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Selbstversuch

3D-Drucker: Mein eigener Mini-Me

Was mit dem 3D-Drucker alles möglich ist: Mitglieder des Backspace Bamberg basteln an einem eigenen Gerät, das sie ständig weiterentwickeln. Küchenrollenhalterungen und Lampengehäuse kann inzwischen jeder drucken - auch sich selbst. Ein Versuch.
Selbstversuch: Redakteur Sebastian Martin hat sich im Backspace Bamberg als 3D-Männchen drucken lassen. Foto: Matthias Hoch
 
von SEBASTIAN MARTIN
Im Original bin ich 175 Zentimeter groß. Damit gehöre ich nicht unbedingt zu den Kleinsten, wobei, zum Basketballspieler reicht‘s für mich dann eher doch nicht ganz. Aber es geht noch kleiner: Seit Kurzem gibt es mich auch als Miniaturausgabe in putzigen elf Zentimetern. Ein kleines orangenes Männchen. Das bin ich? Tatsächlich. Ein paar Stunden hat es gebraucht, dann war ich verkleinert und verewigt: Der 3D-Drucker des Vereins Backspace Bamberg hat mich in zartem Kunststoff ausgespuckt.

Und so wurde ich zum Spielzeugmännchen: "Steig mal da drauf", sagt Christian Schöring und zeigt auf den kleinen - ja, was eigentlich - Drehteller? Stuhl? Ein Schreibtischstuhl war es jedenfalls mal, der Fuß davon ist jetzt das Unterteil des Drehtellers. Also steige ich auf das Ding. Mit einem Motor lässt sich der Teller in Bewegung setzen, das Schwungrad darunter ist natürlich auch 3D gedruckt. Die Backspace-Leute setzen auf Eigenbau. Fertige 3D-Drucker gibt es auch zu kaufen. Hier wird alles selbst gebastelt - echte Hacker-Attitüde eben.

Dann zeigt Christian Schöring auf die senkrechte Stange, die vor mir steht. "Okay, die Kinect bitte noch ausrichten", sagt er zu seinem Namensvetter Christian Werner, 29. Der hat die Steuerung der Kinect im Griff. Kinect, das ist der kleine Apparat mit Sensorleiste, der eigentlich mal von Microsoft für die Spielkonsole Xbox 360 entwickelt wurde. Mittels Körperbewegungen können damit Spiele gesteuert werden. Hacker haben das Gerät dann einfach mal zum Scanner umfunktioniert - ganz legal, sagt Christian Schöring, da der Hersteller das erlaubt.

Jetzt, ein leises Surren. Die Legotechnik-Rädchen setzen sich in Bewegung, die Vorrichtung fährt nach unten auf meine Augenhöhe. Die Kinect ist bereit zum Scannen. So ähnlich wie bei der Musterung fühle ich mich in dem Moment. Damals wurde ich auch vermessen. Diesmal fühlt sich das Ganze etwas futuristischer, dafür aber auch angenehmer an.



Warum nicht Personen drucken?
Mit 3D-Druckern kann man alles Mögliche selbst herstellen, das ist nicht neu. Im Vereinsheim von Backspace Bamberg sind bereits gedruckte Küchenrollenhalter, Lampengehäuse oder Tablet-Halterungen zu finden. "Sobald du etwas brauchst, überlegst du kurz - du brauchst es? Dann druckst du es einfach", sagt Christian Schöring, 44, Industriedesigner und der "Handwerker" im Backspace. Er bastelt an den Elektromotoren, Christian Werner am Programm zum Drucker, Know-how rund um Konstruktionsprogramme steuert der dritte Christian im Bunde, Christian Ehehalt, bei. Alles Mögliche hat der 27-Jährige entworfen. Unter anderem auch das Schwungrad für den Drehteller, auf dem ich stehe und mich gleich drehe.

Denn dann kam ihnen mal die Idee, einfach einen Scanner einzusetzen. Doch Gegenstände einzuscannen wäre ja einfach. Warum nicht gleich Personen? Einige Backspace-Leute stehen inzwischen in mehrfacher Mini-Ausführung und Farbe im Vereinsheim verteilt herum.

Nun bin ich dran. "Okay. Jetzt geht's los. Nicht bewegen - und immer dran denken: lächeln", sagt Christian Schöring. Während die Kinect hoch und runter fährt, drehe ich mich langsam. Von allen Seiten wird mein Äußeres erfasst. Ein Programm berechnet daraus ein 3D-Modell, das Christian Schöring nachbearbeitet. Denn eine Schwäche hat der Scanner Marke Eigenbau dann doch: Mein Modell hat am Kopf und an den Füßen, wo die Kamera mich nicht erfasst hat, ein Loch. Das muss Christian Schöring am PC stopfen.

Dann aber geht es endlich los. Versorgt wird der Drucker mit farbigen Kunststofffäden von einer Rolle. Ich habe mich für einen orangenen Faden entschieden. Schicht um Schicht baut der Drucker das Modell auf. Die Fäden werden erhitzt und erhärten beim Auskühlen.

Bald Schokoladendruck?
Der Druck benötigt Zeit: Fast zwei Stunden muss ich warten, dann kann ich mein Ebenbild mit Bart und T-Shirt-Falten in der Hand halten. Elf Zentimeter hoch ist mein kleiner Freund. Der Drucker ist maximal für diese Größe ausgerichtet. Noch reicht das. Doch im Verein denkt man an Weiterentwicklungen: "Ein Schokoladen-Extruder wäre toll", sagt Vorsitzender Christopher Schirner. Er meint einen Aufbau mit Düse, der es erlaubt, Schokolade zu drucken. Ähnlich wie in der Schokoladenindustrie könnten dann kleine 3D-Figuren enstehen. Ich in Schokolade? Mmm - lecker!


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