Die Bahnvertreter hatten keinen leichten Stand. Klar wurde: Die Mehrheit der Bamberger will sich mit einem Mauerbau quer durch die Stadt nicht abfinden.

Es sind zwei Farben, die auf dem Film der Stadt dominieren. Gelb steht für Gebäude, die nach dem viergleisigen Ausbau der Bahntrasse nicht mehr existieren werden. Diese Häuser, denkmalgeschützte Bauwerke sind darunter, Fabrikgebäude und viele Schrebergarten-Hütten werden "entfallen", wie sich Bahnplaner Reiner Gubitz ausdrückte. Die andere Farbe, grau, repräsentiert die gewaltigen Mauerfluchten, die sich in drei- , ja sogar vierfacher Staffelung von Nord nach Süd durch Bamberg ziehen werden.

Der Stadtrat hatte die dreidimensionale Darstellung bereits im Mai gesehen und mit Vokabeln wie "Kriegserklärung" und "Aufstand" auf diese Bilder geantwortet. Nun konnten sich die Bürger über die Pläne der Deutschen Bahn informieren, die in wenigen Jahren die Stadt von Grund auf umkrempeln könnten. Und es kamen viele. Rund 600 Bürger füllten den Hegelsaal und sie waren sichtlich davon beeindrucken, wie der virtuelle Flieger seine Kreise über Bamberg zog.

Mauern und Gleiserhöhungen



Schnell wurde anhand der Beschreibung von Harald Lang vom Stadtplanungsamt klar, dass Bamberg nach dem Bahnausbau nicht mehr das alte sein wird: Blickbeziehungen verschwinden unwiederbringlich hinter Mauern, die inklusive Gleisherhöhung 7,60 Meter über das heutige Niveau hinausragen. Und unter der Pfisterbrücke stößt der Mauernwald bis an die Unterseite des Brückenbauwerks. "Wahnsinn", war das Wort, das an diesem Abend immer wieder zu hören war. Robert Bartsch, Sprecher der Bürgerinitiative Bahnsinn nutzte die Gelegenheit zum großen Rundumschlag. "Diese Pläne sind 20 Jahre alt, aber wir fordern moderne Techniken", rief er unter dem Beifall vieler. Aufhorchen ließ seine Forderung nach einem Projektbeirat, der aus Politik, Bürgern und den Kommunen bestehen und den Bahnausbau begleiten soll. Er und andere ließen keinen Zweifel, dass Bamberg eine Planung wie die vorliegende nicht hinnehmen wird.

Als ersten Erfolg ihres Widerstands könnten es manche ansehen, dass die Bahnvertreter nicht mehr wie noch vor wenigen Wochen mit Lärmschutzwänden in der Höhe von fünf bis sechs Metern rechnen. Zwischenzeitlich wurden die Ausmaße auf drei bis vier Meter reduziert. Grund: Das Verkehrsaufkommen, das auf der Strecke vorhergesagt wird, soll gegenüber früheren Annahmen sinken. Doch es ist immer noch hoch: Nach Aussagen von Gubitz geht die Bahn davon aus, dass am Tag rund 144 Personenzüge und 250 Güterzüge durch Bamberg fahren werden.

Schall soll gemindert werden



Neues erfuhren die Zuhörer von Ulrich Möhler, dem Lärmschutzplaner der Bahn. So kann nach wenige Wochen alten Erkenntnissen als gesichert gelten, dass durch neue Güterzugbremsen aus Kunststoff, durch geschliffene Schienen, durch so genannte Schienenstegdämpfer und nah am Gleis befindliche, nur 70 Zentimeter (!) hohe Lärmschutzwände der Schall erheblich gemindert wird. Doch noch haben diese Technologien keine formale Anerkennung und auch sie machen, wie Möhler sagte, den Bau konventioneller Lärmwände nicht überflüssig.
Zufrieden mit dem Verlauf des Abends zeigte sich um 22.45 Uhr Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Der Dialog mit den Bürgern soll fortgesetzt werden, kündigte das Stadtoberhaupt an. Am 5. Oktober ist eine Expertenanhörung zum Thema "Alternativer Lärmschutz" geplant. Die 3-D-Animation der Stadt ist ab sofort abrufbar unter www.stadt.bamberg.de/ice-ausbauplanung.