Hammelburg
Volleyball

Lotze und Motze wollen es wissen

Mit dem Wechsel nach Frankfurt geht für die Karlitzek-Brüder ein großer Traum in Erfüllung, der TV/DJK verliert allerdings einen Schlüsselspieler.
Artikel einbetten
Wieder vereint: die Brüder Lorenz (links) und Moritz Karlitzek wechseln gemeinsam in die Erste Bundesliga nach Frankfurt. Foto: Olly Wendt
Wieder vereint: die Brüder Lorenz (links) und Moritz Karlitzek wechseln gemeinsam in die Erste Bundesliga nach Frankfurt. Foto: Olly Wendt
Sie haben ein inniges brüderliches Verhältnis, nennen sich liebevoll Lotze und Motze; und für beide ist ein Traum wahr geworden: In der neuen Saison spielen sie gemeinsam beim Volleyball-Erstligisten United Volleys Frankfurt. Hammelburg indes verliert mit Lorenz Karlitzek einen seiner Schlüsselspieler.

Hand aufs Herz, hättet Ihr so früh damit gerechnet, gemeinsam im Trikot eines Erstligavereins aufzuschlagen?
Lorenz Karlitzek: Nein. Natürlich war es immer unser Traum, zusammen in einem Spitzenteam zu spielen, so wie früher in der Jugend. Dann wurden wir ja quasi getrennt, Motze ging in die erste Liga und ich habe hier in Hammelburg gespielt. Bei einem Spiel zwischen Rottenburg und den Uniteds sprach Michael Warm (Trainer der United Volleys, Anm. der Redaktion) meinen Bruder an, ich war Zuschauer. Und dann ging irgendwie alles ganz schnell.

Das heißt, der Kontakt ging aktiv von den Frankfurtern aus?
Moritz Karlitzek: Ja genau, Michael sprach mich Anfang Januar an, ob ich Interesse habe. Nach ein paar Wochen hat mich dann das Management kontaktiert. Wir haben telefoniert, Details besprochen, und dann war meine Entscheidung klar.

Was hat letztendlich den Ausschlag gegeben, ausgerechnet nach Frankfurt zu gehen?
Moritz Karlitzek: Die Uniteds sind ein Top-Verein, spielen auf internationaler Bühne, und auch das Trainingsniveau ist deutlich höher, da der Verein bessere Spieler an sich binden kann. Für mich persönlich war es Zeit, den nächsten Schritt zu gehen, da ich in Rottenburg keine neuen Anreize mehr gesehen habe. Zudem war ich im Training nicht mehr zu hundert Prozent gefordert. Das Leistungsniveau der Uniteds liegt vielleicht fünf bis zehn Prozent hinter den Top-Clubs Berlin und Friedrichshafen, insofern ist dieser Verein die perfekte Wahl für mich.

In Rottenburg warst Du Stammspieler, nun ist die Konkurrenz bei den Uniteds eine ganz andere. Mit der Volleyballikone Sebastian Schwarz wurde jüngst ein weiterer Neuzugang auf Deiner Position des Außen-/Annahmespielers verkündet. Wie schätzt Du Deine Einsatzchancen ein?
Moritz Karlitzek: Wenn man irgendwo neu hinkommt, muss man sich kleine Ziele stecken und die Erwartungen zurückschrauben. So ist man am Ende nicht enttäuscht. Allerdings weiß ich auch, was ich kann und auch besser kann als andere. Natürlich will ich spielen, allerdings sehe ich mein Engagement während meiner zweijährigen Vertragslaufzeit als Prozess und hoffe, mich mit der Zeit immer mehr zu etablieren.

Du hattest im Juni Deine ersten Einsätze in der A-Nationalmannschaft, hast am Weltliga-Turnier in Frankfurt teilgenommen. Wie siehst Du Deinen weiteren Weg?
Moritz Karlitzek: Für Deutschland zu spielen, ist das Größte. Und natürlich kommt es auch darauf an, wie ich mich in der Saison präsentieren kann. Die Jungs beginnen bald mit der Vorbereitung auf die EM, da werde ich nicht im Kader stehen. Meine Perspektive sehe ich dort aber eher mittelfristig, und der Bundestrainer hat mir auch gesagt, dass er auf jeden Fall mit mir plant.

Lorenz, Du hast mit der U19 gerade ein Achtnationen-Turnier gespielt, bei dem Du als bester Außenangreifer ausgezeichnet wurdest. Wie geht es für Dich weiter?
Lorenz Karlitzek: Im Dezember ist erstmal ein weiterer Lehrgang und dann beginnt im April die Vorbereitungen auf die EM, und da wird man sehen, wie das alles mit den Uniteds vereinbar ist.

Zu denen kommst Du als Liga-Neuling mit übermächtiger Konkurrenz. Beschreib mal Deine Ziele im ersten Jahr?
Lorenz Karlitzek: Ich möchte erstmal in der Liga ankommen. Das Niveau im Training ist hoch, was mir die Möglichkeit gibt, mich stetig zu verbessern. Zudem haben wir auch Trainingsspiele in der Vorbereitung, bei denen uns der Trainer Einsatzzeit versprochen hat. Ich möchte mich also erst einmal kontinuierlich verbessern, alles andere kommt mit der Zeit.

Wirst Du nach bestandenem Abi nur Volleyball spielen oder wie Dein Bruder nebenher studieren?
Lorenz Karlitzek: Der Fokus liegt natürlich auf Volleyball, ich habe mich aber auch für Sportwissenschaft eingeschrieben. Wenn ich da nicht sofort einen Patz bekomme, könnte ich mir auch ein Praktikum in einem Fitnesscenter vorstellen.

Und Du Moritz, wie läuft Dein Sportstudium?
Moritz Karlitzek: Das läuft zwar auf Halbgas aber die Prüfungen habe ich trotzdem alle bestanden. Ich bin derzeit im vierten Semester und werde mein Studium in Frankfurt fortführen.

Lasst uns kurz über Eure Familie sprechen. Welche Rolle spielt Euer Vater beim Thema Volleyball?
Moritz Karlitzek: Unser Vater ist Manager und Berater zugleich, dessen Meinung uns beiden sehr wichtig ist. Wir telefonieren oder skypen nach allen Spielen. Bei wichtigen Entscheidungen ist er auf jeden Fall die Stimme, auf die wir am meisten hören. Er ist unser erster Ansprechpartner.

Und das Verhältnis zwischen Euch beiden?
Lorenz Karlitzek: Mit Motze rede ich nach jedem Spiel und er verbessert mich. Ob es sein Wissen über Volleyball, Krafttraining oder Athletik ist, ich profitiere davon. Außerdem glaube ich, dass ich ohne Motze und seine Unterstützung nie so schnell so weit gekommen wäre.

Ihr zieht gemeinsam in eine WG?
Moritz Karlitzek: Sind wir vor kurzem schon, in eine Zweier-WG in Rüsselsheim, da wo alle anderen Uniteds-Spieler auch wohnen, coole Wohnung und ein kurzer Weg zur Halle.
Lorenz Karlitzek: ...und vor allem eine große Küche.

Und wann steigt Ihr in die Saisonvorbereitung ein?
Moritz Karlitzek: Wir fahren erstmal gemeinsam in den Urlaub nach Frankreich und lassen an der Atlantikküste die Seele baumeln, werden viel Beachvolleyball spielen und uns damit fit halten. Am 21. August geht dann die Saisonvorbereitung los.

Mitte September ist ein Freundschaftsspiel gegen die United Volleys geplant, was wirst Du an Hammelburg vermissen?
Lorenz Karlitzek: Ganz eindeutig den Hallensprecher (lacht)

Und jetzt Euer Schlusswort...
Lorenz Karlitzek: Ich freue mich einfach riesig auf das, was kommt, die United Volleys, das Zusammenleben mit meinem Bruder, ich habe riesig Bock!
Moritz Karlitzek: Und ich bin einfach nur stolz auf Lotze, wie er die Schule gemeistert hat und bin super froh, dass wir bald zusammenspielen dürfen. Es ist alles bereitet und es kann einfach nur gut werden.
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren