Bamberg
Bedrohung

Bombendrohung in Bamberg: Menschen reagieren besonnen

Ein Senegalese bedroht in Bamberg Menschen mit dem Satz "Ihr werdet alle sterben". Die Polizei spricht von der Tat eines psychisch kranken Menschen.
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Mittlerweile sind die Busse wieder von der Willy-Lessing-Straße (Bild) zum ZOB zurückgekehrt. Der Alarm wegen einer Bombendrohung wurde aufgehoben.   Foto: Ronald Rinklef
Mittlerweile sind die Busse wieder von der Willy-Lessing-Straße (Bild) zum ZOB zurückgekehrt. Der Alarm wegen einer Bombendrohung wurde aufgehoben. Foto: Ronald Rinklef
Bamberg erlebte am Freitagmittag bange Stunden rund um den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB). Dort wurden mehrere Straßen evakuiert, nachdem ein 30-jähriger Mann senegalesischer Staatsangehörigkeit mit den Worten "Ihr werdet alle sterben" Fahrgäste bedroht hatte. Daraufhin stieg der Mann mit zwei Rucksäcken in einen Bus ein, wo er sich von der herbeigerufenen Polizei gegen 12 Uhr widerstandslos festnehmen ließ.



Ein später hinzugerufenes Sprengstoffkommando untersuchte die beiden Gepäckstücke, fand aber nur Alltagsgegenstände darin. Kurz nach 15 Uhr wurde der Alarm aufgehoben und der ZOB wieder freigegeben. Verletzt wurde niemand.

Von einem islamistischen Hintergrund der Tat mochte am Freitagnachmittag weder die Polizei, noch die Staatsanwaltschaft sprechen: Obwohl der Mann Sätze gesagt hatte, die im nächsten Umfeld genau dies hatten befürchten lassen und die für große Unruhe unter Passanten gesorgt haben sollen. Es waren die Worte "Ihr werdet alle sterben" und "Allahu Akbar", die offenbar mehrere Zeugen gehört hatten. Außerdem stieß der Mann weitere Drohungen in nicht deutscher Sprache aus.


Kein Hinweis auf den IS

Trotz dieser Formulierungen geht die Bamberger Staatsanwaltschaft nach derzeitigem Kenntnisstand nicht davon aus, dass es für die Tat in Bamberg einen extremistischen oder gar terroristischen Hintergrund gegeben haben könnte. Auch habe man keine Erkenntnisse über Beziehungen zum Islamischen Staat. "Wir haben Hinweise, dass es sich um einen Einzeltäter handelt und dass eine psychische Erkrankung im Vordergrund der Tat stand", sagte Matthias Bachmann, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Waffen trug der Mann, der nach Erkenntnissen der Behörden in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) leben soll, keine. Auch in der AEO soll es zu einem Polizeieinsatz gekommen sein, wie Usula Sowa vom Ombudsrat des Stadtrats der AEO sagte. Dort soll es laut Sowa ebenfalls eine Festnahme gegeben haben.
Der senegalesische Staatsbürger sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Bamberg wirft ihm vor, Menschen bedroht und den öffentlichen Frieden durch Androhung von Straftaten gefährdet zu haben. Letzterer Straftatsbestand wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet.

Dass die Behörden "harte Kante" zeigen und bei der Strafverfolgung "hart durchgreifen" wollen, wie die Polizei formulierte, hat vor allem mit den Folgen des Tatverhaltens zu tun: "Es ist für die Wirkung in der Öffentlichkeit erst einmal unerheblich, ob die Androhungen wirklich ernst gemeint waren oder nicht", sagte Matthias Bachmann dieser Zeitung.

Nach Angaben von Anne Höfer vom Polizeipräsidium Oberfranken soll der Tatverdächtige nun auf seinen Geisteszustand untersucht werden. Solte sich der Verdachte einer psychischen Erkrankung bewahrheiten, werde es zu eine Unterbringung in einer psychatrischen Anstalt kommen. Auf Facebook kursierte bereits kurz nach der Tat ein angebliches Täterfoto.. Ob es tatsächlich den Tatverdächtigen zeigt, ist aber ungeklärt.

Wegen der dreistündigen Sperrung des ZOB zur Hauptverkehrszeit kam es auf der Bamberger Promenade zeitweise zu Behinderungen und Verzögerungen. Viele Schüler und Mitarbeiter der umliegenden Geschäfte und Behörden konnten nicht an der gewohnten Haltestelle einsteigen, sondern mussten zur benachbarten Willy-Lessing-Straße gehen, wo die Stadtwerke einen provisorischen Busbahnhof eingerichtet hatten. Trotz der zeitweise unklaren Bedrohungslage reagierten die meisten Passanten unaufgeregt und besonnen. Auf den Straßen rund um die Innenstadt stauten sich kurzfristig die Fahrzeuge. Besonders betroffen vom Rückstau durch die Busse waren die Friedrichstraße und die Willy-Lessing-Straße.
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