Gemalt wird mit denselben Werkzeugen und Techniken, wie es seit Jahrhunderten in der Ukraine bei der Pertykivka-Malerei üblich ist. Die Bilder werden mit Fingern getupft, mit Schilfrohr und mit Pinseln aus Katzenhaar gemalt. "Die Pinsel stellt jeder Künstler für sich selbst her. Nur mit Katzenhaar sind so feine Striche möglich, wie wir sie brauchen", erklärt die ukrainische Petrykivka-Künstlerin Galina Nazarenko. Es entstehen kräftige, farbenfrohe Bilder mit fantasievollen Mustern und mit Motiven von Schmetterlingen, Vögeln, Blumen und anderen Pflanzen. Früher verwendeten die volkstümlichen Maler in dem osteuropäischen Land pflanzliche Farben, die mit Eigelb verstärkt wurden. Das hat sich inzwischen geändert. "Wir nehmen jetzt ganz normale, moderne Farben", sagt sie.

Nazarenko und ihre Kollegin Olena Yarmolyuk sind zwei in ihrer Heimat bekannte Petrykivka-Künstlerinnen. Sie haben eine feste Ausstellung in Kiew, und insbesondere Nazarenko ist mit ihren Werken international unterwegs. In Österreich, den USA, China und Spanien war sie dieses Jahr bereits, jetzt präsentieren sie und Yarmolyuk sich in Bad Kissingen im Rahmen der Interkulturellen Woche. "Wir wollen zeigen, dass wir Ukrainer eine eigene Kultur haben, die wir pflegen und die wir erhalten wollen", sagt Nazarenko. Die Ukraine werde seit der Sowjetzeit weniger als das europäische Land wahrgenommen, das es eigentlich sei. Erst mit der Besetzung der Krim durch Russland und den Krieg im Osten habe sich der Blick auf das Land wieder gewandelt. "Wir wollen zeigen, dass wir europäisch und dass wir friedlich sind".


Kontakt nach Bad Kissingen

Alena Albert stammt gebürtig ebenfalls aus der Ukraine, lebt aber seit Jahren in Bad Kissingen und ist deutschlandweit in der ukrainischen Diaspora aktiv. "Es war lange mein Wunsch, meine Kultur hier zu zeigen", erzählt sie. Seit mehr als zwei Jahren steht sie mit den Malerinnen und Kuratorin Nina Burnevich in Kontakt, hat geholfen, den ersten Deutschlandbesuch der beiden zu organisieren und steht ihnen jetzt als Dolmetscherin zur Seite. "Ich freue mich, dass nach Bad Kissingen zur Interkulturellen Woche kommen", sagt Albert.

Am Donnerstag waren die Künstlerinnen für einen Schülerworkshop in der Sinnberg-Grundschule zu Gast, am Wochenende sind ihre Werke öffentlich am Jack-Steinberger-Gymnasium zu sehen (siehe Infokasten). "An unserer Schule haben wir viele Schüler aus vielen Nationen, auch viele russischsprachige und Schüler aus der Ukraine", sagt Rektor Karl-Heinz Deublein. "Ich finde es gut, wenn im Unterricht Kulturgut aus anderen Nationen gezeigt wird."

Benannt ist die Kunstmalerei nach der gleichnamigen Ortschaft. Das ehemaligen Kosakendorf Petrykivka ist in der Ukraine als Hochburg volkstümlicher Kunst berühmt. Die Malerei diente früher vor allem dekorativen Zwecken. "Jede Frau hatte zu großen Festtagen Zuhause ihren Ofen damit bemalt", erklärt Nazarenko. Der Ofen galt als Symbol für Reichtum und Wohlstand. Frauen, die die ihre Feuerstelle schmückten, erhielten schöne Kosenamen, die anderen, die den Ofen nicht verschönerten, wurden von den übrigen Bewohnern im Dorf geschnitten.

Petrykivka überlebte als Tradition die Sowjetzeit unbeschadet und ist seit 2013 als immaterielles Unesco Weltkulturerbe gelistet. Nazarenko sagt, die Malerei spiegele die Seele der Ukraine wieder. Sie sei reich an Symbolik und zeuge von einer sorgfältigen Beobachtung der lokalen Tier- und Pflanzenwelt. Typisch sind reine und bunte Farben. "Schwarz wird so gut wie nie benutzt." Thematisiert werden Dinge wie Schönheit, Liebe und Familie. "Petrykivka ist dafür da, das Auge zu beruhigen und die Seele zu erfreuen", sagt Nazarenko.


Workshop und Ausstellung

Termine Nazarenkos und Yarmolyuks Petrykivka Ausstellung ist am Samstag und Sonntag, 14. und 15. Oktober, in der Aula des Jack-Steinberger-Gymnasiums zu sehen. Eröffnung ist am Samstag um 14 Uhr, ein Workshop mit den Künstlern findet von 15 bis 19 Uhr statt.Die Öffnungszeiten am Sonntag für beides sind von 14 bis 18 Uhr. Anmeldungen für den Workshop sind bis zum heutigen Freitag möglich, unter Tel.: 0971/ 998 42 und unter 0159/ 0284 6061. Vom 15. bis zum 23. November sind die 65 Bilder in der Sparkasse während der Öffnungszeiten ausgestellt.