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Bahn-Ausbau

Denkmalrat sieht Bambergs Welterbestatus in Gefahr

Die Allianz gegen das Bamberger Bahnprojekt wächst. Nach den Protesten von Politikern und Bürgern sieht der Landesdenkmalrat eine ernste Gefahr für den Welterbetitel.
Menschen wirken winzig neben diesen Mauern. So soll es nach den Plänen der Bahn zwischen Geisfelder Unterführung und Bamberger Mälzerei aussehen.  Computerillustration: Stadt Bamberg
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Die Bahn hält diese Befürchtungen für "übertrieben". Thomas Goppel, der ehemalige Wissenschaftsminister der CSU, ist ein Freund Bambergs und liebt die klaren Worte. Als Vorsitzender des Landesdenkmalrats in Bayern kann er beide Neigungen verbinden. "Es ist absehbar, dass wir, wenn die Absichten der Bahn AG so umgesetzt werden, wie sie derzeit diskutiert sind, den Welterbestatus verlieren werden".

Mit dieser Aussage spricht der oberste bayerische Denkmalschützer aus, was Bürger, Politiker und vor allem Denkmalexperten hinter vorgehaltener Hand bereits formuliert haben. Auch seinen Parteigenossen und Verkehrsminister, Peter Ramsauer, verschont er nicht mit der brisanten Konsequenz und der Erkenntnis, dass Bamberg ein "tiefer Einschnitt in der gewachsenen Identität" droht, sollte das Lärmschutzvorhaben so verwirklicht werden. Im Gegenteil: In einem Schreiben an Ramsauer, in dem auch von einem Albtraum die Rede ist, rät Goppel dem Verkehrsminister, den Bahnausbau durch Bamberg zur "Chefsache" zu machen, mäßigend auf die "Bahngewaltigen" einzuwirken und zu überprüfen, ob die ICE-Trasse auf kompleter Länge unbedingt durch Bamberg verlaufen muss.

Günstige Gelegenheit


Die Gelegenheit ist günstig. Ramsauer, der Mitte Juli in Bamberg die Landesgartenschau besichtigen will, wird dabei kaum umhin kommen, sich auch ein Bild von dem Projekt zu machen, das Bamberg im wahrsten Sinne des Wortes zu spalten droht, und mit dem massive Befürchtungen verbunden sind.

Auch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) möchte die Chance nutzen, den obersten Verkehrspolitiker Deutschlands für die Forderung zu gewinnen, dass in Bamberg besondere Rücksicht genommen werden muss und die Bewahrung des Welterbes absolute Priorität hat. "Ich hoffe, dass der Verkehrsminister, wenn er in Bamberg ist, unser Angebot annimmt und sich die dreidimensionale Darstellung ansieht, die die Stadt erarbeitet hat", sagt Starke.

Unterstützung im Widerstand gegen sechs Meter hohe Lärmschutzwände erhält der OB vom Bundestagsabgeordenten Sebastian Körber (FDP) aus Forchheim. Körber steht in Verbindung mit dem Vorsitzenden der DB Netz AG, Oliver Kraft. Die Bahn fordert er auf, das "gesamte Portfolio zur Lärmvermeidung am Schienenweg zu nutzen, um die Auswirkungen für Bürger und Stadtbild in der Welterbestadt zu minimieren. Der Verkehrspolitiker ist guter Dinge, dass Bamberg zur Modellstadt für modernste Lärmtechnologie werden könnte: "Bund und DB AG haben nach mehrjähriger Prüfung vor wenigen Tagen erste Ergebnisse zur Wirkung innovativer Lärmschutzmethoden am Fahrweg vorgelegt. 13 Technologien wurden getestet, mit zum Teil deutlichen Minderungseffekten."

Nur drei Mal Sicht aufs Welterbe


Reiner Gubitz von der DB Projektbau hält die Bürchtung, der Welterbetitel könne durch die Lärmschutzwände aberkannt werden, für "maßlos übertrieben". Wer mit der Bahn durch Bamberg fahre, habe nur kurz im Süden Bambergs beim Stadtwald, auf Höhe der Forchheimer Straße und dann wieder im Norden überhaupt Blickkontakt zu den Bauwerken der Altstadt. "Alle diese Bereiche sollen gar keinen Lärmschutz erhalten."

Kritik übt Gubitz auch an der dreidimensionalen Darstellung der Stadt. Sie erzeuge ein Bild, das die Wirkung der Eingriffe überbetone und zum Beispiel die Wirkung von Begrünung unterschlage. Zudem müsse man wissen, dass es sich derzeit nur um die Vorentwurfsplanung handelt. Erst im Herbst 2012 will die Bahn auf Basis der Anregungen in die Entwurfsplanung gehen. Anfang 2014 soll die Planung dann fertig sein und im Rahmen des Planfeststellungsverfahren ausgelegt werden. Das wäre für Betroffene die letzte Gelegenheit, Widerspruch einzulegen. Abwägungsbehörde ist das Eisenbahnbundesamt.

Lärmwände sollen kleiner werden


Schon im Vorfeld der gemeinsamen Informationsveranstaltung von Stadt und Bahn am Dienstag kommender Woche kündigt der für die Strecke durch Bamberg zuständige Projektingenieur Verbesserungen bei der Lärmschutzplanung an. Die neueste Prognose für die Bundesverkehrswegeplanung lasse eine Verringerung des Güterverkehraufkommens für das Jahr 2025 erwarten. Dies bedeute auch, dass für Bamberg niedrigere Lärmschutzwände möglich seien. Genau beziffern konnte Gubitz diesen Entlastungseffekt nicht. Es sei aber sehr wahrscheinlich, dass der Lärmschutz nicht mehr bei fünf und sechs Metern liege, sondern darunter.

Eine Untertunnelung Bambergs, wie sie von Politikern aller Couleur ins Gespräch gebracht worden ist, wird derzeit nicht mehr geprüft. Sie ist aus Sicht der Bahn-Planer nicht zu bezahlen. Was eine Umfahrung der Stadt angeht, so gibt es noch keine abschließenden Erkenntnisse. Immerhin sollen bis Ende Juli Informationen darüber vorliegen, ob eine solche Variante zumindest mit den Betriebszielen der Bahn in Einklang zu bringen ist. Schon heute ist laut Gubitz aber klar, dass auch eine getrennt zweigleisige Strecke nicht ohne Auswirkungen für Bamberg bleiben wird: "Sie braucht ein Verbindungsgleis im Norden und Süden der Stadt; und Güterzüge, die von Schweinfurt kommen, würden nach wie vor durch Bamberg fahren."

Mit Spannung wartet die Bürgerinitiative Bahnsinn auf den Präsentationstermin am nächsten Dienstag. Sprecher Robert Bartsch spricht vom "Tag der visuellen Wahrheit". Den Besuchern der Infoveranstaltung wollen die Gegner des Vorhabens in seiner jetzigen Form mit einer sieben Meter hohen Demowand die "unglaubliche Wucht der Lärmschutzwände inklusive Gleiserhöhung" vor Augen führen.

Im Distelweg für Lärmschutz


Doch darf man nicht vergessen, dass es auch in Bamberg vehemente Befürworter von Lärmschutz gibt: Hans Beck vom Distelweg ist einer von ihnen. Seit Jahren kämpfen er und etliche Nachbarn für einen funktioniernden Lärmschutz gegen "das Wackeln der Wände und den Krach durch 190 Güterzüge am Tag". Auf ihren Rechtsanspruch werden die Anwohner des Distelwegs nicht verzichten, kündigt Beck an. Ihm wäre auch vor einer fünf Meter hohen Lärmwand nicht bange.

Bürgerinformation: Am Dienstag, 10. Juli, findet ab 19 Uhr im Hegelsaal der Konzert- und Kongresshalle in der Mußstraße eine Bürgerinformation zum geplanten viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke durch Bamberg statt.

Aktuelle Planungen: In einer gemeinsamen Veranstaltung stellen die Stadt Bamberg und die Deutsche Bahn AG den aktuellen Stand der Ausbauplanung vor.

Virtuelles Modell: Das Stadtplanungsamt hat hierzu ein virtuelles dreidimensionales Modell erstellt, mit dem sich die Auswirkungen des Infrastrukturprojektes realitätsnah darstellen lassen. Quasi im Flug geht es über die vorgesehene Bahntrasse quer durch das Stadtgebiet, wobei die Perspektiven und Blickrichtungen beliebig gewechselt werden können.

Zeitplan: Von der Bürgerinformation erhofft sich die Bahn Anregungen, die sie in die Vorentwurfsplangung einspeisen möchte. Im Herbst 2012 ist der Einstieg in die Entwurfsplanung vorgesehen. Anfang 2014 soll das Vorhaben im Rahmen der Planfeststellung öffentlich ausgelegt werden.


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