Bad Kissingen
Nachwuchsarbeit

Titanias Alptraum

Das Bremer Education- Projekt mit Bad Kissinger Schülern zu William Shakespeares "Sommernachtstraum" wurde ein überwältigender Erfolg.
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Die Elfenkönigin Titania (Nina Rademacher) lässt sich von den Elfen in den Schlaf singen. Foto: Gerhild Ahnert
Die Elfenkönigin Titania (Nina Rademacher) lässt sich von den Elfen in den Schlaf singen. Foto: Gerhild Ahnert
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Donnerwetter! Das war eindrucksvoll, was die Kleinen mit den Großen, die Laien mit den Profis, die Bremer mit den Kissingern auf die Beine gestellt und im überfüllten Kurtheater über die Rampe gebracht haben! Beim Schlussapplaus konnte man sie alle sehen, die vielen Grundschullehrerinnen aus der Sinnberg-Grundschule, Brigitte Ascherl mit ihrem Jugendchor der Herz-Jesu-Kirche, Christel Gimmler mit dem Orchester und dem Chor des Jack-Steinberger-Gymnasiums, Musikpädagogin Michaela Weißenberger mit ihren 140 kleinen Sängern, Spielern und Tänzern aus der Sinnbergschule, Dagmar Fischer mit ihrer Theatergruppe der Anton-Kliegl-Schule und Ulrike Weilbach mit der Theatergruppe der Oberstufe des Jack-Steinberger-Gymnasiums, die die Handlung nach dem Shakespeareschen Sommernachtstraum mit ihren Schülern einstudiert und im Falle der Kliegl-Schüler ihren Text auch selbst umgeschrieben haben.

Mitten unter ihnen die beiden jungen Profi-Pianisten, das Klavierduo Anton Gerzenberg und Alexander Vorontsov und die beiden Profi-Sänger Nina Rademacher (Sopran) als Elfenkönigin Titania und Sheldon Baxter (Bariton) als Elfenkönig Oberon. Dass diese wahrhaft unberechenbar unterschiedliche Gruppe am Ende ein kurzweiliges Nachmittagstheaterstück mit Musik und Tanz auf die Bühne brachten, bedurfte der führenden Hände von zwei Powerfrauen und einer Regisseurin, die bei den Schlussovationen kaum zu sehen waren in der Menge.
Regisseurin Luise Kautz vom Würzburger Theater übernahm die Schüler von Dagmar Fischer und Ulrike Weilbach, die durch Arbeit an Text und dramatischer Gestaltung in ihren Schulen vorbereitet worden waren, und führte die Endregie auf der Bühne des Kurtheaters. Von ihr hätte man sich vielleicht wünschen können, dass sie die lange Ouvertüre gerade für die Kleinen im Zuschauerraum mit Tanz oder Pantomime gefüllt und so auch das Sehbedürfnis aller befriedigt hätte. Dabei zur Seite gestanden hätte ihr sicher Michaela Weißenberger. Sie hatte mit vielen eigenständigen Ideen und unter Einbeziehung der Wünsche ihrer jungen Sänger und Tänzer eine umfangreiche Choreographie für die präzise und konzentriert präsentierten Volks- und Rüpelszenen erarbeitet und war daneben auch als Chorleiterin und Korrepetitorin am Klavier eine wichtige Stütze für die Gesamtleiterin des Projekts, Lea Fink.

Die betreut für die Kammerphilharmonie Bremen deren Schülerprojekte wie eben auch den "Sommernachtstraum" in Bad Kissingen. Nachdem sie seit Herbst letzten Jahres alle Interessenten an einer Mitwirkung an dem Projekt getroffen hatte, sammelte sie deren Vorschläge, erstellte daraus die Text- und Spielfassung des stark gekürzten und teilweise umgeschriebenen Stücks und hielt bei den Vorbereitungen und Proben für die Aufführung die Mitwirkenden, ihre Betreuer und die Profis zusammen.

Bei der Aufführung war klar zu sehen, dass das Konzept dieses Schülerprojekts, Kinder mit Musikschaffenden zusammen zu bringen durch Arbeiten an einer gemeinsamen Sache, unter ihrer Leitung bestens aufging. Wie selbstverständlich spielte die Profisängerin Nina Rademacher mit der Laienschauspielerin, die im Hauptberuf Gymnasiastin ist, die Liebesszene zwischen der Feenkönigin und dem zum Esel verwandelten frechen Puck, ganz selbstverständlich sang unter der Leitung Christel Gimmlers der Mädchenchor mit Nina Rademacher als Solistin zusammen, ganz selbstverständlich ließen sich die beiden Pianisten von den wild tanzenden Kindern in einen wilden Rap entführen.

Ein bisschen schade war nur, dass nicht alle jungen Tänzer, Sänger, Musiker nicht auch die Erwachsenenversion von Felix Mendelssohn-Bartholdys "Musik zu Shakespeares Sommernachtstraum" am Abend im Großen Saal, vorgetragen von Katja Riemann und mitreißend gespielt von der Bremer Kammerphilharmonie, erleben konnten. Die Gruppe, die Christel Gimmler dorthin begleitet hatte, war begeistert vom Erkennen des Vertrauten in der großen Aufführung.

Von den Schauspielneulingen aus der Mittelschule, die noch etwas gestenreich, aber absolut selbstbewusst ihre mit Begriffen aus der Alltagssprache und Jugendslang gewürzten selbst verfassten Handwerkerszenen spielten, bis zu den schon erfahrenen Schauspielerinnen aus dem Jack-Steinberger-Gymnasium, die ruhig und überzeugend den Puck und zwei Elfen gaben, merkte man allen Schülern an, dass ihnen die Schauspielerei vor Publikum viel Spaß machte. Ebenfalls völlig unbefangen, wenn auch fast ständig im Sichtkontakt mit ihr agierten die Grundschüler um Michaela Weißenberger und ließen vom Publikum bewundern. Die Chorsänger und Orchesterleute waren sehr gut vorbereitet und sangen und spielten ihre Parts mit viel Engagement.

Und die Profis schienen ihren Spaß zu haben in dem Gewimmel. "Die Klavierspieler haben aber toll gespielt", meinte ein etwa Fünfjähriger am Ende. Recht hat er. Das Duo Gerzenberg-Vorontsov spielte den vertrackten Klavierpart zu vier Händen der komplexen Musik Mendelssohns mit viel Konzentration, hatte Spaß an dem leitmotivisch wiederkehrenden "Iah!" und den Bocksprüngen der Rüpelszene und versuchte, in den beiden Stücken, in denen das Schulorchester sie unterstützte, auf dieses zu hören, obwohl es weit entfernt und für sie unsichtbar oben im Rang spielte. Auch dessen Spieler kamen mit der ungewohnten Situation gut zurecht und trugen dazu bei, dass der berühmte Hochzeitsmarsch feierlich über die Rampe kam.

Der Schlussapplaus war frenetisch. Gemeinsam und einzeln wurden alle Gruppen lautstark gefeiert. Fazit: Die viele Arbeit der Vielen hat sich gelohnt. Nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für die Mitwirkenden, die auf diese Weise ganz unmerklich auch ein wenig mitbekamen von einem der Meisterwerke der romantischen Musik in Deutschland. Den Organisatoren der Bremer Kammerphilharmonie, allen voran Lea Fink, sei's gedankt, dass auf diese Weise ein rundum gelungenes Riesenprojekt musikalischer Früherziehung auch mal in die Provinz kam.
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