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Interview

Craft Beer: Dieses Buch zeigt die neue Bierszene in Franken

Der "Craft Beer-Führer Franken" beleuchtet die neue Bierszene der Region. Den Autoren geht es nicht darum, die traditionelle Bierkultur zu verdrängen.
Lust auf Neues: Martin Droschke (links) und Norbert Krines sind Fans der fränkischen Craft Beer-Szene.  Foto: M. Hoch
 
von CHRISTIAN PACK PETER GROSCURTH SEBASTIAN MARTIN
Es tut sich was im Bierland Franken: Eine Generation von Brauern ist angetreten, um aus Hopfen, Malz, Wasser, Hefe - und manchmal auch Zutaten, die laut Reinheitsgebot eigentlich nicht erlaubt sind - Kreationen reifen zu lassen, wie man sie so noch nicht getrunken hat. Für die Bierliebhaber Martin Droschke (Coburg) und Norbert Krines (Kulmbach) Grund genug, ein Buch darüber zu schreiben.

Herr Droschke, Herr Krines, ein Buch über Craft Beer ausgerechnet im Bierland Franken. Wie kommt man darauf?
Martin Droschke: Zum Gourmetbier, wie ich es nenne, bin ich in Böhmen gekommen. Dort existiert eine überaus experimentierfreudige Kleinbrauereiszene, die richtig boomt. Die Brauer dort machen wirklich fantastische Sachen jenseits des Reinheitsgebots. Das hat mich völlig umgehauen.
Norbert Krines: Ich habe vor sechs Jahren mein erstes India Pale Ale getrunken und reagiert, wie ein Franke eben reagiert: Das braucht man hier doch nicht unbedingt. Ich habe die neuen Geschmacksformen aber lieben gelernt. Und irgendwann wusste ich: Unsere Craft-Bierlandschaft muss beschrieben werden.

Ist die in Franken denn schon so stark ausgeprägt?
Krines: Absolut! Die Vielfalt hier ist faszinierend, wir waren teilweise echt überrascht. Die Region ist ja bekannt für traditionelle Biere. Aber wir Franken können definitiv mehr.
Droschke: Wir haben 80 Orte vorgestellt. Die Szene ist noch am Anfang, aber das alles explodiert jetzt. Eines ist auf jeden Fall klar: In Franken gibt es nicht den einen Craft-Hotspot, sondern viele kleine Landbrauereien, die experimentieren.
Braucht Franken Craft Beer?
Droschke: Franken ist mit seiner Biervielfalt doch schon immer in diesem Bereich unterwegs gewesen. Die ganze Welt guckt auf Franken und sagt: Die brauen doch Craft.
Krines: Bei uns wird das unter einem anderen Deckmantel verpackt. Man kann das nicht mit der Craft-Szene in Berlin vergleichen, wo das Bier von hippen Jungs in einem kleinen Kessel gebraut wird und dann cool ist. In Franken haben die Brauer schon immer experimentiert, aber eben weitaus unaufgeregter. Ein Beispiel: Ein Brauer aus der Region hat zu seinem Brauereijubiläum ein Festbier gebraut, das ging in die Richtungen Erdbeere und Honigmelone. Auf der Bierkarte stand dann: Festbier, fruchtig. Mehr nicht.
Droschke: Es gibt Traditionsbrauer, die sagen: Lass uns was Neues machen. Vielleicht auch, um unser Bier außerhalb Frankens bekannter zu machen. Und es gibt den Nachwuchs, der experimentieren will. Es ist schön zu sehen, dass vom 16-jährigen Jungbrauer und dem Brauer, der kurz vor der Rente steht, alles vertreten ist. Und Herzblut haben sie alle. Keiner ist dabei, weil er denkt: Das machen alle, das muss ich jetzt auch machen.
Haben Sie bei Ihrer Erkundungstour auch Craft Beer-Kritiker getroffen?
Krines: Natürlich. Ich saß kürzlich mit einem Brauer zusammen, der sagte: Von dem Bier kannst du doch nur eins trinken. Und es gibt Konsumenten, die sagen: Lass mich damit in Ruhe.
Droschke: Oft wird auch das Reinheitsgebot angeführt. Dabei werden weit mehr als 90 Prozent der Craft-Biere nach dem Reinheitsgebot gebraut, mit anderem Malz und Hopfen. Und was darüber hinaus geht, ist ja nichts Chemisches. In Bayern heißt es dann trotzdem: Du darfst das nicht. Einige Brauereien haben schon richtig Probleme und fühlen sich massiv behindert.

Wie sieht die fränkische Craft Beer-Szene in Zukunft aus?
Krines: Craft Beer wird seine Nische finden. Die wird klein sein. Aber es werden immer neue Ideen entstehen.
Droschke: Fest steht, dass Craft Beer das Bierland Franken verändern wird. Fest steht auch: Die Franken werden weiter ihr Lagerbier trinken - sie werden aber auch bestimmt das eine oder andere Craft Beer ausprobieren.

Das Gespräch führte Christian Pack


Das Buch: Präsentation und Verkauf

Norbert Krines und Martin Droschke präsentieren den "Craft Beer-Führer Franken" am 20. Mai in der Bierothek Bamberg. Fünf der ihrer Ansicht nach besten Craft-Biere werden sie mit dem Publikum genießen. Informationen zur Brauart, den Zutaten und Besonderheiten sowie kurzweilige Exkursionen in die Bierstilgeschichte begleiten den Degustationsabend. Beginn ist um 18 Uhr, der Eintritt kostet 22 Euro inkl. der fünf Bierproben. Voranmeldung: Bierothek Bamberg, Untere Königstraße 1, 96052 Bamberg, Tel.:0951 18543121, bamberg@bierothek.de

Den "Craft Beer-Führer Franken" (ars vivendi Verlag, 250 Seiten, 16,90 Euro) gibt es ab dem 18. Mai auch in unserem Heimatshop in Bamberg (Gutenbergstraße 1) und in den anderen Verkaufsstellen aller unserer Zeitungsausgaben zu kaufen.


Meinung Pro Craft Beer: von Redakteur Peter Groscurth

Eines vorweg: Ich bin ein Bierfan und ich bin ein Fan von unterschiedlichen Sorten, die alle ihren eigenen Charakter haben. Genau der ging vielen Bieren leider Stück für Stück verloren. Dank der sehr lebendigen Craft Beer-Szene erlebt Bier nun einen echten Boom - das gilt auch für Franken. Sogar Menschen, die früher ein Seidla als langweilig und bieder abtaten, genehmigen sich plötzlich genussvoll eine kühle Halbe. Und auch unsere Brauer entdecken ihre Liebe zum Gerstensaft neu und experimentieren mit ganz ungewöhnlichen Sorten. Je bunter Bier-Franken sich gibt, umso mehr Menschen gucken auf unsere Region, kommen hierher und stoßen mit unseren Spezialitäten an.

Manch Brauerei-Chef staunt übrigens, dass mittlerweile sogar Frauen Bier sexy finden. Otto von Bismarck sagte einmal: "Es wird bei uns Deutschen mit wenig so viel Zeit totgeschlagen wie mit Biertrinken." Da hat er recht: Am schönsten sind eben gemeinsame Stunden draußen mit Freunden und einem kühlen Seidla - gerne auch Craft Beer. Zum Wohl!



Meinung Contra Craft Beer: von Redakteur Sebastian Martin

Es ist der Gegentrend zu den Großbrauereien, zum Industriebier, das die Megakonzerne, die hinter Becks und Co. stehen, produzieren: Craft Beer. Denn: Wo der Markt von den Großen beherrscht wird, schmeckt auch das Bier fad und langweilig. In Berlin und anderswo lechzen die durstigen Kehlen nach Abwechslung. Die Gerstensaftfans jubeln, wenn ein Craft Beer auf der Karte einer Kneipe steht. Der Hipster trinkt India Pale Ale. Mehr und mehr auch in Franken. Doch, was woanders Sinn macht, muss für eine traditionelle Bierregion wie Oberfranken nicht den gleichen Effekt haben: Hier gibt es längst Craftbiere in Unmengen. Kleine handwerkliche Betriebe stellen ein feines Gebräu her. Und das, man staune, äußerst vielfältig im Geschmack. Das Schöne an den "normalen" fränkischen Bieren: Sie sind günstig und somit massentauglich, das höherpreisige Pale Ale taugt eher für den verkappten Weinliebhaber. Bleibt zu hoffen, dass die Craft Beer-Welle, die derzeit die Schwemmen spült, nicht die traditionelle Braukunst mit sich reißt.




Umfrage: Craft Beer: Gut für Franken?


Der Begriff "Craft Beer" kommt aus dem Amerikanischen und bedeutet "handwerklich gebrautes Bier". Vor sechs Jahren schwappte das Phänomen nach Deutschland. Ein Klassiker ist das India Pale Ale (IPA), welches sehr intensiv gehopft ist. Aber auch Schoko- oder Kaffeenoten können über Mälzvorgänge erreicht werden. Wie stehen Bierexperten aus der Region zum neuen Trend?

Biersommeliere Carmen Fiedler vom Landgasthof Fiedler in Dietersheim (Landkreis Neustadt/Aisch) findet Craft Beer faszinierend. "Es geht weg vom Industriebier und bietet viele Möglichkeiten. Beispielsweise der Aroma-Hopfen aus den USA oder Bier, das in Holzfässern gelagert wird." In ihrer Wirtschaft würden die Gäste offen auf die neuen Biere zugehen. "Die Franken wollen auch etwas ausprobieren. Ich kann damit trumpfen, dass ich auch anderes Bier auf der Karte habe."

Matthias Trum, Geschäftsführer der Brauerei Schlenkerla in Bamberg, betont: "Die Biervielfalt, die da jetzt gekommen ist, hatten wir in Franken doch schon immer." Auch wenn er die Entwicklung hin zur höheren Wertigkeit von Bier gut findet, glaubt er nicht, dass Craft Beer langfristig zum Erhalt der Vielfalt nötig ist. "Da wird sich über außergewöhnlichen Geschmack definiert. Aber wenn alle ein India Pale Ale anbieten, was ist da denn noch besonders?"

Jeff Maisel von Brauerei Maisel in Bayreuth steht Craft Beer sehr positiv gegenüber. "Die Einstellung der fränkischen Brauer passt aus meiner Sicht wunderbar zu der der Craft-Brauer. Uns alle eint ein Ziel, nämlich, dass die Menschen Freude am Biergenuss haben, dass das Brauhandwerk in Vordergrund steht und dass wir den Bierliebhabern eine schöne Vielfalt an erstklassig gebrauten Bieren anbieten können." Craft Beer werde sich in jedem Fall in Franken durchsetzen. "Wenn das nicht sogar schon geschehen ist."

Roland Kundmüller, Braumeister und Geschäftsführer der Brauerei Kundmüller in Viereth (Landkreis Bamberg), findet: "Craft Beer bedeutet nicht einfach nur handwerklich gebrautes Bier. Es ist der Brauer, der sein Herzblut, sein Wissen und sein Können in ein Bier steckt und nicht irgendeine große Anlage, die automatisiert ohne Menschenhand braut." Craft Beer sei nicht nur IPA, Stout und Wit, sondern auch Lager, Keller und Rauch. "Denn Craft Beer gibt es in Franken schon immer und wird es immer geben."

Georg Hofmann
, Inhaber der Privatbrauerei Hofmann in Pahres (Landkreis Neustadt/Aisch) sagt: "Im Endeffekt sind unsere Familienbetriebe in Franken doch alle Craft Beer-Brauer. Wir legen schon immer viel Wert auf Qualität und gute Rohstoffe." Seit drei Jahren produziert Hofmann eine kleine Menge eines India Pale Ale. Aber keine Angst: "Auch künftig wird jeder Bierfreund bei uns sein traditionelles Seidla genießen können."








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