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Kunstraum

Das Kesselhaus in Bamberg öffnet wieder

Am kommenden Samstag steigt ein Fest zur "spielerischen Rückeroberung" des einzigen Raums, den Bamberg für zeitgenössische Kunst besitzt. Über ein Jahr lang war er geschlossen.
Fred Schrüfer leitete die Arbeiten, mit denen das Kesselhaus in Sachen Brandschutz und Unfallverhütung auf den aktuellen Stand gebracht wurde. Das Gitter rund um einen Schacht ist so eine Maßnahme. Foto: Matthias Hoch
 
von JUTTA BEHR-GROH
Ulrich Kahle, der Vorsitzende des Vereins "Kunstraum Jetzt!" hat Recht, wenn er sagt: "Man sieht eigentlich nix!" Das Kesselhaus der alten Krankenhaus-Wäscherei am Leinritt war zuletzt zwar acht Monate lang eine Baustelle, doch die Eingriffe fallen nur Eingeweihten auf. Genau das sei Ziel gewesen, gibt Fred Schrüfer zu verstehen, der für das zuständige Immobilienmanagement der Stadt die Bauleitung hatte: "Was ging, haben wir gelassen, um den alten Industrie-Charme zu erhalten."

Würde er bei einem Rundgang nicht auf eine neue Zwischenwand, auf moderne Brandschutztüren, auf Fluchtweg-Schilder, Rauchabzugsmelder und weitere Details hinweisen - mit Brandschutz- und Unfallverhütungsvorschriften nicht vertraute Besucher könnten tatsächlich meinen, es sei alles beim Alten. Nur das zusätzliche Gitter am Geländer, das den großen Schacht mitten im alten Kesselhaus umgibt, fällt ins Auge.

Das gab es noch nicht, als das alte Kesselhaus Mitte 2011 zur neuen Anlaufstelle für zeitgenössische Kunst in Bamberg avancierte. Der örtliche Kunstverein, der Berufsverband Bildender Künstler Oberfranken (BBK) und der Architekturtreff "bespielten" die sieben Meter hohe Halle fortan mit Begeisterung und wachsendem Zuspruch der Bamberger.

Dann kam der 25. September 2013, an dem die Stadt die Nutzung quasi über Nacht untersagte. Begründung: Baumängel und vor allem ein für einen Ausstellungsbetrieb völlig unzureichender Brandschutz.
Weil es dann auch noch dauerte, bis Verwaltung und Politik einen Weg fanden, um 155 000 Euro für die allernötigsten Maßnahmen frei zu schaufeln und die Arbeiten beginnen konnten, blieb das Kesselhaus bislang geschlossen. Kahle berichtet rückblickend von "unendlichen atmosphärischen Störungen" und "vielen Schlachten".

Neuer Nutzungsvertrag bis 2018

Er spielt damit auf die schwierige Überzeugungsarbeit an, die die Lobbyisten im Rathaus leisten mussten, um zu erreichen, dass die Kommune überhaupt noch Geld in das Kesselhaus und damit in die Gegenwartskunst investierte. Dass es gelang, sei vor allem Bürgermeister Christian Lange (CSU) zu verdanken, der sich zusammen mit "seinem Kulturamt engagiert unserer Anliegen angenommen hat".

Wenigstens für die nächsten drei Jahre dürfte das Kesselhaus wieder Dreh- und Angelpunkt der modernen Kunst in Bamberg sein. Eine Nutzungsvereinbarung wird morgen im Rathaus unterzeichnet. Vertragspartner sind die Stadt als Eigentümerin der Immobilie und der Verein "Kunstraum Jetzt!". Die Vereinbarung wird für zunächst drei Jahre geschlossen, mit Option auf weitere drei Jahre.

Geht es freilich nach den Mitgliedern von "Kunstraum Jetzt!", dann gibt es nirgends in Bamberg einen besseren Ort für die Gegenwartskunst. Das Kesselhaus mit seinen 180 Quadratmetern Fläche, sieben Metern Höhe und belastbaren Böden und Wänden ist das Eine; das Andere sei seine zentrale Lage am Leinritt und die Infrastruktur inklusive Cafés und Kneipen in nächster Nähe. Die ehemalige Lagarde-Kaserne ist für Ulrich Kahle so lange keine Alternative, so lange sich dort nicht Künstler und Gastronomen etabliert haben und "ein kleines Quartier Latin" entstanden ist.

Die drei eingangs genannten Organisationen, die in der Vergangenheit das Kesselhaus bespielt haben, sollen dies auch in Zukunft tun. Der Verein "Kunstraum Jetzt" hat nach Angaben seines Vorsitzenden keine eigenen Ambitionen.

Eröffnung mit "Wollfront"

Weil er auch keine Einnahmen hat, um die monatliche Nutzungsgebühr zu zahlen, ist vorgesehen, dass die Stadt diese übernimmt und als Kulturförderung verbucht. Ein entsprechender Beschlussvorschlag wird am Donnerstag auf dem Tisch des Kultursenats liegen. Rathaus-Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar zweifelt nicht an der Zustimmung der Stadträte. Es handelt sich um überschaubare Beträge: jeweils 1986 Euro für das zweite Halbjahr 2015 und das erste Halbjahr 2018 sowie jeweils 3972 Euro für die beiden vollen Jahre 2016 und 2017.
Für die Monate bis zur Winterpause 2015, die mangels Heizung schon Ende Oktober beginnen wird, steht das Programm. Vom 18. Juli bis 2. August bleibt die "Wollfront" zu sehen.

"Wollfront" nennt sich ein Werk der beiden in Augsburg lebenden Künstler Sebastian Guissani und Daniel Man, das am Samstagabend entstehen soll. Es handelt sich nach Angaben des veranstaltenden Kunstvereins um eine Rauminstallation, verbunden mit Aktionskunst: Alle Besucher der Eröffnungsfeier sind eingeladen, "an der ,Wollfront' mit farbigen Bobbeln zu ballern".

Im August folgt die Ausstellung "Trio" der drei fränkischen BBKs, ab 27. September sind die Entwürfe von Markus Lüpertz für die Glasfenster der Elisabethenkirche im Sand zu sehen.

zum Thema "Kesselhaus Bamberg"



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