Bad Königshofen im Grabfeld
Tischtennis

Bad Königshofens Darko Jorgic geht

Die Bekanntgabe des Wechsels von Darko Jorgic stößt bei den Verantwortlichen des TSV Bad Königshofen auf Unverständnis.
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Darko Jorgic: In dieser Saison jubelt er noch für den TSV Bad Königshofen, in der nächsten für den 1. FC Saarbrücken TT. Rudi Dümpert
Darko Jorgic: In dieser Saison jubelt er noch für den TSV Bad Königshofen, in der nächsten für den 1. FC Saarbrücken TT. Rudi Dümpert
Eine Meldung in den Sozialen Medien schlug beim Tischtennis-Bundesligisten TSV Bad Königshofen wie eine Bombe ein. "Saarbrücken schnappt sich Darko Jorgic", hieß es da und weiter: "Der 1. FC Saarbrücken TT hat am Dienstagmorgen die Verpflichtung des slowenischen Top-Talents Darko Jorgic vom TSV Bad Königshofen bekanntgegeben. Der 19-Jährige unterschrieb bei den Saarländern einen Zweijahresvertrag." Höchst angefressen war demnach der Manager des Aufsteigers Andy Albert, der vor etwa zehn Monaten den damals 18-Jährigen wie ein Kaninchen aus dem Ärmel gezaubert hatte. Es war, wie sich im Verlauf der Saison herausstellte, einer der herausragenden Schachzüge während seiner Tätigkeit beim TSV.

Jorgic, zu der Zeit noch beim italienischen Erstligisten Carrara aktiv, stand da schon ganz oben auf Alberts Wunschliste. Der TSV-Manager schlug mehrere Angebote von erfahrenen, wesentlich teureren Bundesligaspielern aus und entschied sich für einen für viele Nicht-Insider quasi Unbekannten. Er stellte mit ihm, Kilian Ort, Mizuki Oikawa und Filip Zeljko wahrscheinlich die jüngste Bundesliga-Mannschaft aller Zeiten zusammen. Welcher kaum etwas zugetraut wurde. Man wollte lediglich Erfahrung sammeln und vielleicht mal ein Spiel gewinnen. Als dies mit dem Sieg gegen den TTC Zugbrücke Grenzau gelungen war, wurden die Ziele sukzessive neu definiert: Erst in "Nicht Letzter werden" und dann sogar "einen Nichtabstiegsplatz belegen."

Was für die TTBL-Zugehörigkeit eigentlich unbedeutend war, weil diese die Liga aufstocken will und es heuer keine Absteiger gibt. Das wichtigste Ziel aber hieß, diese junge Mannschaft weiter entwickeln und zu einer festen Größe im deutschen Tischtennis machen. Die Siege gegen die beiden Ersten der Tabelle, Borussia Düsseldorf und Post SV Mühlhausen, kamen gerade recht. Und sie waren zu einem nicht unbedeutenden Anteil den Künsten von Darko Jorgic zu verdanken. In die Weihnachtspause ging er mit der drittbesten Einzel-Bilanz aller TTBL-Spieler. Und er hatte die aktuelle Nummer eins der Weltrangliste, Dimitrij Ovtcharov, bei den Team-Europameisterschaften in Luxemburg besiegt und mit Slowenien die Bronzemedaille gewonnen.

In einem Interview bekannte Andy Albert zwischen den Feiertagen noch, dass "Darkos 10:5-Bilanz und seine Entwicklung bei den Konkurrenten natürlich Begehrlichkeiten wecken", es werde um ihn gebuhlt. "Aber wir haben ja noch Zeit, werden uns mit unseren Partnern zusammensetzen und ihn nicht kampflos hergeben." Albert verriet inzwischen, dass Jorgic in Wirklichkeit nicht frei über seine Vereinszugehörigkeit bestimmen könne. Er stehe bei einer Tischtennis-Ausrüster-Firma unter Vertrag, die speziell mit dem 1. FC Saarbrücken TT in engster Zusammenarbeit steht. Diese habe ihn gewissermaßen zur Ausbildung in Bad Königshofen geparkt und hole ihn, auf Grund seiner kometenartigen Entwicklung, früher als erwartet dort hin, wo er gebraucht werde. Was ihn, Albert, aber auf die Palme bringt: "Wir wussten natürlich, dass unsere Chancen, ihn zu halten, äußerst gering sind, hätten ihn gern noch ein Jahr bei uns reifen lassen. Wir wurden aber mit der Veröffentlichung am Dienstag früh durch den 1. FC Saarbrücken regelrecht überrumpelt. Das halte ich für schlechten Stil."

Auch der TSV-Trainer Koji Itagaki fühlt sich vor den Kopf gestoßen: "Ich verstehe das nicht, bereits jetzt damit in die Öffentlichkeit zu gehen, wenn der Wechsel eh nicht zu umgehen war. Das muss aber doch nicht zu einem so frühen Zeitpunkt geschehen, ausgerechnet auch noch vor unserem ersten Spiel des Jahres diesen Sonntag in Saarbrücken." Und Albert legt nach: "Das bringt eine Unruhe bei uns rein, die wir so noch nicht kannten."


Erst einmal gegen Saarbrücken

Und der Noch-Bad Königshöfer selber, der mit dem TSV am Sonntag gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber und insgesamt noch in acht Spielen, davon vier Heimspielen, anzutreten hat: "Ich bin sehr glücklich, bei einem so großen Verein den nächsten Schritt zu machen. Ich möchte, wie auch schon in dieser Saison, mein Maximum geben und mich weiter verbessern, um mit Saarbrücken einen Titel zu holen." So viel ist jedenfalls sicher: Er hat dem TSV gegenüber immer mit offenen Karten gespielt. Seine Vertragsverhältnisse waren bekannt, ebenso sein Ehrenwort seinem Vertragspartner gegenüber. Und sein Maximum, das können die Fans des TSV Bad Königshofen bestätigen, hat er immer gegeben.
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