Bamberg
Kinder-Uni

Bau einer Kuppel: Steine wie Tortenstücke gestapelt

Etwa 80 Kinder haben gelernt, wie schwierig der Bau einer Moschee und anderer Gebäude einst war und heute immer noch ist.
Artikel einbetten
Für seine Vorlesung über Moscheen und Kuppeln hatte Professor Lorenz Korn als Beispiel eine Mini-Version einer Moschee mitgebracht.  Fotos: R. Rinklef
Für seine Vorlesung über Moscheen und Kuppeln hatte Professor Lorenz Korn als Beispiel eine Mini-Version einer Moschee mitgebracht. Fotos: R. Rinklef
+11 Bilder
Die leichte Aufregung, von der Professor Lorenz Korn vor seiner Vorlesung an der Kinder-Uni in Bamberg gesprochen hatte, war unbegründet. Nicht nur, weil der Islamwissenschaftler nach seinem Vortrag zum Thema Moscheen viel Lob zu hören bekam. Sondern auch, weil die etwa 80 jungen Zuhörer zwischen neun und zwölf Jahren sich beim Thema Islam als echte Experten entpuppten.

Immer wieder wurden die Finger nach oben gereckt, wenn Korn ein neues Gebäude aus den verschiedensten Teilen der Welt auf der Leinwand präsentierte: "Das hat ein Dreieck, wie bei einem griechischen Tempel", wusste ein Mädchen. "Das Minarett ist ein Bauwerk des Islams. Und das da sind Marmorsteine mit Gold-Verzierungen", erklärte ein Junge.


Mit Lehm und Zweigen

Keine Frage: Viele Kinder wussten bei der Vorlesung mit dem Titel "Warum haben Moscheen Kuppeln?" schon bestens Bescheid. Neues lernen konnten sie trotzdem. Zum Beispiel, dass die wahrscheinlich älteste Moschee in der Geschichte des Islams in Medina in Saudi-Arabien entstand. "Damals noch ganz einfach mit Lehm und den Dächern aus Zweigen", erklärte Korn. Früher wurden die Gebäude eher flach und breit gebaut.

Die für einige Moscheen so typischen Kuppeln (Kubba) fand man zu jener Zeit noch nicht, sind aber mittlerweile auf der ganzen Welt verbreitet - und das nicht nur in Moscheen. "Hinter den Kuppeln verbergen sich spannende Ideen, wie man Räume gestaltet - und knifflige Probleme bei der Konstruktion", so Korn. Oft würden für den Kuppelbau Steine wie Tortenstücke aufeinander gestapelt. "Der letzte Stein ist der wichtigste. Er hält alles zusammen", zeigte der Professor an einem Bild an der Leinwand.

Wie schwierig es ist, die runden Elemente in ein Gebäude zu bringen, erklärte Korn an verschiedenen Beispielen. Unter anderem dem Pantheon in Rom, das als Tempel für die Götter gebaut wurde und noch heute als Vorbild für Kuppelbauten auf der ganzen Welt gilt. Die Kuppel dort hat einen Durchmesser von 43 Metern. Durch eine kreisrunde Öffnung kann die Sonne hinein scheinen. Der Lichtstrahl wird dann bis zum Boden immer größer.


Durch Erdbeben eingestürzt

Ein weiteres beeindruckendes Bauwerk ist die Hagia Sophia, ein Bauwerk, das in Istanbul in der Türkei steht. "Erst war es eine Kirche, dann eine Moschee und heute ist es ein Museum", erklärte Korn. Die Kuppel war bei Erdbeben mehrfach eingestürzt und wurde wieder aufgebaut. Heute finden sich in der Kuppel der Hagia Sophia 40 Fenster, durch die das Licht hinein scheint.

Auch in Deutschland gibt es einige Moscheen - und das unter anderem auch gar nicht weit vom Vorlesungsraum entfernt. "Die Moschee in Bamberg steht in der Nähe vom Schlachthof", wusste eine junge Zuhörerin zu berichten.


Wer putzt die Fenster?

Neben dem Minarett - also einem Turm für den Gebetsrufer - besitzen einige Moscheen in Deutschland auch eine Kuppel. Ein ganz moderne Moschee mit Kuppel und Minarett wird derzeit in Köln gebaut. Sie soll neben den Gebetsräumen unter anderem auch eine Bibliothek bieten. Die leicht geschwungene Kuppel wird aus Beton und Glas gebaut. Beim Blick auf das Bild stellte Professor Lorenz Korn zum Abschluss der Vorlesung noch eine lustige Frage: "Wer muss in Köln eigentlich die vielen Fenster putzen?"
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
2 Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren