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Die Bamberger lehnen das Bahn-Projekt ab

Über 600 Bürger kamen zur Infoveranstaltung in den Hegelsaal und demonstrierten den Schulterschluss gegen ein umstrittenes Großprojekt.
Ein Großprojekt  sorgt für Betroffenheit: Über 600  Bürger informierten sich im Hegelsaal über die Ausbaupläne der Bahn.   Fotos: Ronald Rinklef
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Die Bahnvertreter hatten keinen leichten Stand. Klar wurde: Die Mehrheit der Bamberger will sich mit einem Mauerbau quer durch die Stadt nicht abfinden.

Es sind zwei Farben, die auf dem Film der Stadt dominieren. Gelb steht für Gebäude, die nach dem viergleisigen Ausbau der Bahntrasse nicht mehr existieren werden. Diese Häuser, denkmalgeschützte Bauwerke sind darunter, Fabrikgebäude und viele Schrebergarten-Hütten werden "entfallen", wie sich Bahnplaner Reiner Gubitz ausdrückte. Die andere Farbe, grau, repräsentiert die gewaltigen Mauerfluchten, die sich in drei- , ja sogar vierfacher Staffelung von Nord nach Süd durch Bamberg ziehen werden.

Der Stadtrat hatte die dreidimensionale Darstellung bereits im Mai gesehen und mit Vokabeln wie "Kriegserklärung" und "Aufstand" auf diese Bilder geantwortet. Nun konnten sich die Bürger über die Pläne der Deutschen Bahn informieren, die in wenigen Jahren die Stadt von Grund auf umkrempeln könnten. Und es kamen viele. Rund 600 Bürger füllten den Hegelsaal und sie waren sichtlich davon beeindrucken, wie der virtuelle Flieger seine Kreise über Bamberg zog.

Mauern und Gleiserhöhungen



Schnell wurde anhand der Beschreibung von Harald Lang vom Stadtplanungsamt klar, dass Bamberg nach dem Bahnausbau nicht mehr das alte sein wird: Blickbeziehungen verschwinden unwiederbringlich hinter Mauern, die inklusive Gleisherhöhung 7,60 Meter über das heutige Niveau hinausragen. Und unter der Pfisterbrücke stößt der Mauernwald bis an die Unterseite des Brückenbauwerks. "Wahnsinn", war das Wort, das an diesem Abend immer wieder zu hören war. Robert Bartsch, Sprecher der Bürgerinitiative Bahnsinn nutzte die Gelegenheit zum großen Rundumschlag. "Diese Pläne sind 20 Jahre alt, aber wir fordern moderne Techniken", rief er unter dem Beifall vieler. Aufhorchen ließ seine Forderung nach einem Projektbeirat, der aus Politik, Bürgern und den Kommunen bestehen und den Bahnausbau begleiten soll. Er und andere ließen keinen Zweifel, dass Bamberg eine Planung wie die vorliegende nicht hinnehmen wird.

Als ersten Erfolg ihres Widerstands könnten es manche ansehen, dass die Bahnvertreter nicht mehr wie noch vor wenigen Wochen mit Lärmschutzwänden in der Höhe von fünf bis sechs Metern rechnen. Zwischenzeitlich wurden die Ausmaße auf drei bis vier Meter reduziert. Grund: Das Verkehrsaufkommen, das auf der Strecke vorhergesagt wird, soll gegenüber früheren Annahmen sinken. Doch es ist immer noch hoch: Nach Aussagen von Gubitz geht die Bahn davon aus, dass am Tag rund 144 Personenzüge und 250 Güterzüge durch Bamberg fahren werden.

Schall soll gemindert werden



Neues erfuhren die Zuhörer von Ulrich Möhler, dem Lärmschutzplaner der Bahn. So kann nach wenige Wochen alten Erkenntnissen als gesichert gelten, dass durch neue Güterzugbremsen aus Kunststoff, durch geschliffene Schienen, durch so genannte Schienenstegdämpfer und nah am Gleis befindliche, nur 70 Zentimeter (!) hohe Lärmschutzwände der Schall erheblich gemindert wird. Doch noch haben diese Technologien keine formale Anerkennung und auch sie machen, wie Möhler sagte, den Bau konventioneller Lärmwände nicht überflüssig.
Zufrieden mit dem Verlauf des Abends zeigte sich um 22.45 Uhr Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Der Dialog mit den Bürgern soll fortgesetzt werden, kündigte das Stadtoberhaupt an. Am 5. Oktober ist eine Expertenanhörung zum Thema "Alternativer Lärmschutz" geplant. Die 3-D-Animation der Stadt ist ab sofort abrufbar unter www.stadt.bamberg.de/ice-ausbauplanung.

Kommentare

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  • community  Zwiefeltreter Diesen Post kommentierenkommentieren

    Es war einmal...Bamberg wird in die Geschichte eingehen mit dem Satz:
    "Vor langer, langer Zeit war Bamberg (ganz Bamberg) eine schöne Stadt."

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  • community  kwz Diesen Post kommentierenkommentieren

    übertreibung...und zwar eine gnadenlose übertreibung, dass *die bamberger* gegen die bahntrasse sind.
    man wird ruhigen gewissens nicht mal die behauptung aufstellen können, dass die teilnehmer der info-veranstaltung samt und sonders dagegen sind, da waren unzählige im saal, nur um sich zu informieren, nicht mehr und nicht weniger.
    und ansonsten, so einladend ist das an die heutige bahnlinie angrenzende umfeld auch nicht, als dass man es auf biegen und brechen erhalten müsste.

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  • community  Melvin Diesen Post kommentierenkommentieren

    Die Bamberger lehnen das Bahn-Projekt ab?Das wird laufen, wie bei Stuttgart: Viel Geschrei von den üblichen Dagegen-Bürgern, die eh ihr Häuschen im Grünen stehen haben. Wer in der Nähe der Strecke wohnt oder täglich pünktlich mit der Bahn nach Nürnberg oder Erlangen pendeln muss oder wer für echten Umweltschutz ist und Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern will, der hat doch ganz andere Probleme als die Optik in Bamberger Vororten.
    Ein Kampf um Kompromisse ist in Ordnung, aber dieses Weltuntergangs-Getue ist doch lächerlich.
    Bahnausbau nach modernen technischen Maßstäben ist sinnvoll : siehe Stuttgart21. Im Gegensatz meinetwegen zum Bau einer zusätzlichen Startbahn am Münchner Flughafen aus rein wirtschaftlichen Beweggründen ohne Schutz für die Bürger vor Lärm und Umweltschäden.

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  • community  lorgoe Diesen Post kommentierenkommentieren

    .Die Pyramiden von Gizeh oder die chinesische Mauer finden wir doch auch wegen ihrer Grösse so toll und nicht weil sie mickrig sind.

    Wenn man die Mauern in einem guten Beton gießt, kann man in Hunderten von Jahren noch Touristen damit nach Bamberg locken, da sind die Sandsteingebäude der Altstadt schon längt zerbröselt.

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  • community  DocHoliday Diesen Post kommentierenkommentieren

    Wo iss´n jetzt der Sinn,Logorrhoe?

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  • community  Obacht Diesen Post kommentierenkommentieren

    Vorrang: LärmschutzIch gebe MuellersPeter einerseits recht: Die Ansammlung von älteren Menschen ist erstaunlich, die Schlussfolgerung aber verwerflich. Es kann der 55+Generation nicht egal sein, wie Bamberg sich weiterentwickelt. Schließlich wollen sich die alten Bamberger selbst in dieser Stadt möglichst lange wohl fühlen. Und das wünschen sie auch ihren Kindern und Enkeln. Dass die jetzige Elterngeneration (25 - 50 Jahre) oder die jungen Erwachsenen an dem Thema wenig interessiert sind, wundert mich nicht. Diese Altersgruppen lesen kaum die Heimatzeitung, noch hören sie Nachrichten im Lokalfunk - die bewegen sich in ihrer Welt aus Grundbedürfnissen, Freizeitspaß plus Facebook. Und wenn alles entschieden ist, klettern sie auf Bäume oder ketten sich an Schienen. Zur Sache: Ich bin unweit des Bamberger Güterbahnhofs aufgewachsen, als 21-Jähriger weggezogen und habe seitdem sorgsam darauf geachten, möglichst weit weg von Bahnstrecken, Autobahnen und Flugplätzen zu wohnen. Nichts macht die so nötige Erholung mehr zunichte als Lärm, dem man machtlos ausgeliefert ist. Eisenbahn-Lärm ist in einem Streifen von mindestens 100 Metern beidseitig auf Dauer unerträglich. Der Raum Bamberg, Oberfranken-West, braucht den ICE-Halt, also auch die ICE-Strecke, und zwar in Bamberg. Weil dies mit erhöhtem Güterzugaufkommen einhergehen wird, ist für den bestmöglichen und seit Jahrzehnten überfälligen Lärmschutz der Streckenanlieger zu kämpfen. Dafür drücke ich Bamberg die Daumen. Aber ich warne vor der Idee, eine Parallelstrecke etwa ab Strullendorf bis Memmelsdorf durch den Hauptsmoorwald (Bannwald) zu ziehen. Der ICE-Bahnhof Bamberg läge dann auf der grünen (Golfplatz?-)Wiese oder es wird ähnlich Coburg eine Einschleifung gebaut, auf der zwei Tagesrand-Zugpaare Bamberg Hbf erreichen. Bei geringer Frequentierung wird der ICE dann sehr bald nur noch an Bamberg vorbeizischen. Den ICE mit Tempo 250 nur außen vorbeirasen zu lassen, wäre eine sehr schlechte Lösung, besonders für die Jungen.

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  • community  MuellersPeter Diesen Post kommentierenkommentieren

    Altersdurchschnitt?!Wenn man sich die Bilder so ansieht, könnte man meinen, es handelte sich um eine Altenheimveranstaltung.
    Denen könnte diese Planung doch völlig wurst sein. Bis zum ersten Spantenstich sind die eh nicht mehr da zwinkern.
    Die jungen Bamberger müssen noch viele Jahre mit dem Lärm leben, warum interessiert sich hier denn kaum einer für diese Geschichte?

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  • community  Robert_Thomys Diesen Post kommentierenkommentieren

    Noch so einerWas erwarten Sie? Das war eine INFOVERANSTALTUNG, kein Volksentscheid. Ich bin vollzeit berufstätig UND Pendler. Leute wie ich können gar nicht rechtzeitig auftauchen. Rentner haben Zeit und möglicherweise auch mehr Lust auf Infoveranstaltungen dieser Art. Junge Leute wie ich informieren sich hinterher soweit wie möglich.
    Ich kann ihnen versichern das alle jungen Leute um mich herum zumindest von dem Thema wissen. Und wenn es eine Mitbestimmungsmöglichkeit gibt werde ich sie nutzen. Und viele meiner Bekannten dann sicher auch.

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  • community  Tschaeidot Diesen Post kommentierenkommentieren

    Lärmvermeidung ...Welche Auswikung hätte es eigentlich auf die Höhe der Lärmschutzmauern, wenn die geschätzten 300 Güterzüge nicht durch Bamberg durch fahren? Denn die sind ja offenbar Hauptverursacher des Lärms.

    Wenn es in Nürnberg eine Sonderlösung (Tunnel) für den Güterverkehr gibt, warum nicht auch in Bamberg?

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  • community  Melvin Diesen Post kommentierenkommentieren

    @ TschaeidotWenn ich es richtig verstanden habe würden gar keine Lämschutzwände gebaut, wenn die bestehende Strecke nicht aus bzw. umgebaut wird.
    Eine Umgehung von Bamberg wäre natürlich das St. Floriansprinzip. Das wird sicherlich dazu führen,dass auch mehr und mehr ICEs die schnellere und womöglich kürzere Strecke fahren und nicht mehr in Bamberg halten werden.
    Wer gegen die Anbindung Bambergs ans Fernbahnnetz ist, der soll ruhig gegen die Lärmschutzmaßnahmen sein.

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