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Bierhistorie

Bambergs vergessene Brauereien

Zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes lassen wir Geschichten um Brauereien aufleben, die aus Bamberg verschwanden. Und suchen weitere Geschichten.
Brauereibesitzer Johann Baptist Rippstein (rechts hinten) mit der befreundeten Familie Weiß an einem Sommertag ums Jahr 1935 auf seinem Bierkeller. Foto: Alexander Dageförde
 
von PETRA MAYER
Haben Sie die Brauerei auf dem Michaelsberg noch kennengelernt? Fast 850 Jahre lang floss hier Bamberger Bier, an dem sich die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg gleich nach dem Einmarsch schwindelig tranken. Legendär auch die Braustätten "Polarbär (Bollabär)", "Einhorn" oder beispielsweise "Mohrenpeter" - bis 1947 Treffpunkt der Gärtnerzunft in der Theuerstadt. All diese Quellen der Bierstadt Bamberg aber sind seit Jahrzehnten versiegt. So blieben von 76 Brauereien, die durstige Kehlen in den vergangenen zwei Jahrhunderten versorgten, ganze neun Betriebe. Zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes schreiben wir einen Nachruf auf Produzenten, die Bamberger zwar nicht mehr mit ober- oder untergärigen Spezialitäten, aber doch Geschichten beliefern können. Angefangen bei Murrmann, einer kleinen Braustätte auf dem Jakobsberg, die Flugzeugpionier Willy Messerschmitt "artfremd" zu nutzen wusste.

Viele menschliche Schicksale verbinden sich mit der Brauerei am Jakobsberg. Bis 1693 reichen ihre Anfänge zurück, wie Christian Fiedler für "Bamberg - Die wahre Hauptstadt des Bieres" recherchierte. Lothar Franz von Schönborn wurde in dem Jahr zum Bamberger Bischof gewählt. Die Neue Residenz der Fürstbischöfe entstand. Und Franz Kaspar Murrmann gründete als Sohn eines Torwächters die Murrmannsbräu am Jakobsberg. Allerdings ging das Unternehmen, das den Namen seines Gründers beibehielt, schon Ende des 18. Jahrhunderts in den Besitz von Lorenz Reinlein über.


In der Regnitz ertränkt

Eine tragische Episode, die zwei Brauer-Dynastien betraf, folgte. Demnach ertränkte sich Rein-leins Frau Elisabetha - eine Tochter des Karmeliterbrauchers Johann Leicht - am 15. Juli 1856 in der Regnitz, nachdem ihr Mann mit nur 38 Jahren verstorben war.

Von Familie Reinlein übernahm der aus Sand am Main stammende Johann Baptist Rippstein die Braustätte 1913. Den Ersten Weltkrieg überlebte sein Betrieb allerdings nicht mehr. Rippstein stellte die Bierproduktion ein und überließ Teile des früheren Brauereigeländes Messerschmitt zur Konstruktion von Flugzeugen. Der geniale Kopf hatte zuvor schon das Hinterzimmer der väterlichen Weinhandlung für Entwürfe genutzt, auch erste Segelgleiter gebaut.


Noch einmal wiederbelebt

Tatsächlich ließ Rippstein seinen Betrieb in den 30er Jahren noch einmal aufleben, wie Fiedler berichtete. Bis nach Eltmann lieferte er sein bekanntes Märzenbier fortan. Dann aber starb der Brauer am 23. Dezember 1935 mit 50 Jahren. Und mit ihm starb die Brautradition, die der fürstliche Büttner Murrmann knapp 250 Jahre zuvor begründet hatte.

Wie ging's weiter mit der einstigen Brauerei? "Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Teil des Anwesens auf Basis des ,Reichsleistungs- und Flüchtlingsnotgesetzes' beschlagnahmt", schreibt Christian Fiedler. Als "Lager für Vertriebene" wurden Räume genutzt. Später erwarb die Caritas "das sogenannte Murrmanns-Lager, um den Neubau eines Altenheimes und Hauses für die Franziskus-Schwestern zu ermöglichen". Indes kam's wenig später schon zum Abriss dieses Teils der ehemaligen Brauerei. Während das Anwesen mit der Hausnummer 7 bis in die 50er Jahre hinein als Gastwirtschaft Murrmann betrieben und erst danach zu Wohnzwecken umfunktioniert wurde.


Fotos und Erinnerungen gesucht

Welche Geschichten zu vergangenen Braustätten können Sie zu unserer Reihe beitragen? Welche Schmankerl, Infos und historische Fotos gibt es zur Hofbräu als erster "Bierfabrik" der Stadt, zu den Brauereien Maisel, Polarbär, Mohrenpeter, Einhorn, Bärenbräu, Weiße Taube oder Kleebaum, mit denen wir uns demnächst befassen? (Zuschriften bitte an p.mayer@infran-ken.de oder Reaktion Bamberg (z. H. Petra Mayer), Augustenstraße 2a, 96047 Bamberg.)

zum Thema "Bier"



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