Hammelburg
Volleyball 2. Bundesliga

In der Saaletalhalle sind alle geschafft

In einem hochemotionalen Spiel gewinnen die Hammelburger Jungs gegen den VC Dresden nach Satzrückstand.
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Kawumm: Hammelburgs Lorenz Karlitzek lässt dem Dresdner Block keine Chance. Foto: Hopf
Kawumm: Hammelburgs Lorenz Karlitzek lässt dem Dresdner Block keine Chance. Foto: Hopf
TV/DJK Hammelburg - VC Dresden 3:1 (19:25, 25:22, 25:20, 25:21).
Olly Wendt hat jetzt Zeit zum Üben. Bis zum 11. März, zum nächsten Heimspiel der Hammelburger Volleyballer gegen Stuttgart. Denn der Hallensprecher hatte vor 500 Zeugen ein Versprechen abgegeben. Nämlich die stets höchst atmosphärische Vorstellung der einzelnen Spieler in einen Rap zu verpacken: einen Sieg gegen Dresden vorausgesetzt. Eine kreative Sprechgesang-Einlage ist dem wortgewandten Zeremonienmeister allemal zuzutrauen. MC Olly wird"s schon richten. Laut waren zunächst nur die Sachsen. Die sechs Spieler auf, der siebenfache Ersatz neben dem Spielfeld und das Trainerteam machten stimmlich nämlich ordentlich Rabatz, der die Heimkulisse tatsächlich beeindruckte. Zumal die Elbstädter auch spielerisch Akzente setzten. Und die Unterfranken halfen mit einer unzureichenden Annahme tüchtig mit, dass sich die Dresden im Wohnzimmer der TV/DJKler so richtig breit machten.


Ausreißer nach oben

Gut gestellte Bälle von Kasper Vuorinen und Ausreißer nach oben wie das Ass vom gut aufgelegten Lorenz Karlitzek hielten die Hammelburger im Spiel. Beim Ausgleich zum 18:18 hatte auch das Publikum seine Zurückhaltung abgelegt - was die Elbstädter erst recht motivierte, die mit sechs Punkten in Folge für eine Vorentscheidung sorgten. Im Hinspiel hatten die jungen Dresdner ihre Gäste mit einer 3:0-Packung zurück an die Saale geschickt. Und der Satzgewinn hatte der Mannschaft zusätzliches Selbstvertrauen gebracht. Gute Angaben setzten Hammelburg unter Druck, und im Blockspiel setzten die Gäste vor allem auf den 2,13-Meter-Hünen Lukas Maase, einem Juniorennationalmannschafts-Kollegen von Oscar Benner, der später wieder ein Lob seines Trainers Tado Karlovic einheimste. "Oscar macht das in der Mitte wirklich prima."


Trickspiel von Vuorinen

Es brauchte eine Initialzündung. Und die kam mit dem Trickspiel von Vuorinen zum 12:12 und dem Brachial-Hieb von Karlitzek zum 13:12. "Wir haben dann nicht mehr so druckvoll aufgeschlagen. Allein sechs Aufschlagfehler in diesem Satz sind einfach zu viel. Unser ganzes Blockabwehr-Verhalten hat darunter gelitten, dass wir Hammelburg zu viel Raum gelassen haben", analysierte später VC-Trainer Marco Donat.
Bis zum Satzende blieb es extrem eng, aber das Pendel sollte jetzt tatsächlich zu Hammelburger Gunsten ausschlagen. "Das Spiel war immer auf Messers Schneide. Unser Gegner hatte dabei das Glück des Tüchtigen", fand Donat. Tüchtig gepunktet wurde beispielsweise von TV/DJK-Kapitän Felix Bendikowski, der sich seine MVP-Auszeichnung allemal verdiente. Der aber auch das filigrane Spiel beherrscht wie beim Gefühls-Punkt zum 23:21. Stehauf-Qualitäten sollten die Hammelburger Jungs immer wieder zeigen, die im dritten Satz mit 5:8 zurücklagen, dann eine kleine Leistungsexplosion erlebten. Laut, lauter, Laudatio. Immer intensiver prasselte der Beifall auf die Spieler, immer intensiver schien auch das Coaching von Karlovic zu werden, der reichlich rotierte in seiner Rumpftruppe, in der unter anderem Routinier Oliver Möller krankheitsbedingt fehlte. Libero, und das richtig gut, spielte dafür Lukas Spachmann. Erstmals wirkten die Dresdner richtig beeindruckt, der nächste Satzverlust war die Folge. "Die Stimmung hier ist richtig gut. Im Volleyball geht es um Schnelligkeit und um das richtige Stellungsspiel, da sehe ich durchaus Ähnlichkeiten zum Eishockey", sagte Tribünengast Manfred Neckermann, der bei Heimspielen der Kissinger Wölfen gewöhnlich am Mikrofon steht. Und der die nächste Aufholjagd erleben durfte.


Es hätte nicht leiser sein dürfen

Auf den 6:10-Rückstand reagierte Karlovic mit einem kleinen Wutausbrauch. Wirkungslos, weil die Sachsen auf 14:9 davonzogen. Aber der Schulterschluss von Publikum und Spielern setzte den Gästen erneut zu. "Es hätte auch nicht leiser sein dürfen, sonst hätte ich nicht so lange durchgehalten", sagte Henning Schulte, der seinem Team gerade in heiklen Momenten enorme Stabilität verlieh. "Meine Rückenprobleme sind erträglicher geworden. Und konditionell bin ich am Ball geblieben, daher konnte ich aushelfen. Und wenn du so voller Adrenalin bist, gibt dir das zusätzliche Energie." Beim 18:18 war der Ausgleich - und der Gegner geschafft, der den Lauf der Gastgeber nicht mehr stoppen konnte. "Was die Mannschaft geleistet hat, ist grandios. Und eine solche Stimmung erleben zu dürfen, macht mich einfach nur glücklich", sagte später ein emotionalisierter Karlovic. "Wir haben erlebt, wie stark Dresden ist. Die hatten im Hinspiel einen Sahnetag, heute waren sie menschlich und daher schlagbar."
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