Bad Kissingen
Eishockey Landesliga

Nur Mikhail Nemirovsky feiert nicht

Pünktlich zum Unterfranken-Klassiker liefern die Kissinger Wölfe ihre beste Saisonleistung ab und schlagen den großen Nachbarn.
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Mit 4:1 gewannen die Kissinger Wölfe (in weiß) das Unterfranken-Derby gegen den ERV Schweinfurt. Foto: Hopf
Mit 4:1 gewannen die Kissinger Wölfe (in weiß) das Unterfranken-Derby gegen den ERV Schweinfurt. Foto: Hopf
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Kissinger Wölfe - ERV Schweinfurt 4:1 (1:0, 1:0, 2:1).
Die Handschuhe von Chad Evans krallten sich in den oberen Rand der Plexiglasscheibe. Den Kopf über die Bande gedrückt, zog der Kanadier eine Grimasse in Richtung der euphorisierten Fans. Der Vollbart und die aus dem Helm spitzenden verschwitzten Haarsträhnen verstärkten den Eindruck. Es war die Fratze des Siegers.
"Stimmt schon. Jeder Gegner hat ein bisschen Angst vor uns", sagte später Viktor Ledin, nicht abgestimmt, aber wunderbar passend zur ungewöhnlichen Siegerpose des Teamkollegen Minuten zuvor. Der 25-Jährige hat, wie einige Mitspieler auch, eine weiß-blaue Vergangenheit, trug von 2010 bis 2012 das Trikot der Mighty Dogs. Und geht aktuell als einziger echter Bad Kissinger im Patchwork-Team der Wölfe durch. Entsprechend euphorisch sprudelten die Worte. "Wir waren die bessere Mannschaft. Wir trainieren intensiv, haben einen Wahnsinns-Zusammenhalt. Und hatten heute richtig Spaß auf dem Eis."

Siege gegen den großen Nachbarn sind und bleiben etwas Besonderes für die Saalestädter, die noch lange nach Spielende mit ihren Fans feierten, während die große Anhängerschaft der Schweinfurter unter den offiziell 720 Zuschauern regelrecht konsterniert wirkte. Kein Wunder, denn die bereits dritte Niederlage der Zwischenrunde ist mehr als ein Schuss vor den Bug. Der erklärte Aufstiegs-Favorit wird die Playoffs erreichen, droht aber eine gute Ausgangsposition zu verspielen. Die ersten Zwei (von vier Teams) sichern sich in einem entscheidenden dritten Spiel das so wichtige Heimrecht. "Und das ist jetzt unser Ziel", sagt Michael Rosin. Hört, hört, der Vorsitzende der Wölfe schlägt forsche Töne an, die freilich einen höchst nüchternen Hintergrund haben. "Das würde uns zusätzliche Einnahmen bringen, die uns beim Schuldenabbau helfen."


Das Horrorszenario

Noch nicht vom Tisch scheint zudem das Horror-Szenario einer Hallenschließung, die das Ende des Bad Kissinger Eishockeys bedeuten würde. Vielleicht hatte sich ja der ein oder andere Entscheidungsträger unters Publikum gemischt. Denn es war eine wunderbare Werbung für den Sport und den Standort. "Die Jungs haben so gespielt, wie sie spielen sollen. Und als es eng wurde, hat sich die Mannschaft nicht aus der Ruhe bringen lassen", zeigte sich der Vereinsboss beeindruckt. Kritisierte nur, "dass wir nach dem ersten Drittel höher führen müssen".

Dabei hatte das Derby knifflig begonnen für die Kurstädter nach den frühen Strafen gegen Mikhail Nemirovsky (2.) und Niko Grönstrand (3.). Doch selbst die 31 Sekunden in 5:3-Überzahl wussten die Gäste um ihren Cheftrainer Thomas Berndaner nicht zu nutzen. "Der Beginn war schwierig. Wir wollten ja das Spiel machen und nicht abwarten", sagte Nemirovsky. Und das gegen einen Kontrahenten, der nach mehrwöchiger Verletzungspause überraschend doch Ex-Wolf Alexander Andrusovich und drei komplette Reihen aufgeboten hatte. Inklusive Ausnahme-Goalie Benni Dirksen, der im Auftaktdrittel klar der beste Schweinfurter war. Dirksen parierte prächtig gegen Eugen Nold, Grönstrand, Ledin und Christian Masel. Griff aber daneben beim Grönstrand-Schlagschuss von der blauen Linie (15.). Marc Hemmerich und Chad Evans hatten danach das 2:0 auf dem Schläger.


Exzellent verteidigt

Im Mitteldrittel wurde es ruhiger. Mit weniger Chancen, aber mit einer exzellenten Kissinger Verteidigung um einen starken Goalie Donatas Zukovas, der mit einem Ausnahme-Reflex gegen Michele Amrhein parierte, als Wölfe-Kapitän Simon Eirenschmalz die Strafbank drückte (33.). Gejubelt wurde schließlich erneut im Kissinger Block, weil Schütze Roman Nikitin und Vorbereiter Christian Masel einen erstklassigen Konter gefahren hatten (39.).

Der Schlussabschnitt trieb die Dramatik auf die Spitze. Beginnend mit zwei Top-Aktionen samt Pfostentreffer von Wölfe-Verteidiger Rami Heikkilä. Und fortgesetzt mit einem Wechselfehler, der Kissingen in Unterzahl und Schweinfurt zurück ins Spiel brachte, weil ERV-Altmeister Andi Kleider den Puck von der blauen Linie in den Winkel donnerte. Aber auch diese kritische Phase überstanden die Gastgeber mit Bravour. In Überzahl schlugen die Wölfe nämlich zurück durch den Treffer von Viktor Ledin nach Vorarbeit von Roman Nikitin (53.). Ein Wirkungstreffer für die Mighty Dogs. Weitere Strafen gegen Nikitin (56.) und Grönstrand (59.) überstanden die Saalestädter, um kurz vor Schluss durch das Empty-Net-Tor von Eugen Nold zum Endstand zu treffen.
"Masel, Grönstrand und unser Torwart waren heute besonders gut", fand Nemirovsky, der bei aller Rivalität noch gute Freunde im Team der Mighty Dogs hat. Großartig feiern wollte der Spielertrainer der Wölfe indes nicht. "Ich habe zwei Kinder und es ist Sonntag in Deutschland", grinste der 42-Jährige. Die Kollegen hatten da ganz andere Vorstellungen...
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