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Region  // Bamberg

Leserreise

Auf der Seidenstraße unterwegs

Magische Reise entlang der Seidenstraße: Der Fotograf und Reiseleiter erzählt von orientalischen Oasen, weiten Wüsten & genialer Gastfreundschaft.
Intensive Farben und Düfte: An den Gewürzständen in Buchara gehen einem Augen und Nase über.  Fotos: Marcus Hillerich
 
von DIANA FUCHS
Usbekistan. Ich habe keine Bilder im Kopf, als ich höre, dass mein nächstes Interview sich um dieses Land drehen soll. Meine Vorstellungskraft wird erst aktiviert, als ich die Homepage meines Interview-Partners Marcus Hillerich anklicke. Die Fotos des Solingers erinnern an ein Märchenbuch aus 1001 Nacht. Türkis und blau gekachelte Paläste und Moscheen, belebte, bunte Basare und goldblaue Suppenteller voll von dampfendem Plow, dem Nationalgericht...


Herr Hillerich, wann und vor allem warum hat es Sie nach Usbekistan gezogen - in ein asiatisches Binnenland, zu dem die meisten Mitteleuropäer keinerlei Bezug haben?
Ich hatte auch nie eine Ahnung von Usbekistan - bis meine Frau und ich von 2011 bis 2012 ein Sabbatjahr genommen haben und ein Jahr auf Weltreise gegangen sind. Wir wollten immer im Sommer unterwegs sein und sind deshalb quasi ein Jahr lang der Sonne hinterhergereist. Ich wollte schon immer die Seidenstraße erkunden, an deren westliches Ende gelangen. Zentralasien war aber ein weißes Blatt Papier. Und eigentlich auch gar nicht unser Ziel.

Warum sind Sie dann mittendrin, in Usbekistan, gelandet?
Geplant war eine Zugfahrt von Istanbul durch die Türkei über die syrische Grenze. Und dann von Aleppo nach Damaskus im Libanon. Wir hatten alle nötigen Visa. Doch dann flogen im März 2011 in Syrien die ersten Bomben. Wir mussten die Route ändern und beschlossen, etwas weiter im Osten zu starten. Wir sind deshalb nach Usbekistan geflogen und von der Hauptstadt Taschkent weiter nach Kasachstan und China, ins tibetische Hochland, nach Nepal und Südostasien gereist. Über Australien, Neuseeland, Südamerika und Panama ging es nach einem Jahr wieder nach Hause. Obwohl wir so viel gesehen haben, war Usbekistan mit das beeindruckendste Land!

Weshalb?
Vor allem, weil es unfassbar ist, wie freundlich und warmherzig die Zentralasiaten sind! Vielleicht kommt das daher, dass es viele Oasenstädte gab und gibt - wenn man da nicht in Gemeinschaft zusammenhält, funktioniert es nicht.

Wie haben Sie sich mit den Einheimischen verständigt?
Oft mit Händen und Füßen, denn wir können weder die Staatssprache Usbekisch noch Tadschikisch, Russisch oder Arabisch. Aber das war nicht schlimm: Viele Usbeken kommen auf einen zu, manchmal wird man sogar auf Deutsch angesprochen.

Auf Deutsch? Lernt man das dort in der Schule?
An manchen Schulen wird tatsächlich Deutsch gelehrt. Uns haben aber zum Beispiel auch ältere Frauen an Marktständen angesprochen. Ihre Männer haben zu Sowjetzeiten in der ehemaligen DDR gearbeitet und dort Deutsch gelernt. Einmal ist mir etwas ganz Irres passiert: Ich war in einem Gasthaus und wollte Tomatensalat und eine Cola bestellen, aber man hat mich nicht verstanden. Da kam eine Frau zu mir, die auch zu Gast war, und drückte mir ihr Handy in die Hand. Als ich vorsichtig "Hallo?" sagte, meldete sich ihr Ehemann, der mich auf Englisch gefragt hat, was ich bestellen will. Er hat das dann für mich übersetzt.

Sie scheinen ein Glückskind zu sein.
Vielleicht. Aber ich bin auch jemand, der im Vorfeld recht gut recherchiert. So bin ich zu Kontakten gekommen, die mir vor Ort in Usbekistan viel genutzt haben. Zum Beispiel hat mir eine Usbekin zu Beginn unserer Reise sehr geholfen - beim Kauf von Bahntickets ebenso wie beim Geldtauschen auf dem Schwarzmarkt.

Auf dem Schwarzmarkt?
Ja. Wenn Sie zur Bank gehen und tauschen, verlieren Sie 30 Prozent! Gehen Sie aber auf den Schwarzmarkt, kommen Sie mit zwei Plastiktüten voll der Landeswährung "So'm" zurück. So ist das in Usbekistan.

Sind die Frauen in Usbekistan verschleiert?
Das ist von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich. In der Hauptstadt sieht man Frauen im Minirock ebenso wie verhüllte Frauen. Alles ist möglich in Taschkent. Die milde, wunderbare Form des Islam wird allerdings unterdrückt durch die Machthaber vor Ort.

Wie schlimm sind die ethnischen Konflikte?
Die tadschikische Minderheit hat kaum Zugang zu "guten" Jobs, weil sie ethnisch diskriminiert und als billige Wanderarbeiter benutzt wird. Die usbekische Machtclique sorgt dafür, dass die "Top Jobs" bei den Usbeken bleiben. Außerdem: Vor der Unabhängigkeit Usbekistans haben die damaligen Machthaber der Sowjetunion willkürlich Grenzen gezogen. Das ist heute ein Riesenproblem, denn der Streit ums Wassers ist existenziell. Die beiden großen Flüsse kommen aus dem Hochland, aus Tadschikistan, wo man Dämme baut... Da scheppert es manchmal gewaltig.

Hat sich seit der Unabhängigkeit des Landes 1990/91 überhaupt etwas verbessert?
Fakt ist: Es gibt keine freien Wahlen. China greift alles an Ressourcen und Rohstoffen ab, was möglich ist. Es herrschen Betondiktatoren. Man stellt aber auch fest, dass auch diese Betondiktatoren immer noch mehr für die Menschen tun, als es die Sowjetunion je gemacht hat; die hat Usbekistan nur brutalst ausgebeutet. Ich habe Einheimische sagen hören: "Es ist das allererste Mal, dass jemand überhaupt an uns denkt." Aber ich sehe schon auch viel Konfliktpotenzial.

Was hat Sie während Ihrer mittlerweile vier Reisen durch Usbekistan am meisten fasziniert - die Menschen, die Landschaft, die Tier- und Pflanzenwelt, die Lebensart?
Alles. Ich bin ein Fan von Wüstenlandschaften. Ich mag dieses Karge, die Lichtverhältnisse, die sich ständig ändern, und die Weite. Und die Oasenstädte, gerade Samarkand mit seiner atemberaubenden Architektur, für die der Mongolenfürst Timur im 14. Jahrhundert die besten Künstler und Handwerker sogar aus Europa und Indien in die Wüste verschleppte. Sie bauten hier eine der wundervollsten Städte der Welt.

Was sollten sich Usbekistan-Reisende sonst noch anschauen?
Neben Samarkand sollte jeder auf jeden Fall das zentralasiatische Oasen-Flair mit Märkten und Basaren in Buchara erleben. Und einige der prachtvollen Koranschulen, Medresen genannt, besuchen. Und fürs ganz Exotische reist man in die uralte Handelsmetropole Chiwa ganz in den Westen und bestaunt dort unter anderem die komplett erhaltene Stadtmauer; man fühlt sich in ein Märchen aus 1001 Nacht versetzt.

Trotz all der beeindruckenden Erlebnisse: Ist es nicht schwierig, wenn man ein Jahr lang 24 Stunden mit ein und derselben Person zusammen auf Reisen ist? Sind Sie und Ihre Frau sich nicht auch mal gegenseitig auf die Nerven gegangen?
Damit das nicht passiert, hat jeder sich seine Aufgaben gesucht. Meine Frau hat zum Beispiel angefangen, Englisch zu lernen, und ich hab' angefangen zu schreiben. Ich wollte immer schon mal ein Buch schreiben, für mich persönlich, um das, was ich auf Reisen sehe und fotografiere, aufzuarbeiten. Es ist ein Buch über Usbekistan entstanden. Ein halbes Jahr habe ich daran geschrieben und dann nochmal genauso lang daran herumgedoktert und es optimiert.2013 ist es erschienen.Zu meiner Freude verkauft es sich ganz gut.

Vielleicht, weil Sie ganz authentische Geschichten erzählen konnten?
Möglicherweise. Wir haben das Leben einfach auf uns zukommen lassen, wollten nicht nur konsumieren, sondern das Leben vor Ort teilen. Ich möchte die Erfahrungen nicht missen.


INFO - INFO - INFO:

So nah und doch so fern


Marcus Hillerich: Hauptberuflich ist der 43-Jährige Lehrer an einem bilingualen Gymnasium in Solingen. Seit 20 Jahren ist er auch als Studienreiseleiter unterwegs - ganz nach Familientradition; schon sein Opa war Reiseleiter.

Usbekistan: Auf knapp 450.000 Quadratkilometern leben rund 32 Millionen Menschen. Neben Liechtenstein ist das zentralasiatische Land der einzige Binnenstaat der Erde, der seinerseits nur von Binnenstaaten umgeben ist. Die Pflanzen- und Tierwelt ist mannigfaltig. Letztere reicht von Steppenschafen über Kropfgazellen bis hin zu Saigas (Huftieren mit rüsselartiger Schnauze).

Tourismus: Die Infrastruktur entspricht bisher nur teilweise internationalen Ansprüchen. Die meisten Besucher reisen entlang der Seidenstraße, die das Land in fast der gesamten Länge durchzieht. Optimale Reisezeit: Frühling und Herbst.

Leserreise: Blaue Kuppeln, schlanke Minarette, verwunschene Paläste: Im September führt eine Leserreise auf der klassischen Route entlang der legendären Seidenstraße zu den Bauwerken und Kunstschätzen von Samarkand, Buchara und Chiwa. Nähere Informationen: www.reisen.infranken.de
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