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Kultur

Romantisches Klavierkonzert in der Erlöserkirche

Das war ein Angebot, das es nicht alle Tage gibt, vielleicht war es sogar eine Premiere: ein Konzert mit Klavierliedern der Romantik in der Erlöserkirche.
Katrin Edelmann (Mezzosopran) und Jörg Wöltche (Klavier) gaben in der Erlöserkirche ein Konzert. Tom Ahnert
 
von THOMAS AHNERT
Es war der Abschluss zu der Vernissage "Wege zum Himmel"; wobei es nicht unbedingt als Ergänzung gedacht war. Denn die Wege der Romantik führen nicht zum Himmel, sondern in die Innerlichkeit.
Die Neugier wurde allerdings weniger von dem Ereignis beflügelt als von den beiden Ausführenden, denn ihre Namen bringt man, obwohl oder vielleicht gerade weil man sie gut kennt, zu aller letzt mit dem romantischen Klavierlied in Verbindung: Katrin Edelmann (Mezzosopran) und Jörg Wöltche (Klavier). Sie haben schon oft in der Erlöserkirche miteinander musiziert, aber auf einem völlig anderen Sektor. So war dieser Abend in gewisser Weise durchaus eine Premiere.
Dass Katrin Edelmann sehr viel geistliche Musik singt, merkte man - aber nicht, weil ihre Lieder zu Predigten geworden wären oder weil sie mit dem "Gebet" aus Hugo Wolfs Mörike-Vertonungen begann. Sondern man merkte es an ihrer Tonbildung: sehr gründlich und extrem genau, mit einer gewissen Gelassenheit und mit sehr sparsamem Tremoloeinsatz. Da ging es nicht um plakative Virtuosität, für die ein starkes Tremolo gerne gehalten wird, sondern um Innigkeit und Innerlichkeit, um die unbehinderte, zugängliche Darstellung von Emotionen, um nachhaltige Wirkung. Wer eines der bekanntesten und schönsten Lieder der Romantik, Robert Schumanns Vertonung von Eichendorffs "Mondnacht" ("Es war, als hätt' der Himmel / die Erde still geküsst") mit derartiger Ruhe singt, wer sich traut, die schwierigen Intervallsprünge des absolut bloß liegenden Stimme nicht durch Tremolo zu verunklären, der muss sich seiner Sache schon sehr sicher sein. Wobei Katrin Edelmann darauf bauen konnte, dass sie eine - keineswegs selbstverständlich - wunderbar ruhige, weiche Mittellage hat, auf die sie ihre Stimme sozusagen fallen lassen kann.
Überhaupt war das Programm sehr klug zusammengestellt mit sechs Hugo-Wolf-Liedern nach Mörike, weil sie nicht nur große Farbigkeit zulassen, sondern auch, weil die Sängerin es sich erlaubte, in Liedern wie "Der Gärtner", "Zitronenfalter im April" oder "Das verlassene Mägdelein" des psychisch doch so arg belasteten Komponisten Humor zu finden und zu gestalten.


Eigene Handschrift für jedes Lied

Konzeptionell schlüssig gestaltet war Robert Schumanns Liederkreis op. 39 auf Texte von Joseph von Eichendorf. Denn einerseits gelangen ihr wunderbare stimmliche prägnante Charakterzeichnungen, die sie zum romantischen Weltbild einer traum- oder rauschhaften Idylle zusammenfügte bis zum plötzlichen Umbruch mit der Erkenntnis des Erzählers, der, aus seinen Träumen und Bildern gerissen, bemerkt, dass er gar nicht gemeint ist, dass er außen vor steht. Es war nicht nur "Die Mondnacht", die diese Intensität ausstrahlte, sondern auch das immer drängendere "Waldesgespräch", das den Zusammenstoß mit der Hexe Lorelei mit seiner Dialogstruktur oder das "Zwielicht", in dem der Traum von der heilen Welt demontiert wird. Jedes Lied hatte seine eigene Handschrift.
Und schließlich fünf Lieder von Johannes Brahms, die immer so nett und harmlos daher kommen und doch so schwer zu singen und zu spielen sind. Aber auch hier blieb Luft zur Gestaltung wie bei dem schwäbischen Volkslied "Unten im Tale" in dem der abgewiesene Liebhaber seine Niederlage mit erstaunlich lakonischer Wurschtigkeit trägt.
Das letzte Lied, "Von ewiger Liebe" wurde zum eigentlichen Höhepunkt des Konzerts, allerdings nicht wegen des etwas pathetischen Textes von Joseph Wenzig, der in dem nicht überraschenden Ausruf gipfelt: "Unsere Liebe muss ewig bestehn!". Sondern wegen der Brahmsschen Verarbeitung.
Spätestens hier wuchs der Respekt vor Jörg Wöltche schier ins Unermessliche. Denn Brahms war einer der besten Pianisten unter den Komponisten, und er selbst ist vor allem Organist und Cembalist mit ganz anderen Anschlags- und Gestaltungstechniken. Aber er hatte sich kompromisslos hineingewühlt in die Materie, versteckte sich nicht hinter seiner Sängerin. Er begleitete nicht im Sinne einer dienenden Funktion, sondern machte Angebote und dramatischen Druck, provozierte und kontrastierte mit erstaunlichem Zugriff.
Die "Ewige Liebe" war sozusagen das Meisterstück. Denn da fordert nicht nur die rhythmische Vertracktheit einen kostbaren Teil der Aufmerksamkeit, sondern auch das schwierige Erbe der großen, elastischen Hände des Komponisten. Und trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - machte Jörg Wöltche deutlich, wie Brahms mit unberechenbaren Harmonien, über die gerne hinweggespielt wird, die Erwartungen in die Irre führt, wie schwer es die Sänger mit dem Gegenhalten haben.
Aber Katrin Edelmann kannte ihre Töne, ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, ließ sich nicht von der zwangsläufigen Sprödigkeit des Satzes irritieren. Ein wirklich großartiger Schluss, der zwei Zugaben generierte: "Wie Melodien zieht es mir" und "Guten Abend, gut' Nacht" beide natürlich von Brahms. Ein Modell der Zusammenarbeit, das Zukunft haben sollte, wenn es die Beteiligten wollen - und dann vielleicht auch mal mit einem noch besseren Flügel.
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