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Region  // Bamberg

Bier

Das Aus für das Seidla? Bambergs Wirte schenken immer häufiger "Mini-Seidla" aus

Ein Trend greift um sich in Bamberger Kneipen und Restaurants: Bier wird immer öfter in 0,4-Liter-Einheiten ausgeschenkt.
3,20 Euro für ein Rauchbier im 0,4-Liter-Glas? Viele Biertrinker in Bamberg wollen lieber dem Seidla treu bleiben - bei gewohnten Preisen.  Foto: Ronald Rinklef
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von MICHAEL WEHNER
Tatort Innenstadt. Eine Bamberger Traditionsgaststätte mit Blick auf das Brückenrathaus. Auf den ersten Schluck schäumt das Schlenkerla im Glas wie immer. Auf den zweiten schleicht sich ein Gefühl der Flüchtigkeit in die Gaumenfreude: Ein 0,4-Liter Eichstrich an einem Gefäß, das gut und gerne einen halben Liter fassen könnte?

Kein Einzelfall: Immer mehr Restaurants in Bamberg setzen auf reduzierte Ausschankeinheiten. Der Bamberger Bierkosmos ist artenreich, aber auch teuer geworden. Kleine Biere mit 0,25, mittlere mit einem Drittel Liter Gerstensaft bevölkern die Landschaft. Und neuerdings macht auch das Mini-Seidla mit 0,4 Litern der traditionsreichen Halben Konkurrenz.

Freilich: Die wachsende Verbreitung eines Seidla-Artigen irritiert die fränkische Bierseele. "Entweder trinke ich Bier oder ich nasche. Aber ich nasche kein Bier", ärgert sich Markus T. auf unserer Facebookseite über den neuen Trend. "Das nennt sich versteckte Preiserhöhung! Ich dachte a Seidla wär typisch fränkisch", findet Marina.


Eine Art Kompromissangebot

Ist das 0,4-Liter-Bier tatsächlich nur eine Mogel-Packung, wie manche glauben? Was sagen die Gastronomen und Brauer dazu? Ralf Schmidtlein, Herr über sieben Bamberger Restaurants, bietet im "Little Italy" ein Zirndorfer Landbier, 0,4 Liter, für 3,60 Euro an. Er spricht von einem "nicht zu stoppenden Trend hin zu kleineren Biermengen im Ausschank". Schon heute sei in seinen Restaurants das 0,3 -Liter-Bier das meist getrunkene. Der Chef von 240 Mitarbeitern bestreitet nicht, dass diese Entwicklung auch etwas mit Geld zu tun hat. Indem sie die Einheit verkleinern, können die Wirte Preisanhebungen leichter kaschieren. Die Gastronomie reagiere damit auf stark gestiegene Einkaufspreise für das Bier, auf höhere Lohnkosten und andere finanzielle Belastungen. Das Mini-Seidla sei deshalb ein Kompromissangebot an preisbewusste Gäste: "Bei Premium-Bieren müsste man sonst für einen halben Liter fünf Euro nehmen."

Vier oder gar fünf Euro für einen halben Liter Bier? Es gab schon kleinere Summen, die Bambergs Biertrinker auf die Barrikaden getrieben haben. Doch glaubt man Schmidtlein, machen die Bamberger einen Fehler, wenn sie sehnsüchtig auf die Bierpreise im Umland blicken. "Bamberg kann man nicht mit Frensdorf vergleichen. Man muss Bamberg mit anderen Universitätsstädten vergleichen."


Preissensible Bamberger

Dennoch wird man ein "Preussen-Seidla" mit 0,4 Litern in Bambergs Brauereigaststätten vorerst wohl nicht erleben. Für das Mahrs-Bräu in der Wunderburg zumindest schließt es Stephan Michel aus, schon weil eine solche Größe zwischen dem 0,3-Liter-Bier und der Halben wenig Sinn machen würde. Gleichwohl kann Michel die Kollegen verstehen, die angesichts drückender Kosten nach dem Vorbild des Lebensmittelhandels vorgehen und den Preis belassen, aber den Inhalt reduzieren. Michel, der im vergangenen Jahr den Seidla-Preis von 2,60 auf 2,80 Euro angehoben hat, weiß aus eigener Erfahrung, wie sensibel die Biertrinker in Bamberg sind. "Die Wertigkeit für Bier ist allgemein recht schwach ausgeprägt bei uns. Und in Bamberg muss man alles verschenken", bedauert er.

Preisdruck und steigende Kosten sind aber nicht die einzigen Gründe, die für kleinere Ausschankeinheiten sprechen. "Für manche unserer Besucher ist die klassische fränkische Größe schon eine gewisse Herausforderung", sagt Markus Raupach, der in Bamberg die Deutsche Bierakademie betreibt und immer wieder erlebt hat, wie halb volle Biergläser im Schlenkerla zurückgelassen wurden. Auch Raupach spricht von einem Trend zu kleineren Einheiten und langsamerem Trinken. Obwohl er die panische Angst vieler Bamberger Wirte vor Preisanhebungen gut kennt, hält er den Preis als Kaufargument für überbewertet. Er habe das Gegenteil erlebt. "Viele Biertrinker sind gerne bereit etwas mehr zu bezahlen, wenn Qualität und Service stimmen."

Kommentator Jens macht sich seinen eigenen Reim auf die Entwicklung: "Wären die Bamberger von einem Bierpreis zwischen 3,50 und 4,00 Euro nicht geschockt, gäbe es auch wieder Seidla anstatt Fingerhüt."

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