FC 05 Schweinfurt - SpVgg Unterhaching 2:1 (0:1). Tore: 0:1 Stephan Hain (7.), 1:1, 2:1 Florian Pieper (86., 90.). Gelb-Rot: Sascha Bigalke (65., Unterhaching).
Unfassbar, was für ein Finale - Titelverteidiger FC 05 Schweinfurt steht nach dem 2:1-(0:1)-Sieg über den Drittligisten SpVgg Unterhaching im Halbfinale des bayerisches Totopokals. Dank der besten Joker-Darbietung seit Heath Ledger und des Pokalhelden Florian Pieper. Zur Pause eingewechselt, entschied der Angreifer die Partie mit zwei Toren binnen der letzten fünf Minuten für einen im zweiten Abschnitt beherzt kämpfenden Regionalligisten.
Das ganz große Vertrauen in die Breite seines Kaders scheint Klaus derweil zunächst nicht gehabt zu haben. Denn trotz des kräftezehrenden Regionalliga-Topspiels bei 1860 München drei Tage zuvor hatte der Schweinfurter Coach die Rotationsmaschine nur im Energiesparmodus angeschmissen: Adam Jabiri (fiebrige Erkältung) und Patrick Wolf (Muskelfaserriss) blieben notgedrungen draußen, dafür rückten Lukas Billick und Dominik Weiß im Vergleich zum 1:2 bei den Löwen in die Startelf. Auch Pieper fand sich abermals auf der Bank wieder. Das Resultat war vorerst das gleiche: Wieder kassierte der FC 05 ein frühes Gegentor, wieder wäre es leicht vermeidbar gewesen. Diesmal gab Billick dem Unterhachinger Topstürmer Stephan Hain mehr Begleitschutz als Druck, der zog in den Strafraum und unhaltbar für Alexander Eiban im Schweinfurter Kasten ab.

Ein Treffer, der beim bis dahin forschen Gastgeber Wirkung hinterließ. Der FC 05 musste sich erstmal sortieren, was Hain mit feiner Einzelaktion fast zum zweiten Treffer genutzt hätte; Eiban rettete mit starker Fußabwehr (17.) und hatte zehn Minuten später mächtig Massel, dass Sascha Bigalkes Flachschuss nach Hain-Ablage an den Pfosten klatschte. Die 05er wurden zehn Minuten vor der Pause zum ersten Mal gefährlich: Eine Flanke von Marius Willsch, der die "falsche Neun" (Klaus: "Ich wollte einen schnellen Konterstürmer") im Klaus'schen 4-2-3-1-System gab, wuchtete Dominik Weiß aus zehn Metern stark per Kopf gegen die Laufrichtung von Haching-Keeper Lukas Königshofer, der kratzte die Kugel aber stark aus dem Eck.

Den zweiten Durchgang startete Klaus mit Pieper für Philip Messingschlager. In Sachen Torchancen zunächst ohne die gewünschte Wirkung, die ersten Möglichkeiten hatten wieder die Süd-Münchner: Thomas Steinherr schoss erst aus 25 Metern knapp vorbei (49.) und wurde wenig später, deutlich näher am Schweinfurter Tor, im letzten Moment vom dazwischenrauschenden Kevin Fery gebremst (51.). Danach wurde es unübersichtlich: Nach einem verlängerten Eckball köpften die Gäste zum vermeintlichen 2:0 ein, Schiedsrichter Steffen Brütting deutete zuerst auch in Richtung Anstoßpunkt, entschied nach Rücksprache mit dem Assistenten Christopher Schwarzmann aber auf Abseits (64.). Und drei Minuten später meckerte sich der bereits verwarnte Bigalke zu Gelb-Rot.

Als die Szenerie sich beruhigt hatte, kam der FC 05 - nun freilich in Überzahl - mit mehr Wucht: einen 20-Meter-Schuss von Kevin Fery parierte Königshofer mit mächtig Mühe (68.), Willsch verzog nach dem anschließenden Eckball. Nur die ganz klaren Chancen, die fehlten halt bei allen Bemühungen. Auch, weil Steffen Krautschneider nach schöner Körpertäuschung den an der Strafraumgrenze lauernden Christopher Kracun übersah und es überhastet selbst aus spitzem Winkel versuchte (83.). Ja und dann, dann ist es doch noch passiert: Weiß hob die Kugel per Bogenlampe in den Strafraum, Billick köpfte nach innen, wo Joker Pieper technisch fein mit dem Außenrist zum Ausgleich traf.
Und Ende, Elfmeterschießen? Von wegen - Florian Pieper hatte noch nicht genug und verschaffte dem Sachs-Stadion ein Finale, dass es lange nicht erlebt hat: Ecke Kracun, Pieper setzt aus zwölf Metern zum Seitfallzieher an, der Ball landet abgefälscht im Kasten. Was für ein Schlusspunkt. Der umjubelte Joker sah es zumindest nach außen weit nüchterner als die begeisterten Zuschauer: "Wir haben halt noch ein Tor gebraucht, ich hatte keine Lust auf Elfmeterschießen." Simon Snaschel
Schweinfurt: Eiban - Messingschlager (46. Pieper), Strohmaier, Billick, Paul (69. Janz) - Kracun, Fery - Weiß, Jelisic (90. Bauer), Krautschneider - Willsch.