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Bier

Das "Mogel-Seidla" ärgert viele in Bamberg - wird das Bier immer teurer?

Überflüssig, reingeschmeckt und unfränkisch: Die Bamberger erteilen dem 0,4-Bier eine glasklare Absage. Doch wie teuer ist Bier in Bamberg im Vergleich?
Nur halb voll? Die Bamberger erteilen dem 0,4-Bier eine glasklare Absage. Doch wie teuer ist Bier in Bamberg im Vergleich?  Foto: Ronald Rinklef
 
von MICHAEL WEHNER
"Sandkerwa wech, Blärrer wech, Seidla wech, was kommt als nächstes?" Bier-Bamberg schäumt. Das 0,4-Liter-Mini-Seidla, das auch in Bambergs Gasthäusern und Restaurants vermehrt auftaucht, ist zum Krug des Anstoßes geworden. Was zu beweisen war: Unsere Umfrage auf infranken.de ist nicht repräsentativ. Dennoch lässt die Abstimmung vom 12. Mai wenig Zweifel an der Gefühlslage hiesiger Gerstensaft-freunde: Von 623 Teilnehmern haben sich knapp 96 (!) Prozent gegen die hoch geschwappte Seidlakonkurrenz ausgesprochen (Stand Freitagmittag).
Für sie ist "0,4" schlicht und ergreifend ein Schummelglas. Nur zwei Prozent finden es akzeptabel, gestiegene Bierkosten durch eine Verkleinerung der Ausschankeinheit aufzufangen.


Pseudo-Seidla aus Nürnberg

Auch in den sozialen Netzwerken habe die aus Richtung München und Nürnberg nach Norden ausgreifenden Mogel-Seidlas zu einer überraschend heftigen Abwehrreaktion geführt. Mehrere Hundert Kommentatoren stellten sich auf unseren Facebookseiten vor das traditionelle Gardemaß: "A Seidla ist und bleibt a Seidla...", schreibt Monika S. den Biertrinkern aus der Seele. Eine Neuauflage des legendären Bierkriegs anno 1907 fürchtet gar Wolfgang B., sollten sich die Pseudohalben durchsetzen. Damals brach die drohende Preissteigerung von zehn auf elf Pfennig für den halben Liter einen Bierstreik vom Zaun, bei dem Bambergs Brauereien den kürzeren zogen.

Heute sind es magische Euro-Schallgrenzen, die den Unmut der Biertrinker auslösen. In Bamberg, wo sich die Wirte vor allem in der Altstadt immer näher an die vier Euro pro Seidla herantasten, hilft der um immerhin 20 Prozent reduzierte Halbling, die Preise zumindest optisch erträglich zu halten.

Florian Müller vom Hotel- und Gaststättenverband Bamberg, würde in seinem "Ahörnla" keine "0,4-Experimente" starten. Dennoch versucht er, Verständnis dafür zu wecken, dass Bambergs Wirte höhere Kosten haben als die Kollegen vom Land. Das beginnt bei der Pacht und endet bei den Personalkosten. Dennoch sei der Seidlapreis in Bamberg noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. 2014 beziffert das statistische Bundesamt den Mittelpreis pro Halbe in Deutschland mit 3,76 Euro.

Doch freilich: Über Bierpreise ist in Bamberg schon immer mit Leidenschaft gestritten worden. Christian Fiedler, Autor von "Bamberg - die wahre Hauptstadt des Bieres", erinnert der Streit ums "0,4" in seiner Heftigkeit an die bereits vor Jahren getroffene Entscheidung, im Schlenkerla, keinen Schnitt mehr auszuschenken. Auch damals habe die Volksseele gekocht. Bier sei in Bamberg eben mehr als nur um ein alkoholisches Getränk. "Es ist ein Heiligtum."


Hart an der Vier-Mark-Grenze

Wie sehr sich die Preise im Lauf der Jahre geändert haben, zeigt ein Fundstück aus Fiedlers Sammlung - eine Getränkekarte des Café Esspress in der Austraße. Die Preisliste, die etwa aus dem Jahr 1999 stammt, zeigt zweierlei: Auch damals gab es bereits das umstrittene "0,4". Auch damals wurde offenbar versucht, eine Preisgrenze zu umschiffen - die bei vier Mark.

Ist Bamberg heute noch so günstig, wie behauptet wird? Hört man Alexander Düthorn, Co-Autor des Bestsellers "100 Brauereien in Bamberg und seinem Landkreis", werden die Bamberger traditionell mit niedrigen Gastro-Preisen verwöhnt. Viele Gespräche mit Auswärtigen belegten dies heute noch. Allerdings gebe es auch den gegenteiligen Trend: "Gerade bei den Getränkepreisen und besonders beim Bier nehmen die Preiserhöhungen in Bamberg nahezu kein Ende."

Doch es soll nicht unerwähnt bleiben: Trotz gestiegener Kosten bemühen sich viele Gastwirte auch heute noch vernünftige Preise anzubieten. Noch in Ordnung ist die Welt beispielsweise im Café Abseits östlich der Bahnlinie. Über 60 Biere bietet Werner Richter seinen Gästen dort an - um oder gar unter drei Euro die Halbe. Das 0,4-Mogel-Seidla findet man dort nicht.
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