Bad Königshofen im Grabfeld
Tischtennis Bundesliga

Nicht nur mentale Unterschiede im Grabfeld

680 Zuschauer sehen einen bärenstarken Auftritt der Ochsenhäuser.
Artikel einbetten Artikel drucken
So sehr sich Mizuki Oikawa (im Bild) auch streckte und mühte. Er verlor sein Spiel gegen Hugo Calderano und mit dem TSV Bad Königshofen gegen die TTF liebherr Ochsenhausen.Rudi Dümpert
So sehr sich Mizuki Oikawa (im Bild) auch streckte und mühte. Er verlor sein Spiel gegen Hugo Calderano und mit dem TSV Bad Königshofen gegen die TTF liebherr Ochsenhausen.Rudi Dümpert

Die von den Verantwortlichen des Tischtennis-Bundesligisten TSV Bad Königshofen versprochenen Weltklasse-Ballwechsel und den absoluten Spitzensport genießen und den Sieg des um Nuancen besseren, in manchen Situationen auch glücklicheren Gegners TTF liebherr Ochsenhausen anerkennen: Das taten die 680 Zuschauer in der Shakehands-Arena. Und damit gingen sie nicht so unzufrieden, wie es bei 0:3 in anderen Sportarten wäre, nach etwas mehr als zwei Stunden nach Hause.

Der Underdog hatte den Stier in den ersten zwei Matches immer wieder mal an den Hörnern gepackt. Erlegen konnte er ihn aber nicht. Denn wenn es eng und immer enger wurde, dann setzte sich doch die Klasse und Reife der Champions-League-Mannschaft aus Oberschwaben durch. Der mehrfache deutsche Meister, Pokalsieger und Europapokal-Sieger konnte sich sogar den Luxus leisten, seiner Nummer 1, dem Weltranglisten-Achten und Vize-Europameister Simon Gauzy, zwischen internationalen Turnieren und der nächsten Champions-League-Partie eine Pause zu gönnen.
Klar an diesem Sieg des immer noch bärenstarken Trios war nur das nackte Ergebnis. Beim genauen Hinsehen auf die Verläufe der einzelnen Sätze wird ebenso klar: Dies war bis in die entscheidenden Phasen hinein ein Spiel auf Augenhöhe. Im ersten Duell des Mizuki Oikawa gegen den siebenfachen-Südamerika-Meister Hugo Calderano aus Rio de Janeiro führte der kleine Bad Königshöfer Japaner im ersten Satz ständig bis 10:7. Dann holte ihn die Furcht vor dem Gewinnen ein: Frechheit, Risikobereitschaft und sichere Aggressivität siegten. Die 60 Weltranglistenplätze Unterschied schlugen sich in mentalen Qualitätsvorteilen nieder. Eine gnadenlose Rückhand-Peitsche in Oikawas tiefe Vorhand brachte das 11:13.


Calderanos Rückhand eine Waffe

Man hätte Oikawa Teleskoparme gewünscht, weil seine Reflexe nicht ausreichten. Calderanos Rückhand war kein Schlag, sie war eine Waffe. Davon beeindruckt ging der zweite Satz mit 6:11 weg. Doch dann meldete sich Oikawa mit 11:5 im dritten Satz zurück. Da war er, der Ehrensatz. Ums Haar wäre ein weiterer dazu gekommen. Der vierte Durchgang verlief wieder auf Augenhöhe - bis zum 10:10. Die Halle stand Kopf und wurde wenig später beim 10:12 wieder umgedreht. 0:1 für Ochsenhausen.

Noch enger ging es im zweiten Match zu. Bad Königshofens Slowene Darko Jorgic gegen die große polnische Hoffnung Jakub Dyjas. Zwei Spieler, die in ein paar Jahren das Geschehen an der europäischen Spitze zumindest mitbestimmen werden. 8:3 führte der 19-jährige Jorgic im ersten Satz und machte dann nur noch einen Punkt bis zum 9:11. Das nervte natürlich, nicht nur die Zuschauer. 8:5 für Jorgic im zweiten Durchgang, Satzbälle bei 10:9 und 11:10. Aber wieder 12:14. Bezeichnend: durch einen eigenen Aufschlagfehler. Wer so etwas wegstecken kann, wird mal ein Großer. Der Hallensprecher klagte das Schicksal an, "das war die vierte Satzverlängerung, die gegen uns lief" und ließ "I will survive" auflegen. Jorgic überlebte auch diesen Schock. Nach 7:5 und 7:8 riss diesmal der Faden nicht. Er gewann den Anschlusssatz mit 11:8. Und im vierten wehrte er bei 8:10 zwei Matchbälle ab zum 10:10. Jorgic hatte Nerven wie Drahtseile. Das Publikum war aus dem Häuschen. 12:10 und fünfter Satz. Den der TSV-Spieler bis zur 6:4-Führung offen hielt. Doch dann war da wieder dieser Aufsteiger-Knick, als dürfte es die Sensation einfach nicht geben. Bad Königshofens Zweier war bis zur 6:4-Führung auf Siegkurs, verbuchte dann aber nur noch einen Ball für sich. Es stand 0:2 zur Pause.
Nun bekam es Lokalmatador Kilian Ort mit dem Japaner Yuto Muramatsu, Nummer 37 der Weltrangliste, zu tun. Auf dem Weg zur Begradigung der Formdelle ausgerechnet gegen einen Asiaten, ausgerechnet gegen einen Abwehrkünstler. In zwei Sätzen hielt Ort sehr gut mit, wenngleich absehbar war, dass er auch in besserer Verfassung von diesem Klassespieler noch ein Stück weit entfernt ist. Der erste Satz ging für die Suche nach der geeigneten Taktik drauf. Im zweiten spielte auch eine Prise Wut im Bauch, garniert mit wilder Entschlossenheit mit. Doch plötzlich packte Muramatsu serienweise Vorhandkonter aus, demonstrierte modernstes Abwehr-Konter-Spiel, mit einem Wahnsinnsunterschnitt bei Vor- und Rückhand-Abwehr - 4:11. Schwer für Ort, aus diesem Loch wieder raus zu kommen. Dem Lokalmatador blieb nur noch, seinen Fans zu demonstrieren, dass er zu kämpfen und alles zu geben bereit war. Doch das reichte nicht.

Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren