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Region  // Bamberg

ICE-Ausbau

"Da leben wir dann wie in einem Ghetto"

Bahn-Anwohner stehen den für den Bau der ICE-Strecke geplanten Lärmwänden in Bamberg kritisch gegenüber. Manche fürchten "eingesperrt" zu werden, manche haben Angst vor mehr Güterverkehr. Das politische Bamberg formuliert eine "Bamberger Erklärung zum Erhalt des Welterbes".
Albert und Luitgard Maier sehen aus dem Küchenfenster auf die Bahnline. Schon fahren hier 290 Züge am Tag durch.  Nach dem Ausbau durch die ICE-Strecke könnten es doppelt so viele sein.  Foto:  Rinklef
 
Im Hausgang versteht man sein eigenes Wort nicht mehr. Draußen, hinter dem offenen Fester scheppert ein Güterzug vorbei. "Das ist ja noch gar nichts", schreit Albert Maier. Es gibt noch viel längere und lautere Züge.
Die Mieter im Haus der Stadtbau GmbH in der Kornstraße im Bamberger Stadtviertel Gereuth haben sich längst an die vielen Regionalzüge und den ICE gewöhnt, die täglich durchrauschen. "Das ist ein Zischer - und dann ist er wieder weg. Nur die Güterzüge dauern etwas länger", sagt die 79-jährige Maria Rascher. Seit 45 Jahren wohnt sie mit ihrem Mann Konrad in dem 60er-Jahre-Haus der Stadtbau GmbH. Durch das Küchenfenster fällt der Blick auf ein paar Robinien. Dahinter gleich die Bahnlinie.

Die soll sich nun dramatisch verändern, wenn der Bund seine Ausbaupläne wahrmacht. Vier statt zwei Gleise und eine dreifach gestaffelte vier Kilometer lange Lärmwand sind in der Planung. Die Chance, dass die Bahnanrainer durch die neue ICE-Strecke erstmals eine Lärmschutzwand bekommen, wird an der Kornstraße nicht unbedingt als Erlösung betrachtet. Hans Spiegel hält überhaupt nichts davon, dass vor seinem Küchenfenster in kaum 25 Metern Entfernung eine Mauer mit vier Metern Höhe in die Höhe wachsen könnte. "Da leben wir dann eingesperrt wie in einem Ghetto. Ich bin auf keinen Fall für die Wand", sagt der 74-jährige Rentner, der im Erdgeschoss wohnt. Seine Befürchtung: Mit dem ICE werden auch die Bäume fallen, die derzeit noch den Blick aufs Gleis verhüllen. "Ich bin froh, dass wir was Grünes haben."

Auch im zweiten Stock des Nachbarhauses hält sich die Begeisterung für Lärmschutz in Form einer Dreifachmauer in Grenzen. "Also, wenn man hört, dass da nun vier Gleise kommen sollen, bleibt uns ja gar nichts anderes übrig als ja zu einer Lärmwand zu sagen, weil der Verkehr immer mehr wird. Aber sie sollte begrünt werden. Und viel lieber wäre es mir, es bliebe so, wie es ist", sagt Albert Maier. Seine Frau Luitgard pflichtet ihm bei. Auch sie würde am lieber verschont von einer Gleisverdoppelung: "Schon heute wackeln die Häuser." In ihrer Skepsis ist sie sich einig mit ihrer Nachbarin Sieglinde Sabisch: "Die Mauer gefällt mir fei net. Da sehn mir dann gar nix mehr."

Doch kommt der ICE, kommen auch wohl auch die Lärmwände. Zumindest derzeit kann Frank Kniestedt, Pressesprecher der DB Projektbau GmbH, keine Hoffnung machen, dass es nach dem derzeitigen Gesetzesstand in Punkto Lärmschutz eine Wahlmöglichkeit für Bamberger gibt, die an der Bahn leben. Die Dimension der drei geplanten Wandreihen links und rechts der Gleisanlage (vier Meter) sowie in der Mitte (fünf Meter) berechnet sich nach den Richtlinien der Bundesimmissionsschutzverordnung. Das ist Gesetz. Nicht einmal Lücken darf es entlang der eingehausten Bahnstrecke geben, sagt Kniestedt.

Doch die Geschwindigkeit ist es nicht, die den Lärm macht. Wie die Anwohner wissen, kommt der meiste Krach von den Güterzügen. Die sind in den vergangenen Jahren in Bamberg immer mehr geworden. Mittlerweile liegt die Frequenz von 160 Güter- und 130 Peronenzügen am Tag nicht mehr weit von der Maximalkapazität auf einer zweigleiseigen Strecke entfernt. Sie könnte mit dem Ausbau der Strecke verdoppelt werden.

Doch noch immer steht in den Sternen, ob der chronisch klamme Bund überhaupt genug Geld hat, um die Ausbaustrecke zwischen Ebensfeld und Bamberg zu schultern, wenn die Neubaustrecke 2017 fertig ist.
Wie die Planung für Bamberg aussieht, werden Interessierte dennoch möglicherweise bereits Ende 2011 oder Anfang 2012 erfahren. Dann lädt die DB Projekt Bau zum Auftakt des Planfeststellungsverfahrens zu einer Bürgerversammlung ein.

Bekannt ist heute schon, dass der ICE mit Tempo 200 auf den beiden äußeren Gleisen und 160 Stundenkilometern auf den inneren unterwegs sein soll und dass sämtliche Bahnunterführungen Bambergs neu gebaut werden müssen. Zudem zeichnet sich ab, dass das Gleisbett ca. einen halben Meter angehoben werden soll.

Um sich auf den Ausbau vorzubereiten, hat die Stadtverwaltung zwischenzeitlich eine "Bamberger Erklärung zum Erhalt des Welterbes " formuliert. Darin sind acht Ziele festgeschrieben sind. Unter anderem begrüßt die Stadt, dass Bamberg wichtiger Schienenknotenpunkt bleibt; es wird aber ebenso deutlich auf die Gefahren hingewiesen, die durch das Projekt für Bamberg drohen. Zu den wichtigsten Forderungen gehören die Wahrung der visuellen Integrität Bambergs, die Temporeduzierung der Züge unter 200 Stundenkilometern und die Prüfung einer Alternativtrasse für Güterzüge und durchfahrende ICE. Eine zentrale Stellung nimmt der Status Welterbe ein. Er müsse bei der Trassierung Berücksichtigung finden, lautet die Forderung. Die Stadt nimmt dabei ausdrücklich auch den Bauherren in die Pflicht: "Die Bundesrepublik Deutschland ist in ihrer Gesamtheit für die Wahrung des Welterbes verantwortlich."

zum Thema "ICE-Ausbau Bamberg"



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