Bamberg
Bahnausbau

Bamberg tritt beim Bahnausbau auf die Bremse

Bamberg soll der glänzende Schlussstein für die neue Hochgeschwindigkeitstrasse Berlin München sein. Doch aus der Welterbestadt kommt Widerstand.
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Der viergleisige Ausbau durch Bamberg soll 2022 beginnen und über eine Milliarde Euro kosten. Doch der Bamberger Stadtrat hat es alles andere als eilig.   Fotos: Ronald Rinklef
Der viergleisige Ausbau durch Bamberg soll 2022 beginnen und über eine Milliarde Euro kosten. Doch der Bamberger Stadtrat hat es alles andere als eilig. Fotos: Ronald Rinklef
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Noch bis März hatten sich die Verantwortlichen der Bahn eine Trassenentscheidung durch die Stadt gewünscht. Dann hätte der Bund bereits im April erste Weichen stellen können. Doch dazu wird es nicht kommen. Der Bamberger Stadtrat hat am Dienstag kräftig auf die Bremse getreten. Einstimmig wurde ein Beschluss gefasst, der sich nicht nur nicht mit den Zeitvorstellungen der Bahn in Einklang bringen lässt. Eine ganze Reihe von Aussagen der Bahnvertreter soll auf den Prüfstand gestellt werden, etwa die Ergebnisse einer so genannten eisenbahnbetriebswissenschaftlichen Untersuchung. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob der viergleisige Ausbau der Bahnstrecke überhaupt nötig ist. Diese Position hatten Bahnvertreter am Dienstag mit einer ganzen Reihe von Argumenten untermauert. Dennoch wurden auch nach den Fachvorträgen Zweifel laut, zumal die Prognosezahlen für den Zugverkehr mittlerweile wieder zurückgehen.

Im Auftrag der Stadt soll außerdem die Frage geklärt werden, ob es für das flächenfressende Verbindungsgleis Richtung Schweinfurt Alternativen gibt und ob der erwünschte S-Bahn-Halt Süd im Falle eines Tunnelbaus tatsächlich, wie die Bahn sagt, als nicht machbar erscheint. Die Untersuchung auf Kosten der Stadt soll in einer unabhängigen Ausbauempfehlung durch das Verkehrswissenschaftliche Institut Stuttgart münden. Bisher sind noch fünf Varianten im Rennen: Ebenerdiger Ausbau, langer Tunnel, kurzer gedeckelter Tunnel im Süden, Dreigleisigkeit und der Verzicht auf den Ausbau.

Heftig gerungen wurde im Spiegelsaal der Harmonie auch um die Frage, warum für das Projekt, das 2022 begonnen werden soll, eine Schallschutzverordnung aus dem Jahr 1990 gilt. Grund dafür ist weniger die offenbar niedriger anzusetzende Höhe der Lärmwände, sondern der Zeitverlust für das Gesamtprojekt bis zu fünf Jahren, wenn die Bahn das dafür nötige neue Planfeststellungsverfahren einleiten würde. Genau dieses soll nun passieren, fordert zumindest die Stadt. Sollte sich die Bahn darauf nicht einlassen, droht ein jahrelanger Rechtsstreit. Auch sonst steht viel auf dem Spiel. Die Eigenbeteiligung der Stadt für das Milliardenprojekt soll bei 45 Millionen Euro liegen. Der Ausbau wird ganze Straßenzüge über viele Jahre hinweg lahmlegen. Ausführlicher Bericht folgt.
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