Tiger, Papageien, Lamas und sogar ein seltenes Breitmaulnashorn gehören seit vielen Jahren zu den tierischen Attraktionen, die der Circus Krone auf seiner Deutschlandtour mit sich führt. Vormittags können Besucher die Tiere im mobilen Krone-Zoo bestaunen, abends vollführen sie Kunststücke vor mehreren Tausend Zuschauern. Das erfordert immensen logistischen Aufwand, denn die Tiere müssen nicht nur gehalten, sondern auch beschäftigt, transportiert, trainiert und natürlich gefüttert werden. Um das zu bewerkstelligen, führt das Unternehmen auf seinen Reisen fast 400 Mitarbeiter mit sich, die fast rund um die Uhr mit Tierbetreuung, Auf- und Abbau des Zirkuszelts nebst diverser Tiergehege und Auftritten in der Manege beschäftigt sind. Kritiker wie die Tierrechtsorganisation PETA wollen Wildtiere in Zirkussen generell verbieten.

"Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen", so lautet §2 Satz 1 des Tierschutzgesetzes. Das gilt auch für Zirkuselefanten, die in freier Natur allerdings jeden Tag mehrere Kilometer zurücklegen würden. Das können sie während der Wanderschaft mit dem Circus Krone nicht, denn ihre Käfige und Gehege sind verhältnismäßig knapp bemessen. Die Tierrechtsorganisation PETA kritisiert diese Zustände und fordert den Bad Kissinger Stadtrat auf, Zirkusbetriebe mit Wildtieren auf kommunalen Flächen grundsätzlich zu verbieten.

"Etwa 90 Gemeinden haben bereits ein Wildtierverbot erlassen", berichtet Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA, "es wäre toll, wenn Bad Kissingen auch bald dazu gehören würde." In die gleiche Kerbe schlägt seine Kollegin Dr. Yvonne Würz: "Das Leiden der Tiere im Zirkus muss endlich ein Ende haben - auch in Bad Kissingen. Tradition rechtfertigt keine Tierquälerei."

Doch Krone hält dagegen: "Das mag vor 30 Jahren noch anders gewesen sein, aber die tierschutzrechtliche Haltung ist in Deutschland hervorragend geregelt. An diese Regeln halten wir uns auch", betont Frank Keller, der Tierschutzbeauftragte des Unternehmens. So muss eine Reihe von Leitlinien eingehalten werden, die unter anderem vom Bündnis Tierschutz und der Tierärztekammer erarbeitet wurden. Darin sind vor allem Mindestabmessungen für die Stallungen und Außengehege, sowie tierärztliche Versorgung festgelegt. Ob diese Bestimmungen tatsächlich eingehalten werden, kontrolliert an jedem Gastspielort der Amtsveterinär der jeweiligen Behörde. Dr. Thomas Koy, zuständiger Amtstierarzt des Landratsamtes Bad Kissingen fand keine Mängel vor. "Der Circus Krone spielt mit offenen Karten", sagt er.

Dieses Bild bestätigt sich beim Besuch des Zoos am Premierentag. Die Tiere wirken entspannt und wohlgenährt. Es werden den jeweiligen Bedürfnissen entsprechende Spiel- und Ruhemöglicheiten bereitgestellt und die Tiere können zwischen ihren Zelten und Außengehegen frei wählen. Der Platz, der beispielsweise den Elefanten, aber auch den Ponys und Pferden zur Verfügung steht, ist allerdings in der Tat sehr klein. In einigen Fällen wäre eine Überarbeitung der ministeriellen Leitlinien aus dem Jahr 2000 also durchaus angebracht.

Das häufig monierte "Weben", also das rhythmische Schaukeln des Kopfes, das bei Elefanten auftritt, versucht Keller zu relativieren. "Das Weben kann sowohl positiven als auch negativen Ursprungs sein", erklärt er, "wenn Elefanten sich auf etwas freuen, aber auch wenn sie Stress haben, machen sie das genauso in der Natur. Es handelt sich also keineswegs um eine psychische Störung." PETA hingegen sieht den monotonen Bewegungsablauf als Verhaltensstörung an, ausgelöst durch jahrelange Gefangenschaft und Stresssituationen. Die Liste der Streitfälle zwischen Zirkussen und Tierrechtsorganisationen ließe sich beliebig fortführen. Letztendlich, und das findet auch Frank Keller, "sollte jeder selbst entscheiden können, ob er im Zirkus Wildtiere sehen möchte oder nicht."