Region // Bamberg
Ausstellung klärt über die NS-Frankentage auf
In der St. Stephanskirche wurde eine Ausstellung über den mittelfränkischen Hesselberg in den Jahren des Nationalsozialismus eröffnet. Eine hochaktuelle Ergänzung findet die Präsentation zu den "Frankentagen" der Neonazis.
Was hat der mittelfränkische Hesselberg mit Bamberg zu tun? Und warum wird eine Ausstellung über diesen Berg in einer Kirche gezeigt? Warum ausgerechnet in einer evangelischen Kirche? Auf seine Fragen gab der evangelisch-lutherische Dekan Otfried Sperl selbst die Antwort: "In den Jahren zwischen 1928 und 1939 war der Hesselberg ein wichtiger Ort für große Massenversammlungen", keine kirchlichen Versammlungen, sondern es habe sich um die sogenannten "Frankentage" der Nationalsozialisten gehandelt. Jeweils 100.000 Besucher von Nürnberg und weiten Teilen Mittel- und Oberfrankens sowie Teilen Baden-Württembergs seien dort zu politischen Kundgebungen zusammen gekommen. "Aber es waren viele Christen darunter, und davon nicht wenige evangelische Christen", erklärte Sperl. Menschen, die in der christlichen Tradition groß geworden seien und "doch anfällig waren für rassistische Events mit quasireligiösem Anstrich."
"Der Hesselberg - ein ‚heiliger' Ort der Täter. Nationalsozialismus in Franken" titelt diese Ausstellung in der St. Stephanskirche. Sie steht unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Die Präsentation verfolgt mit Hilfe von historischem Bildmaterial und Texten sowie mit Ton- und Bildaufnahmen das Ziel, den Hesselberg als einen vergessenen Ort der Täter ins Bewusstsein zu rufen.
Und wie es möglich sein konnte, dass der Ort nach dem Ende des "Tausendjährigen Reiches" in Vergessenheit geriet. Die Doktorarbeit von Thomas Greif aus dem Jahr 2007 "Frankens braune Wallfahrt. Der Hesselberg im Dritten Reich" untersuchte erstmals wissenschaftlich die "Frankentage" des radikalen Antisemiten und "Frankenführers" Julius Streicher. Der KOMM-Bildungsbereich im KunstKulturQuartier Nürnberg nahm diese Doktorarbeit zum Anlass, die Ausstellung auf Grundlage des Buches zu erarbeiten.
Ein Zeichen senden
KOMM-Geschäftsführer Matthias Dachwald machte bei der Vernissage klar, dass es auch 2012 in Deutschland keine Selbstverständlichkeit sei, eine solche Ausstellung in einer evangelischen Kirche zeigen zu dürfen. Denn die "Brücke Franken", also jener Prozess, der es ermöglichte, dass die NSDAP so schnell von Bayern aus im restlichen Deutschland Fuß fassen konnte, "wäre ohne den ländlichen Protestantismus in Mittel- und Oberfranken nicht möglich gewesen", so Dachwald. Er hoffe, dass mit der Ausstellung in der Stephanskirche ein "Zeichen über die Gemeinde hinaus gesendet wird, sich aktiv gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus zu wenden, aber sich auch der eigenen Geschichte zu stellen." Die Ausstellung solle zudem "der Prävention einer möglichen Wiederholbarkeit der Ereignisse in neuem Gewand" dienen.
Zumal "uns die Geschichte von Aufmärschen und Gewalttaten aus der Neonaziszene - gerade in Franken - leider belehrt, dass die Vergangenheit uns immer wieder einholt", ergänzte Dekan Sperl. Die zehn Mordanschläge gegen türkische Mitbürger und eine Polizistin seien in dieser Anzahl nur möglich, "weil zu viele Verantwortliche nicht genau hingeschaut und nicht genau nachgedacht haben über die Gefahr, die auch heute wieder von fanatisierten Rechtsradikalen ausgeht", so Sperl.
Wachsamkeit erfordert Information
Darüber wollen die ergänzenden Schautafeln mit Fotos und Texten von den letzten fünf "Frankentagen" der Neonazis aufklären. Unter der Überschrift "Braune Tradition" wird deutlich, wie das bayerische Neonazinetzwerk "Freie Netz Süd (FNS)" seine "Frankentage" in enger Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus durchführt. "Wir müssen auch heute wachsam sein und wachsam bleiben", betonte denn auch Fraktionsvorsitzender Wolfgang Metzner (SPD) für den OB in seinem Grußwort. Das gehe nur mit entsprechenden Informationen.
"Wir kennen die Vergangenheit und sind dafür verantwortlich, dass sie sich nicht wiederholt", sagte Metzner. Er dankte dem Veranstalter-Team für ihr Engagement: dem "Bamberger Bündnis gegen Rechtsextremismus", dem Evangelischen Bildungswerk Bamberg, dem Evangelisch-lutherischen Dekanat und der Kirchengemeinde St. Stephan sowie der Willy-Aron Gesellschaft.







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