildvogelart Dohle, die sich ohne menschliches Zutun ihren Lebensraum Rattelsdorf selbst auserkoren hat, wird mit dem Projekt lediglich geeigneter Nistplatz angeboten. Diesmal sollten die speziell auf die Bedürfnisse der Dohlen zugeschnittenen Nistkästen an den ungefähr 30 Meter hohen Altbäumen im Klostergarten angebracht werden. Die Herstellung der eigentlichen Nisthabitate übernahm die Organisation Artenschutz im Steigerwald. Das Anbringen der Alubedachung übernahmen die Bewohner des Hauses an der Itz, dem Wohnheim der Arbeiterwohlfahrt. Sie schauten auch gespannt zu, als Martin Wölker von der Kreisgruppe Bamberg des Landesbunds für Vogelschutz, das Anbringen der Nistkästen professionell übernahm.

Wölker kletterte mit Hilfe einer Aluleiter in die Bäume. Mit einem Seil gesichert, brachte er dann die Nistkästen an den Bäumen an. Bisher dienten die Bäume als Nahrungsreservoir für die Vögel, jetzt können sie im Frühjahr in den neuen Nistkästen brüten. Maria Stingl, die Einrichtungsleiterin des Awo-Wohnheims, stellte erfreut fest, dass nach dem Umzug des Wohnheims vom Amselweg ins Haus an der Itz in der ehemaligen Klosteranlage die Bewohner sehr sensibel und interessiert die Natur und die Tiere beobachteten. Nun sehen die Projektpartner mit Spannung dem kommenden Frühjahr entgegen, denn dann beginnt für Vögel die Zeit der Fortpflanzung. Vielleicht können sie sich dann schon über junge Kloster-Dohlen freuen.