Bamberg
Schhienenverkehr

Bahn: ICE-Systemhalt in Bamberg bleibt

TV Oberfranken und Radio Bamberg hatten zu den ersten "Bamberger Gesprächen" in die Harmonie eingeladen. Bei der Podiumsdiskussion ging es um den viergleisigen ICE-Ausbau.
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In Studioatmosphäre diskutierten (von links) Robert Bartsch, Sprecher der Bürgerinitiative Bahnsinn, Oberbürgermeister Andreas Starke, Mischa Salzmann (Radio Bamberg), Frank Ebert (TVO) und Michael Baufeld von der Bahn AG.  Foto: RiegerPress
In Studioatmosphäre diskutierten (von links) Robert Bartsch, Sprecher der Bürgerinitiative Bahnsinn, Oberbürgermeister Andreas Starke, Mischa Salzmann (Radio Bamberg), Frank Ebert (TVO) und Michael Baufeld von der Bahn AG. Foto: RiegerPress
Michael Baufeld, Kommunikationsleiter für Großprojekte bei der Bahn AG, hatte bei den ersten "Bamberger Gesprächen" im gut besuchten Spiegelsaal der Harmonie keinen leichten Stand. Schließlich musste er sich nicht nur während der Diskussion auf dem Podium zur "Wehr" setzen, sondern sich auch gegen aufgebrachte Zuhörer behaupten, die mehr als einmal in seine Richtung Buhrufe erklingen ließen.

Im Laufe der Diskussionsrunde warf Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) der Bahn unter anderem vor, sie würde nicht genügend Öffentlichkeitsarbeit machen. "Es war die Stadt, die eine 3D-Animation vorlegte, die den Stadtrat unterrichtete und die zu Informationsveranstaltungen einlud", betonte er. Daher könne er nicht verstehen, dass in einer Online-Umfrage über 50 Prozent sich von der Stadt schlecht informiert sähen. Die Stadt hätte damit eine Ohrfeige erhalten, die eigentlich die Bahn hätte bekommen müssen. Denn auch sie müsse Öffentlichkeitsarbeit leisten.

"Keine meterhohen Betonwände zulassen"

Angriffslustig zeigte sich auch Robert Bartsch von der Bürgerinitiative "Bahnsinn": "Der bisher von der Bahn im Raum stehende Plan von 2011 mit den hohen Lärmschutzmauern ist es nicht einmal wert, in die Tonnen geworfen zu werden." Sein Aktionsbündnis werde es daher nicht zulassen, dass meterhohe Betonwände durch Bamberg gezogen werden, kündigte er an.

Ferner kritisierte der "Bahnsinn"-Sprecher, dass die Bahn in den vergangenen zwei Jahrzehnten "keinen Finger für den Lärmschutz krumm gemacht" habe. In den letzten zehn Jahre habe sie es geschafft, gerade einmal 1250 Güterwaggons mit neuen leisen Bremsen nachzurüsten. Und die Güterzüge seien es, die den Bürgern der Stadt den Schlaf raubten.

Baufeld erwiderte, dass die Bahn im Dialog mit der Stadt eine genehmigungsfähige Lösung suchen werde. "Dabei gilt es drei Dinge unter einen Hut zu bringen: das Weltkulturerbe zu sichern, einen Lärmschutz zu finden und das Stadtbild möglichst wenig zu beeinträchtigen."

Entwarnung konnte der Sprecher der Bahn auch beim Vorwurf geben, dass die Bahn sich bereits für eine der neun Varianten entschieden habe. "Wir werden die Varianten ergebnisoffen diskutieren und versuchen, eine für alle Beteiligten einvernehmliche Lösung zu finden", betonte er. Sollte es zudem notwendig werden, dass die Umlandpläne geändert werden müssten, die man demnächst einreichen werde, wolle man dies auch tun.

Niemand wollte sich festlegen

Welche der neun Varianten jedoch letztendlich umgesetzt wird, bleibt weiterhin offen. Keiner der drei Disputanten wollte sich auf eine Variante festlegen. Michael Baufeld gestand lediglich, dass die Ostumfahrung den Charme hätte, dass der Ausbau der Strecke gemacht werden könnte, ohne den laufenden Bahnbetrieb allzu sehr zu stören. Gleichzeitig müssten aber auch deren Nachteile beleuchtet werden.

Für Andreas Starke hingegen wäre auch eine eingleisige Tunnellösung für den Güterverkehr eine denkbare Alternative. "In Offenburg konnte eine derartige Lösung verwirklicht werden, nachdem sich das Land an den Mehrkosten beteiligt hat. Daher habe ich vorsorglich schon mal den bayerischen Finanzminister diesbezüglich informiert", sagte er mit einem Augenzwinkern. Und Robert Bartsch betonte, dass "Bahnsinn" keine generelle Ostumfahrung befürworte, sondern, wenn überhaupt, nur eine Umfahrung für Güterzüge. "Jede Idee der Bürger ist es Wert, dass sie von unabhängigen Gutachtern geprüft wird", sagte Robert Bartsch. Dafür erntete er allerdings von einigen Zuschauern Buhrufe.

In Sachen Güterzüge sah auch der Bahnsprecher Handlungsbedarf. Er gehe aber davon aus, dass es bis zum Jahre 2020 keinen "lauten Güterzug" bei der Deutschen Bahn mehr geben werde, sagte er. Denn bereits jetzt seien rund 7000 Waggons mit den leisen Bremsen umgerüstet worden. Insgesamt stünden noch rund 60 000 Güterzugwaggons zur Umrüstung an. Baufeld gab ferner zu, dass das Güterzugaufkommen in den nächsten Jahren noch steigen werde, da Deutschland ein Transitland sei. "Allerdings können wir eine Verlagerung von Warenverkehr von der Straße auf die Schiene nicht umsetzen, ohne ausreichende Lärmschutzverbesserung."

Während Oberbürgermeister Starke im Schlusswort davor warnte, einen Stadtteil in Bamberg gegen einen anderen auszuspielen, versicherte Michael Baufeld, dass der ICE-Systemhalt in Bamberg erhalten bleibt. "Wir werden den Bahnsteig in Bamberg sogar noch verlängern, damit auch unsere neue Generation der ICE-Züge hier Halt machen kann." Zudem sei geplant, dass künftig auf der Strecke München-Berlin die ICE-Züge stündlich in jede Richtung in Bamberg anhalten werden.



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