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ICE-Trasse

Die Bahn probt in Bamberg den Kuschelkurs

Gelingt es der Bahn, den Konflikt um die ICE-Trasse durch Bamberg zu entschärfen? Nach dem Ramsauer-Versprechen deutet manches darauf hin. Doch die Initiative "Bahnsinn Bamberg" bleibt skeptisch. Die Kämpfer für einen angemessenen Lärmschutz in Bamberg wollen, dass das Eisenbahnbundesamt am runden Tisch sitzt.
Gibt es noch eine weiche Lösung in Bamberg? Bisher waren viele skeptisch. Doch nun will die Bahn in einer Arbeitsgemeinschaft Lärmschutz die Wogen glätten.
 
von MICHAEL WEHNER
Die moderne Version der biblischen Geschichte von David und Goliath: Die neuen Lärmschutzwände der Bahn haben gerade mal 70 Zentimeter Höhe, aber die Kräfte von Riesen. Sie können einen Teil des Lärms schlucken, der von den scheppernden Güterzügen kommt. Die Rettung für eine Stadt, die nicht durch Zyklopenwände geteilt werden will?

Die Bahn hat noch mehr Tricks auf Lager als die wundersamen "Minimauern". Zum Beispiel Schienenstegdämpfer, moderne Güterzug- und Gleisbremsen, geschliffene Gleise und Brücken, denen man das Dröhnen abgewöhnt. Das Problem bisher: Die meisten dieser Technologien, die dazu beitragen könnten, dass die Lärmschutzwände beim Neubau der viergleisigen Bahntrasse durch Bamberg nicht in den Himmel ragen, sind nicht zugelassen; auch die Bundesimmissionsschutzverordnung kennt sie nicht. Doch glaubt man dem Umweltzentrum der Deutschen Bahn AG, tut sich was in Sachen Lärmschutz. Noch heuer sollen die eben erst erprobten Techniken Aufnahme in der "Berechnungsvorschrift Schall 03" finden.



Eine gute Nachricht: Für Bamberg bedeutet dies nicht weniger, als dass der Verlust des Welterbetitels nun nicht mehr wie ein Damoklesschwert über der Stadt hängt, sollte es zum Ausbau der fünf Kilometer langen Strecke im Stadtgebiet kommen. Vorausgesetzt, es scheitert nicht am Geld, erweitern die neue Technik die Möglichkeiten für den gesetzlich vorgeschriebenen Lärmschutz beträchtlich. Auch der Bau konventioneller Schallschutzwände könnte seinen Schrecken verlieren, wenn diese deutlich kleiner ausfallen.
Merkwürdig nur: Bei der DB Projektbau GmbH in Nürnberg weiß man am gestrigen Freitag noch nichts vom neuen "Werkzeugkasten", den das Umweltzentrum der Bahn am Dienstag zuvor anpries. Dort plant Reiner Gubitz wie bisher einen Bahnausbau mit herkömmlicher Technologie. Der verantwortliche Bauingenieur für den Streckenabschnitt Bamberg sieht keine Gefahr für den Titel Welterbe. "Die Bahngleise durchschneiden weder das Stadtdenkmal noch die Pufferzone des Welterbes." Gubitz glaubt der Bedeutung der Sichtachsen zur Altstadt durch eine Verkleinerung der links und rechts der Gleisanlagen befindlichen Wände von drei auf zwei Metern gerecht werden zu können. Auch den Einsatz von Glas lehnt Gubitz an wichtigen Stellen nicht mehr ab. Die Kosten des konventionellen Lärmschutzes in Bamberg beziffert er mit rund 24 Millionen Euro - bei deutlich über 300 Millionen Euro Gesamtkosten für das Bahnprojekt in Bamberg. Aber Geld scheint ausnahmsweise nicht das Problem zu sein: "Wir machen große Fortschritte. Ich glaube, der Ausbau kommt schneller, als alle Beteiligten sich das heute vorstellen können", sagt Gubitz.

Auf demonstrativen Kuschelkurs ist nach den deutlichen Worten von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gegen Monstermauern im Welterbe auch die Bahnspitze eingeschwenkt. Wie ein Sprecher des Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn in Bayern, Klaus-Dieter Josel, bestätigt, steht der Forderung der Initiative "Bahnsinn Bamberg" nichts im Weg. Die Bürgerschaft soll am Ringen um die Trasse in Form eines Beirats beteiligt werden. An einem brennenden Konfliktherd in Bamberg hat man ein Jahr vor zwei wichtigen Wahlen offenbar kein Interesse: Noch vor Oktober soll sich ein runder Tisch mit Vertretern der Bahn, der Stadt Bamberg, von Abgeordneten der Region und von Bürgern gründen. Die "Arbeitsgemeinschaft Lärmschutz" hat keine Entscheidungsbefugnis, soll aber beratend wirken. "Wir hoffen, dass es dadurch zur Versachlichung der Debatte kommt und auch, dass die Planfeststellung schneller läuft", sagte ein Bahnsprecher.
In Bamberg stößt das Angebot der Bahn auf Zurückhaltung. "Das ist ein erster Schritt, aber wir möchten, dass das Verkehrsministerium mit am Tisch sitzt", sagt Robert Bartsch, Sprecher von "Bahnsinn Bamberg". Er fürchtet, dass ein rein regionaler runder Tisch nicht den nötigen Druck aufbaut, den es braucht, damit das Eisenbahnbundesamt als Planfeststellungsbehörde eine Lösung im Sinne Bambergs befürwortet. Auch die in Aussicht stehende Genehmigung neuer Lärmschutztechnologien vermag ihn nur bedingt zu beruhigen: "Diese Möglichkeiten helfen Bamberg nur teilweise", sagt der Sprecher. Er fürchtet auch, dass am Ende die Kosten eine angemessene Lösung verhindern: "Neue Güterzugbremsen könnte die Bahn schon seit zehn Jahren einbauen. Doch sie hat keine 1000 Waggons umgerüstet." Laut Bartsch ist es aber gerade die hohe Geschwindigkeit der Güterzüge, die den schlimmsten Lärm verursacht. "Jeder Lkw muss langsam sein, nur die Bahn darf rasen."

MdB Thomas Silberhorn (CSU) begrüßte den Vorschlag der Bahn. Es zeige die Bereitschaft des Konzerns zu einem Konsens zu gelangen und die Interessen der Bürgerschaft zu beachten. Eine Arbeitsgemeinschaft sei die geeignete Stelle, um nun parzellenscharf zu prüfen, was an Lärmschutz machbar und sinnvoll sei. Silberhorn forderte die Bahn dennoch auf, die Fakten für eine Untertunnelung und eine Umfahrung der Stadt auf den Tisch zu legen. Erst dann könne der Stadtrat entscheiden.

Auch eine Tieferlegung der Trasse von rund einem Meter ist laut dem Abgeordneten noch nicht ausreichend geprüft. Eine solche Möglichkeit bezeichnete Bahnplaner Gubitz am Freitag als nicht realistisch. Eingetiefte Gleise seien wegen des vorhandenen Straßenniveaus nicht nur technisch schwer vorstellbar, sondern auch teuer: "Die vorhandenen Gleise im laufenden Betrieb abzusenken, würde die Kosten mehr als verdoppeln."


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