Hammelburg
Volleyball 2. Bundesliga 

Moderne Romantik in der Saaletalhalle

Trotz der Niederlage gegen Freiburg zeigt sich kein Hammelburger enttäuscht. Einen großen Anteil daran hat Hallensprecher Olly Wendt.
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Hammelburgs Michael Schottdorf (links) und Felix Bendikowski bei einer erfolgreichen Blockabwehr. Gegen Freiburg zeigt vor allem Kapitän Bendikowski seine Qualitäten. Foto: Hopf
Hammelburgs Michael Schottdorf (links) und Felix Bendikowski bei einer erfolgreichen Blockabwehr. Gegen Freiburg zeigt vor allem Kapitän Bendikowski seine Qualitäten. Foto: Hopf
TV/DJK Hammelburg - FT 1844 Freiburg 1:3 (21:25, 25:20, 21:25, 25:27).

Draußen Minusgrade, drinnen brodelnde, aufgeheizte Stimmung. Und das, obwohl die Hammelburger Jungs im vierten Satz mit 14:18 hinten liegen. Wie kann das sein? Ein Mann macht es möglich: Hallensprecher Olly Wendt.
Bereits am Anfang, bevor die Partie gegen Freiburg begonnen hatte, gab es lobenden Applaus. Denn Wendt verkündete, dass ab sofort keine Knicklichter für die Mannschaftsvorstellung der Hammelburger gekauft werden: "Erstens, weil sie zu teuer sind für die Menge an Zuschauern, und zweitens gibt es noch den ökologischen Gedanken - sie machen zu viel Müll." Stattdessen leuchteten die Taschenlampen der Smartphones auf, als Wendt das Aufgebot des TV/ DJK vermeldete. Moderne Romantik also.


Gelungener Start

Romantisch ging es weiter. Alle Hammelburger Fans erhoben sich bis zum ersten Punkt. Der kam nach 20 Sekunden. Sogar das 2:0 stand auf der Tafel, bis Freiburg aufwachte und bis auf 2:6 davon zog. "Wir haben Freiburg eingeladen, leichte Punkte gegen uns zu machen. Dann haben wir etwas Zeit gebraucht, um im ersten Satz zurückzukommen", sagte Trainer Tado Karlovic dazu. Die Freien Turner aus Freiburg hatten besonders einen Hammelburger Spieler ins Aufschlagvisier genommen: Oscar Benner. "Ich habe heute bestimmt 70 Bälle angenommen, habe viele aber zu spät gesehen, weil Freiburg permanent über den Sichtblock aufgeschlagen hat", so der Außenangreifer.


Individuelle Fehler

In dieser Phase zeigten die Gäste eine effektive Blockabwehr, während den Gastgebern viele individuelle Fehler unterliefen. Aber immer wieder fiel Kapitän Felix Bendikowski auf. Sei es beim starken Punktgewinn zum 10:10-Ausgleich oder durch sein Auge für Lücken in der Freiburger Aufstellung. Mit "die Jungs brauchen uns jetzt" motivierte Olly Wendt das Publikum zum Anfeuern. Auf einmal klappte es: Michael Schottdorf mit dem 16:16-Ausgleich, Benner mit einer starken Blockabwehr zum 17:16. Schließlich lag Hammelburg mit 21:18 in Führung. "Dann haben wir den 22. Ball blöd verloren, das war der Knackpunkt", sagte Karlovic. Sieben Punkte in Folge verlor sein Team und somit auch den ersten Satz.
"Na und, dass wir 0:1 zurückliegen! Wir haben das geilste Publikum der zweiten Liga", heizte Wendt den Zuschauern weiter ein. Und wieder stand Diagonalspieler Felix Bendikowski im Mittelpunkt, dessen Bälle zunehmend mehr Punkte brachten. Hammelburg trat anders auf als im ersten Satz. Selbstbewusster. Kleine Fehler wurden von Wendt und dem Publikum mit Anfeuerungsrufen beantwortet. Freiburg stand unter Druck, die Bälle kamen nicht mehr über das Netz. "Wir hatten Probleme mit dem Aufschlag im zweiten Satz, unsere Chancenauswertung hätte besser sein müssen", sagte Freiburgs Trainer Wolfgang Beck. So verwunderte es nicht, dass Hammelburg diesen Durchgang souverän gewann.


Ein umkämpfter dritter Satz

"Danach war es ein offenes Spiel", sagte Karlovic, und in der intensiven Partie hatte erneut Freiburg den besseren Start. Bis auf 15:21 zogen die Gäste davon. Doch wer dachte, Hammelburg sei schon geschlagen, täuschte sich: Lorenz Karlitzek zeigte einen Hammer-Ball: 16:21; Sichere Blockarbeit von Michael Schottdorf: 17:21. Schottdorf schrie den Druck dabei nur so heraus. Nach einem etwas längerem Ballwechsel folgte das 18:21. Durch einen Doppelblock von Karlitzek und Schottdorf stand es nur noch 19:21. In der Luft lag die Sensation, als Bruno Simunic mit einem Stellertrick der Punkt zum 20:22 gelang. Doch Freiburg antwortete: 20:23; David Strobel mit dem Aufschlag, den Karlitzek zwar noch vom Boden kratzte, der Punkt aber an die Freiburger ging, die im Angriff fast fehlerfrei agierten.
"We will rock you" ertönte aus den Lautsprechern. Es wurde laut im Tiebreak, teilweise so laut, dass es ohrenbetäubend war. Immer mit dabei: Olly Wendt, der mal wieder so viele Meter am Spielfeldrand absolvierte, dass er gestehen musste: "Ich hatte im vierten Satz sogar einen Wadenkrampf, sehr peinlich." Ist es nicht, weil er alles für die Hammelburger Mannschaft tat und sich genauso verausgabte wie die Spieler auf dem Feld.
Freiburg war im vierten Satz nicht unbedingt stärker als der Gastgeber, hatte aber mehr Glück als Hammelburg. Trotzdem: Das Publikum und auch der TV/DJK gab sich nicht auf. Hammelburg kämpfte sich nach einem 14:18 noch einmal auf ein 17:18 heran, Wendt ließ das Publikum mitarbeiten, unerlässlich, unerbittlich. Doch dann punktete der Gast zum 17:19. Noch war nichts verloren, das merkte auch das Publikum. In dieser Phase sahen die Zuschauer weniger individuelle Fehler als am Anfang. Immer wieder zählten die Fans mit, wenn Hammelburg am Ball war: "Eins, Zwei, Drei!" Mit Erfolg: 20:21.
Es hatte sich keiner aufgegeben, auch Wendt nicht: "Wir holen das Ding noch, auf geht's!" Als Lorenz Karlitzek der Punkt zum 23:23-Ausgleich gelang, war die Atmosphäre überragend. Dann aber: Branko Damjanovic mit einem Aufschlagfehler, Bendikowski versuchte es mit Gewalt, Freiburgs Feldabwehr landete an der Hallendecke: 24:24. Es hielt keinen mehr auf den Sitzen. Das Publikum war fast lauter als Wendt mit dem Mikrofon. Hammelburg ging in Führung, doch es braucht einen Abstand von zwei Punkten, um den Satz für sich zu entscheiden. Freiburg glich aus - und zog auf 25:27 davon.


Niemand war enttäuscht

"Hier kann keiner enttäuscht sein, es war ein sau gutes Spiel gegen einen sehr guten Gegner. Schade ist es dennoch, weil ein Punkt drin gewesen wäre", bilanzierte Karlovic. Sein Gegenüber Wolfgang Beck sah es ähnlich: "Es war insgesamt ein enges Spiel, aber es hätte nicht so eng sein müssen. Dass wir das Ding noch heimgefahren haben, ist lobenswert, wir haben aber nicht alles herausgeholt."
Alles herausgeholt hatte dagegen Olly Wendt aus dem Publikum. "Natürlich ist es schwierig, die Stimmung zu halten, wenn wir hinten liegen. Aber dann kommt immer wieder dieser eine Ball und alle sind sofort wieder dabei." Hoffentlich auch beim nächsten Mal, wenn es wieder heißt: "Auf geht's, wir wollen diesen Satz!"
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