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Region  // Bamberg

Bahnausbau

Bahnausbau: Die Furcht vor dem "Kollaps" in Bamberg

Millionenkosten, jahrelange Sperrungen: Bamberg muss viele Kröten schlucken, wenn die Bahn mit dem Bau der viergleisigen Strecke durch Bamberg beginnt.
Zeitersparnis und wachsender Personennahverkehr sprechen laut Bahn für den viergleisigen Ausbau durch Bamberg. Doch die Prognosen sind umstritten. Foto: Ronald Rinklef
 
von MICHAEL WEHNER
Rund dreieinhalb Stunden wurde am Dienstag im Sitzungssaal der Harmonie eisenbahnchinesisch gesprochen. Es ging um teils schwer verständliche technische Details des Bamberger Bahnausbaus: vom Aushub der Erd - und Steinmassen (1,5 Millionen Kubikmeter) bis zur doppelten Unterführung eines Gleises in der Nordflur, von den Auswirkungen der neuen Trassen auf die Verspätungshäufigkeit bis zum Sicherheitskonzept samt Rettungsplätzen für den Tunnel. Dann wurde der Horrorkatalog ausgepackt.

Bahnplaner Richard Reinl präsentierte die Folie mit dem explosiven Inhalt eher beiläufig, eine von 20 Anlagen im Sitzungspaket der Stadträte. Dort war die Rede davon, dass der Tunnelbau durch Bamberg inklusive aller Nacharbeiten zwölf Jahre dauern wird. Untrennbar damit verbunden sind Staus und Verkehrsbehinderungen, die die bekannten Maßstäbe in Bamberg in den Schatten stellen dürften. Glaubt man den Aussagen der Bahn, erfordert der Bau von vier Röhren, dass mit dem Münchner Ring, der Geisfelder Straße und der Zollner Straße gleichzeitig drei Ost-West-Verbindungen dreieinhalb Jahre lang (!) voll gesperrt werden. Auch für Coburger und die Memmelsdorfer Straße soll es viereinhalb, bzw. drei Jahre ein Durchfahrtverbot geben. Kaum vorstellbar, wie unter solchen Bedingungen das städtische Leben funktionieren soll.

Die Liste der Grausamkeiten verfehlte ihre Wirkung nicht. "Je länger man zuhört, desto mehr bekommt man Angst vor dem, was die Bahn in Bamberg plant" sagte Klaus Stieringer (SPD) und sprach von "gigantischen Monsterbaustellen", ohne aber ihre betriebliche Notwendigkeit zu akzeptieren. "Dem Steuerzahler könnte viel Geld erspart werden, wenn er auf die Minute Zeitersparnis verzichtet, die durch den Ausbau in Bamberg gewonnen wird", sagte Stieringer. Auch Daniela Reinfelder (Bambergs Unabhängige Bürger) malte den Teufel an die Wand: "Viele Betriebe werden zusperren und nicht überleben."

In der Tat spricht manches dafür, dass das nächste Jahrzehnt für die Stadt kein leichtes wird. Organisatorisch, aber auch finanziell: Zwar tragen Bund und Bahn den Löwenanteil am Milliardenprojekt, doch für die Erneuerung von Brücken und Unterführungen müssen nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz auch die Bamberger bluten: 45 Millionen beträgt ihr Anteil bei der Durchfahrung im Bestand, rund 36 Millionen kostet die Bürger der lange Tunnel.

Doch noch ist es nicht soweit: Die verbliebenen fünf Varianten des Bahnausbaus und die damit verbundenen Drohszenarien sollen nach dem einstimmigen Beschluss nun durch ein unabhängiges Stuttgarter Büro auf den Prüfstand gestellt werden. Dass es sich lohnt, den Aussagen von Bund und Bahn nicht blind zu vertrauen, daran gab es im Stadtrat schon wegen der unsicheren Verkehrsprognosen keinen Zweifel. Schon heute deuten sich zudem Chancen an, dem Bahnausbau auch Vorteile abzugewinnen. So fordert die CSU als Kompensation einen S-Bahn-Halt Süd, unabhängig davon, dass die Bahn diese Möglichkeit von einem Ausbau im Bestand abhängig macht.

Auch der kurze Tunnel ist nicht vom Tisch. Für die Bamberger Allianz und auch für die FDP erscheint er deshalb interessant, weil er niedrigere Kosten, Flächengewinn und Lärmschutz im Süden mit dem geringeren Verbrauch von Gärtnerland und sicherem Lärmschutz auf der Bestandststrecke verbindet. Denn auch diese Erkenntnis wurde bestätigt: Selbst wenn zwei Gleise unter Bamberg hindurchführen, bedeutet dies nicht, dass man Güterverkehrsunternehmen zwingen könnte, sie tatsächlich zu nutzen.

Sehr zufrieden mit der kämpferischen Haltung im Stadtrat zeigten sich Bambergs Grüne. Wie viele im Stadtrat machen sich Ursula Sowa und Co. dafür stark, die neue Schallschutzrichtlinie anzuwenden. Peter Gack widersprach zudem dem von der Bahn genannten "Flaschenhals"-Argument. Demnach sei es unsinnig, einen viergleisigen Ausbau auf der ganzen Strecke vorzunehmen und nur Bamberg auszusparen. Wie Gack sagte, werde auch in dem an der Ausbaustrecke gelegenen Fürth kein viergleisiger Ausbau erfolgen. Dort hat sich die Stadt erfolgreich vor Gericht gegen die Ausbaupläne gewehrt. Auch von Anna Niedermaier (CSU) kam ein Appell, "der Bahn auf die Finger zu schauen": "Wir dürfen nicht resignieren."

Kommentar des Autors:

Der Poker
um die Gleise


Der Stadtrat hat sich nicht ins Bockshorn jagen lassen - und das ist gut so. Nach 20-jährigem Planungsvorlauf wäre es schwer verständlich, wenn die Stadt nicht jede Chance ergreifen würde, um die schädlichen Auswirkungen des Megaprojekts zu begrenzen.

Und es spricht nicht für die Glaubwürdigkeit der Bahn, wenn zentrale Entscheidungsgrundlagen wie Verkehrsprognosen und Schallschutzvorschriften gleichsam über Nacht geändert werden.

Vorsicht ist angesagt, auch was die angekündigten Horrorsperrungen angeht. Die Bahn will ein Prestigeprojekt vollenden und sie will es zu den für sie besten Bedingungen tun - als Ausbau im Bestand.

Die Flinte ins Korn zu werfen, verbietet sich unter diesen Umständen von selbst. Bamberg sitzt im Trassenpoker einem mächtigen Gegner gegenüber. Aber es ist nicht chancenlos.

zum Thema "ICE-Ausbau Bamberg"

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