Bischofsheim an der Rhön
Wintersport

Die Kreativität im Rhöner Winter wächst

Noch lässt der Schnee auf sich warten. Aber das Angebot in der Region kann sich dank der hiesigen Wintersportvereine sehen lassen.
Artikel einbetten Artikel drucken
Ungebrochene Lust auf Wintersport: Jakob Propp (links) und Ewald Simon beim Nachtskisprint im Januar 2015. Foto: Jürgen Schmitt
Ungebrochene Lust auf Wintersport: Jakob Propp (links) und Ewald Simon beim Nachtskisprint im Januar 2015. Foto: Jürgen Schmitt
Wintersport in der Rhön. Längst mehr als nur ein Geheimtipp. Obwohl Schnee derzeit eher Mangelware in den heimischen Gefilden ist, startete die Ski- und Rodelarena auf der Wasserkuppe am zweiten Weihnachtsfeiertag in die neue Wintersaison. So richtig winterlich war das Weihnachtsfest zwar selbst in der rauen Rhön nicht, aber den Betreibern rund um die Familie Wiegand war es mit Hilfe zahlreicher Schneekanonen gelungen, den künstlich produzierten Schnee zu halten und zwei Pisten für die Rhöner Wintersportler zu präparieren.
Daher konnten der längst legendäre Märchenwiesenlift und der sogenannte Zauberteppich im Skikindergarten in Betrieb gehen. Selbst Wind und Nieselregen können dem präparierten Kunstschnee nur wenig anhaben. Wenn denn die Temperaturen niedrig genug sind. Klar ist jedenfalls, dass die Betreiber auf der Wasserkuppe weiter beschneien werden, um die Pistenverhältnisse zu verbessern und noch weitere Lifte in Betrieb zu nehmen. Obwohl erst im Jahr 1963 der erste Lift auf der Wasserkuppe gebaut worden war, hat sich der 950 Meter hohe Berg schnell zum führenden Skigebiet Hessens gemausert. Der Besucheransturm war von Beginn an so groß, dass dem ersten Lift schnell drei weitere Anlagen folgten.


Einzigartiger Schlittenlift

Vor ziemlich genau zehn Jahren ging dann ein kurioser Schlittenlift in Betrieb, der den etwas sperrigen Namen "Wie-Li" trägt, aber in der Rhön völlig einzigartig ist und die Winterrodelbahn zu einer echten Attraktion gemacht hat. 30 Wagen mit Platz für jeweils vier Personen hat der auf Schienen geführte Sessellift. Rund vier bis fünf Minuten dauert es, bis der Wagen die Bergfahrt absolviert hat. Und nicht nur Schlittenfahrer nutzen das urige Gefährt, auch ungeübte Snowboarder und Skifahrer sind bisweilen recht froh, ohne größere Anstrengungen wieder zum Gipfel zu gelangen. Im Sitzen wohlgemerkt.

Die Wasserkuppe ist das wohl schneesicherste Skigebiet der Rhön, allerdings besonders an den Wochenenden auch das überfüllteste. Das am Fuße der Wasserkuppe gelegene "Zuckerfeld" mit einem eigenen Funpark für Snowboarder und vier verschiedenen Abfahrten zwischen 1000 und 2000 Metern Länge sorgt daher in jedem Winter für Entlastung der Ski- und Rodelarena am Gipfel. Interessanterweise ähnelt sich das Konzept der beiden unabhängig von einander betriebenen Skigebiete. Beide Anlagen verfügen über modernes Flutlicht und Schneekanonen. Sodass bei guten Bedingungen Wintersport teilweise bis 22 Uhr in der Nacht betrieben werden kann. Auch diese Besonderheit hat die Rhön zu einem echten Anziehungspunkt für Schneeliebhaber gemacht.
Von derartigen Rahmenbedingungen ist man auf der bayerischen Seite der Rhön noch weit entfernt. Am Arnsberg bei Oberweißenbrunn setzt man noch ausschließlich auf natürlichen Schnee und muss daher sehnsüchtig auf günstige Witterung für den Wintersport hoffen. Drei Lifte gibt es am Arnsberg und eine Talabfahrt mit stolzen 1250 Metern Länge. Auch die Snowboarder haben den Arnsberg für sich entdeckt und einen Funpark errichtet.


Viele Interessen gebündelt

In Oberweißenbrunn übrigens ist ein Wintersportverein beheimatet, der in seiner Art der größte in der Rhön ist. Der WSV Oberweißenbrunn bündelt die Interessen von alpinen Wintersportlern, Langläufern, Skispringern, Snowboardern und sämtlichen schneebegeisterten Nachwuchssportlern. Längst kooperiert der WSV in vielen Bereichen mit seinem traditionsreichen Lokalrivalen, dem Rad- und Wintersportverein Haselbach (RWV). Weit über die Region hinaus bekannt sind die Kreuzbergschanzen bei Haselbach, auf denen das ganze Jahr über trainiert werden kann. Die Rhönadler springen selbst im Hoch-Sommer auf den bewässerten mattenbelegten Schanzen. Viele Wanderer, die auf dem Weg zum Kreuzberg an den drei Schanzen vorbeikommen, verfolgen regelmäßig begeistert den Sprungbetrieb. Für ganz junge Schnupperspringer gibt es einen kleinen Schanzentisch, über den maximal Fünfmeter-Sprünge möglich sind. Die traditionsreiche Schanzenanlage wird von den ortsansässigen Vereinen RWV und WSV gemeinsam betreut. An den drei großen Schanzen sind ganzjährig Pflege- und Instandsetzungsarbeiten erforderlich. Auch die Matten an den steilen Aufsprunghängen müssen immer wieder ausgebessert werden. Das erfordert Geschick und Anstrengung. Die wechselhafte Geschichte der Rhönadler ist voller Höhen und Tiefen. Derzeit erfährt die Nachwuchsarbeit einen Aufschwung, was natürlich vor allem daran liegt, dass Skispringen in Haselbach unabhängig von der Witterung möglich ist.
Beim alpinen Skisport sieht das aber ganz anders aus. "Es fehlt der Nachwuchs. Im Moment gibt es bei uns kein alpines Rennteam mehr", sagt Stefan Back vom WSV Oberweißenbrunn. Die unsichere Wetterlage in den Rhöner Wintermonaten hatte den alpinen Sportlern Jahr für Jahr zu schaffen gemacht. Derzeit hoffen die Abfahrtspezialisten darauf, dass am 22. Januar 2017 die beliebte Vereinsmeisterschaft über die Bühne gehen kann. "Das hat dann durchaus Wettkampfcharakter und bei den alten Hasen wird noch einmal der Ehrgeiz geweckt."


51 Kinder beim Skikurs

Doch nicht nur die erfahrenen Alpinisten mit großen technischen Fähigkeiten seien bei der Vereinsmeisterschaft willkommen. "Im Prinzip kann jeder mitmachen, der sich für das Skifahren begeistert." Der Wettkampf findet natürlich am Arnsberg statt, der für den WSV so etwas wie der "Hausberg" ist. Obwohl es derzeit kein aktives alpines Rennteam beim WSV gibt, so ist die Faszination Wintersport immer noch allgegenwärtig in der Rhön. 51 Kinder sind heuer zum Skikurs und sieben Kids für den Snowboardkurs beim WSV angemeldet worden. Aufgrund des Schneemangels wird der Kurs auf Beginn des kommenden Jahres 2017 verschoben. Der Termin hängt von der Witterung ab und wird daher kurzfristig bekannt gegeben.


Nachtskisprint ist geplant

Voraussichtlich am 11. Januar 2017 soll der legendäre Nachtskisprint der Langläufer stattfinden. Bei den nordischen Wintersportlern des WSV sind noch einige "alte Hasen" in Wettkämpfen ziemlich aktiv. Zum Beispiel Michael Schrenk, Ewald Simon oder auch Jakob Propp. Interessanterweise trainieren auch die Langläufer so wie die Skispringer keineswegs nur auf Schnee. Der RWV Haselbach richtet im Herbst nun schon seit fünf Jahren seinen Skiroller-Berglauf aus. Zu Zeiten, an denen das Kloster Kreuzberg geschlossen hat, bekommt der RWV eine Genehmigung, die Kreuzbergstraße für den nordischen Berglauf zu sperren. Die lange Wettkampf-Strecke umfasst 6,5 Kilometer und 417 Höhenmeter. Die Profilierung mit wechselnden Steigungen und Flachpassagen sowie dem steilen Finalanstieg am Kreuzberg ist eine Herausforderung. Auch ohne Schnee.
Das flächenmäßig größte Skigebiet der Region befindet sich übrigens direkt auf dem Kreuzberg. Dort gibt es mit 2,6 Kilometern die unumstritten längste Abfahrtstrecke: Die große Familienabfahrt. Der Skibetrieb am Kreuzberg begann im Winter 1958 mit der Eröffnung des "Blickliftes", als einer der ersten Schlepplifte in ganz Deutschland überhaupt. Seitdem werden die Skilifte am Kreuzberg mittlerweile in der dritten Generation betrieben. Doch selbst vor dem heiligen Berg der Franken hat der Klimawandel nicht halt gemacht. Wintersport in der Rhön. Längst mehr als nur ein Geheimtipp. Längst aber auch keine schneesichere Angelegenheit mehr.
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren