Die Menschen im kleinsten Stadtteil Bad Kissingen hätten es gerne etwas langsamer, sie wollen Entschleunigung: nicht in ihrem gesellschaftlichen und privaten Leben, sondern auf der Kleinbracher Straße (St 2292), ihrer Ortsdurchgangsstraße. Eine Reduzierung des Tempos war das heiß diskutierte Thema in der Bürgerversammlung.
Das Problem ist bekannt. Die Klagen sind ja nicht neu. Und die Stadt Bad Kissingen führt schon seit einiger Zeit Gespräche mit dem Straßenbauamt, das allerdings außer Willensbekundungen noch nichts Konkretes geliefert hat, wie Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) erläuterte. Dabei besteht Handlungsbedarf. Denn täglich passieren 6000 Fahrzeuge die Problemstelle: "Wir haben dem Straßenbauamt auf die Füße getreten, aber wir warten immer noch auf Antwort."
Nicht ganz hilfreich ist ein Hinweis des OB, dass das Gefühl der Kleinbracher vielleicht nicht ganz stimmt. Bei einer Geschwindigkeitsmessung mit dem so genannten "Tempo-Smiley", der nur Geschwindigkeiten aufzeichnet und anzeigt, aber keine Autonummern registriert, hatte sich ergeben, dass 82 Prozent der Autofahrer aus Richtung Hausen und 92 Prozent aus Richtung Großenbrach unterhalb der Beanstandungsgrenze fuhren. Die liegt allerdings innerorts bei 59 km/h. Und die Zahlen stammen von 2012. Ob sie angesichts des steigenden Verkehrsaufkommens durch die Entwicklung vor allem im Großenbracher Gewerbegebiet noch stimmen, kann man bezweifeln. Und es ist auch schon ein Unfall einer zu viel.
Das Problem ist neben der grundsätzlichen Zu-schnell-Fahrerei vor allem ein optisches: Durch die beide Bushaltebuchten am Zusammenfluss von Staatsstraße und Kleinbracher Straße nördlich der Kirche wirkt die Straße erheblich breiter, als sie tatsächlich ist: "Die wirken wie eine Aufforderung zum Zielschuss", meinte ein Bürger. Linksabbieger in beiden Richtungen würden grundsätzlich mehr oder weniger ungebremst rechts überholt.
Wie soll man da aus Fußgänger, vor allem als Grundschulkind, oder als Radfahrer über die Straße kommen. Die Haltebuchten zurückbauen und die Busse auf der Fahrbahn halten zu lassen, war ein Vorschlag. Aber zum einen erhöht das die Gefahr von Auffahrunfällen vor allem aus Richtung Hausen, weil wegen der Rechtskurve die Busse erst sehr spät zu erkennen sind. Vor allem aber wirkt das ja nur, wenn dort wirklich Busse halten, und das sind pro Tag nur ein paar Minuten.
Wenig Fürsprecher fand ein Fahrbahnteiler, weil der an dieser Stelle eher einen Gefahrenpunkt darstellt und die Geschwindigkeit nicht wirklich herausnimmt. Ein e andere Stelle müsse man nicht erst versuchen: 100 Meter Umweg geht niemand.
Auf große Zustimmung und Applaus stieß dagegen der Vorschlag einer "Römershager Fußgängerampel". Die schaltet automatisch auf Rot, wenn sich ein Fahrzeug mit mehr als 51 km/h nähert - auch wenn weit und breit niemand über die Straße gehen will. Aber Bernd Czelustek wies darauf hin, dass diese Ampel von Fahrern aus Richtung Hausen auch zu spät gesehen wird - vor allem, wenn sie ohnehin zu schnell sind. Und er sah auch keine Chancen einer Genehmigung.
Christian Pörtner schlug eine Regelung über Geschwindigkeitstrichter vor, vor allem aus Richtung Hausen: Dort fahren die Leute noch mit 70 km/h über die Brücke. Das Ortsschild ist zu spät zu sehen: "Wenn wir vor der Brücke schon 50 km/h fordern und am Ende der Brücke, also bei der Ortseinfahrt, 30 km/h, dann bekommen wir die meisten Leute zumindest auf 50 km/h herunter." Vielleicht hat irgendwann einmal ein Verwaltungsgericht etwas gegen diese Regelung, "aber eine Gefahrensituation ist gegeben." Man sollte es zumindest versuchen. Außerdem könne man auch, wie in vielen anderen Ländern, bremsende Schwellen auf der Fahrbahn anbringen. Die Stadt will dran bleiben.


Diskussion über Spiel- und Bolzplatz

Eigentlich war die Frage ganz harmlos gemeint: "Wie sind die Maßnahmen denn angekommen", wollte Oberbürgermeister Kay Blankenburg von den Kleinbracher Bürgern wissen. Die Maßnahmen, das waren die Ausstattung des Kinderspielplatzes mit einem Holzschiff, einer Wippe und einer Doppelschaukel und andererseits die Schließung und Rückbau des Spielplatzes mit Bolzplatz. "Der Spielplatz mit den neuen Geräten wird sehr gut angenommen, Da sind fast immer Kinder drauf, wenn man vorbeigeht", war der allgemeine Tenor und das, was der Oberbürgermeister hören wollte.
Was ihn allerdings überraschte, war die heftige Reaktion auf die Schließung des anderen, die immerhin schon zwei Jahre her ist, die Wand des Unverständnisses, gegen die er stieß: "Warum ist der denn überhaupt beseitigt worden?", wurde er mehrfach gefragt. "Kein Mensch versteht, dass er zu einer Grünanlage zurückgebaut wurde. Der Bolzplatz wird jetzt vermisst." Vor allem Tischtennis wurde dort viel gespielt.
Der OB ging in die Gegenoffensive: "Wir haben 2012 im Familienbeirat zusammen mit den Kindern ein Spielplatzkonzept erstellt und dabei festgestellt, dass ein Spielplatz in Kleinbrach ausreichend ist. Sollen wir ihn jetzt wieder anlegen? Das wäre ein Schildbürgerstreich." Aber die Kleinbracher gaben sich noch nicht geschlagen: "Für den Rückbau waren 14 Tage Leute im Einsatz. Für das Geld, was das gekostet hat, hätte man den Bolzplatz noch 20 Jahre mähen können."
Etwas Ruhe kehrte wieder ein, als der OB darauf hinwies, dass in dieser Sache bereits eine Gruppe Jugendlicher war. Mit ihnen hat er vereinbart, den Skatersquare an der Columbiastraße im Gewerbepark Sinnberg noch zu erweitern und im Interesse der Jugendlichen auszubauen. Die Planungen sind angelaufen.
Nicht einhellig begrüßt wurde eine weitere Baumaßnahme. In der St.-Andreas-Straße, der Zufahrt zum Friedhof, wurden die Straßenränder mit Rasengittersteinen befestigt. Das sei sicher nicht das Optimum, meinte Blankenburg. Aber eine stabile Befestigung und damit Verbreiterung der Fahrbahn wäre beitragspflichtig für die Anlieger gewesen. "Und leider hält sich nicht jeder an das Halteverbot." Da könne man mal den Verkehrsüberwachungsdienst hinschicken. "Aber der kontrolliert dann nicht nur dort in Kleinbrach." Aber die Bürger wollten auch wissen, warum die Befestigung nicht bis zum Ende durchgezogen wurde, und sie vermissen eine weitere Lampe, um die Straße ausreichend zu beleuchten.
Neues gibt's aus der Au. Die Straße, die am rechten Saaleufer Kleinbrach mit der Nordbrücke verbindet, soll für den Durchgangsverkehr geschlossen werden. Ihr Zustand ist zu schlecht (Blankenburg: "Die Straße steht auf der Priorisierungsliste bestimmt nicht auf den vorderen Plätzen.") und sie wird nicht wirklich gebraucht. Nur die Zufahrt zum Sportplatz wird weiter möglich sein. Deshalb will die Stadt an den beiden Enden zwei Schilder anbringen: "Tempo 30" und "Durchfahrt gesperrt; frei für Anlieger". Das Problem: Das Straßenbauamt muss erst seine Beschilderung ändern und den Linksabbiegehinweis für Fahrzeuge aus dem Klauswald beseitigen. Hat es aber noch nicht. Deshalb will der OB jetzt Druck machen: "Wir werden unsere Schilder auf jeden Fall nächste Woche aufstellen."
Wann denn der Fußweg zwischen Kleinbracher Straße und Eichelberg endlich wieder eröffnet wird, wollten einige Kleinbracher wissen, die zurzeit Umwege in Kauf nehmen müssen. Der Weg war vor einiger Zeit gesperrt worden, weil bei einem angrenzenden Gebäude Einsturzgefahr besteht. Das gehe seinen Gang. Wegen eines Todesfalles sei es zu Verzögerungen gekommen, sagte Blankenburg. Aber der Nachlassverwalter habe einen Käufer für das Anwesen gefunden, der die brüchige Giebelwand möglichst bald wieder standsicher machen will.
In der Kritik stand auch die Radwegesituation. Wegen des schlechten Zustands eines 220 Meter langen Teilstücks an der Saalebrücke will Blankenburg mit seinem Bad Bockleter Amtskollegen Andreas Sandwall Kontakt aufnehmen, denn der Weg liegt auf Bockleter Gemarkung. Den Vorschlag, die Pflege der Kleinbracher Radwege mit der der Kernstadt gleichzustellen (Wegränder mähen, Winterdienst, Belag), hörte er sich zumindest mit Interesse an.
Und noch eine gute Nachricht hatte der OB für die Hausbesitzer: Das Wasserwirtschaftsamt will das Saale-Wehr an der Oberen Saline um 33 Zentimetr absenken, damit das Wasser bei Hochstand schneller in Richtung Bad Kissingen abfließt. So komme es nicht mehr so schnell zu Überflutungen. "Ob 33 Zentimeter ausreichen, kann ich nicht beurteilen. Notfalls müssen wir nachbessern."