Bad Kissingen
Eishockey Landesliga

Die Leiden des Mikhail Nemirovsky

Die Kissinger Wölfe stolpern über ein schwächeres Mitteldrittel, ein Gegentor in eigener Überzahl und eine unnötige Zeitstrafe.
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Im Derby hatten diesmal die Schweinfurter Mighty Dogs die Nase vorn. Auf unserem Bild in Person vom Ex-Kissinger Kevin Faust, der hier Wölfe-Stürmer Anton Zeivald auf Distanz hält.Hopf
Im Derby hatten diesmal die Schweinfurter Mighty Dogs die Nase vorn. Auf unserem Bild in Person vom Ex-Kissinger Kevin Faust, der hier Wölfe-Stürmer Anton Zeivald auf Distanz hält.Hopf
Kissinger Wölfe - ERV Schweinfurt 3:5 (1:1, 0:2, 2:2).
Die Niederlage konnte Mikhail Nemirovsky akzeptieren. "Wir haben unsere Qualität gezeigt und waren in meinen Augen nicht schlechter." Unangenehmer war für den 43-Jährigen, nicht gespielt zu haben. "Das ist schlimm für mich. Gerade im Derby, wo so viel los ist in der Halle", sagte der Spielertrainer der Kissinger Wölfe nach dem Spiel, immer noch an Krücken nach seinem Innenbandriss im Knie. "Saison vorbei?", fragte ein Schweinfurter Spieler nach dem Match beim Shakehands im Kabinentrakt. Falsche Frage. "Zwei Monate Pause", sagte Nemirovsky, schon wieder im Kampfmodus.


Intensiv auch auf den Rängen

Die Schlange vor dem gläsernen Kassenhäuschen war kurz vor Spielbeginn von überschaubarer Länge. Weil die Fans längst in der Halle waren, um sich auf den Klassiker einzustimmen. Was da atmosphärisch aufgefahren wurde, war beeindruckend. Die Intensität von den Rängen kam auf dem Eis ohne jeden Energieverlust an. Die Zuschauer sahen jedenfalls ein packendes erstes Drittel, nahezu unterbrechungsfrei. Mit einer Vielzahl von Chancen auf beiden Seiten und zwei starken Goalies. Da Kissingens Zauberer Donatas Zukovas, dort Schweinfurts Hexer Benni Dirksen. Zwei Extrakönner, die angesichts der vielen Hochkaräter mehr als zwei Hände zu haben schienen. "Ein Benni Dirksen macht eben oft den Unterschied", lobte später Nemirovsky den 29-Jährigen.
Erstmals gefeiert wurde auf Seiten der Mainstädter, als Matthias Kohl den Litauer überwand (12.). Spät im Startabschnitt (19.) fiel der Ausgleich, und zwar durch den starken Eugen Nold in Kissinger Überzahl, als Pascal Schäfer die einzige Zweiminutenstrafe der ersten 20 Minuten absaß. Gefühlt hatten die Kurstädter mehr vom Spiel gehabt, aber die Konter der Mighty Dogs waren durch die Bank von ausgezeichneter Qualität.

Das Mitteldrittel sah leicht überlegene Schweinfurter mit ersten Gelegenheiten für Dion Campbell und Jens Freund, die Wölfe hielten dagegen mit Aktionen von Anton Zeivald und Nikolai Varianov. Was folgte, kam einem Schock gleich für die Gastgeber. Die mussten erst den nächsten Rückstand durch Stephan Trolda (30.) verkraften, dann eine 5+20-Strafe gegen Simon Eirenschmalz. Unmittelbar nach dem Gegentreffer hatte sich der Wölfe-Kapitän zu einer Unbeherrschtheit hinreißen lassen. 29 Sekunden vor Ablauf der Strafe erhöhte Routinier Andreas Kleider auf 3:1 (34.). "Die Strafe war für mich zu hart. Eine 2+10 hätte es da auch getan", fand Nemirovsky. Die zweite Pause kam zur rechten Zeit aus Sicht der Kissinger, die sich doch erst einmal sortieren mussten. Und sich dann den nächsten K.O.-Tropfen quasi selbst in den Hals kippten: In Überzahl kassierten die Wölfe den vierten Gegentreffer durch Jonas Manger (42.). "Ich habe aber schon geahnt, dass das noch nicht die Entscheidung war. Ich kenne doch meine Pappenheimer. Gegen die Kissinger sollte man sich nicht zu viele Strafzeiten erlauben", sagte später Schweinfurts Sportchef Thomas Berndaner. 78 Sekunden nach dem 1:4 verkürzte Christian Masel, dann brachte Eugen Nold (56.) samt dem neuen Stadionsprecher Thomas Blaha wieder Stimmung in die Bude. Bis kurz vor Spielende, als ERV-Youngster Maurice Köder ins leere Tor traf (60.), längst war Zukovas für einen zusätzlichen Stürmer vom Eis gegangen.

"Ich denke, wir haben verdient gewonnen. Wir sind viel gelaufen und haben mehr gearbeitet als der Gegner. Bad Kissingen besitzt viel Qualität, da musst du körperlich dagegenhalten", sagte Thomas Berndaner. Indirekt bekam der ERV-Sportchef sogar Recht von Mikhail Nemirovsky. "Ich nenne keine Namen, aber wir hatten heute zwei Passagiere in der Mannschaft, die das einfach besser machen müssen. 99 Prozent im Spiel ist die Arbeit ohne Puck. Tore entstehen nur aus der Leistung aller Akteure. Das ist die Wahrheit."
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