Was den Gospel betrifft, so konnte man lange Zeit sagen, dass die Rhön nicht gerade das Gelobte Land ist. Solange, bis "Light in the Dark" kamen. Männer, Frauen, bald um die 40 Mann, die das geistliche Lied der afroamerikanischen Christen Nordamerikas in die Gotteshäuser Rhön-Grabfelds und darüber hinaus trugen, zum Lobe Gottes, zur Erquickung der Seelen, vor allem aber, um mächtig mitreißende Stimmung dorthin zu bringen, wo sonst nur Kirchenbänke ehrfurchtsvoll knarzen.

Im Mai 2000 gab Light in the Dark sein erstes Konzert. Seit 2010 führt der Windheimer Thomas Reuß den Gospel-Chor. Am Sonntag, 15. Oktober, dirigiert er den stimmgewaltigen Chor zum letzten Mal.
Thomas Reuß ist gelernter Journalist und - so die Selbstdefinition - "Lagerfeuergitarrist". Klavierspielen hat er gelernt, die Gitarre lernte er über einen Fernseh-Kurs kennen. Im Münnerstädter Gymnasium bereicherte er die Schulband, später wurde in Bierzelten zum Tanz gespielt.
"Als Sohn Markus 1990 zur Welt kam, wollte ich es etwas langsamer angehen lassen", sagt Reuß. Aber ganz von der Musik wollte er nicht lassen.

Zur gleichen Zeit etwa hatte Ute Gräfenschnell, Gymnasiallehrerin in Bad Neustadt, eine kleine Gospel-Singgruppe gegründet. Sie hatte zuvor den Gospel im Englisch-Unterricht verwendet, die Kinder und auch deren Eltern begeistert. Also wurde im evangelischen Gemeindehaus weiter gesungen.

Bei seiner Arbeit stieß Thomas Reuß schließlich auf eine Zeitungsmeldung: Die Gospel-Singgruppe war auf der Suche nach männlichen Mitsängern. "Da gehst du halt mal hin und singst ein bisschen mit, habe ich mir gedacht", erzählt Thomas Reuß. Gleich beim nächsten Mal hatte er die Gitarre dabei und war somit aus dem Chor nicht mehr wegzudenken. Nach und nach ist der Chor seit 1992 gewachsen. "Im Jahr 2000 haben wir ein Konzert der KissSingers gehört und uns gedacht: Das könnten wir doch auch", erinnert sich der scheidende Dirigent.


Immer wieder viele neue Fan

s Einen ersten Auftritt hatte "Light in the Dark" bei einem Liederabend in Sondheim/Rhön. Mit "Vorsicht, jetzt kommt etwas ganz anderes" wurde das Publikum eingestimmt. An den Gospel mussten sich die Rhöner aber erst gewöhnen. Im Jahr 2000 erfolgte das erste eigene Konzert in Hollstadt. "Wir hatten nur mein altes Band-Mischpult dabei. Aber es hat gegroovet", schmunzelt Reuß. Das Mitreißende, buchstäblich Erweckende des Gospels hat schnell viele Freunde in der Rhön gefunden dank des Chores. "Im Winter 2001 standen wir bei Dauerregen auf dem Bad Neustädter Marktplatz. Es hat gedroschen, aber die Leute haben ausgehalten und mitgemacht", bleibt Reuß ein unvergesslicher Auftritt im Gedächtnis.

Mit jedem Konzert eroberte sich Light in the Dark neue Fans. "Wir haben eigentlich überall gespielt, von Baunach bis Würzburg", sagt Thomas Reuß. Er hat 2010 das Regiment bei dem Gospelchor übernommen, nachdem Ute Gräfenschnell 2009 nach 17 Jahren die Leitung abgegeben hatte. "Light in the Dark " stand kurz vor der Auflösung, also ist Thomas Reuß eingesprungen.

Er kann sich nach wie vor für den Gospel begeistern. "Gospel ist natürlich fetzig, und ohne den Gospel gäbe es keine Rockmusik", schwärmt der langjährige Chorleiter. "Aber vor allem geht es um die Frohe Botschaft: Uns kann nicht viel passieren, wir sind von Gott getragen, egal, was passiert, auch, wenn es uns einmal dreckig geht", nennt Reuß die Kernbotschaft des Gospels.


15 Auftritte pro Jahr

Bis heute proben die Mitglieder einmal pro Woche im evangelischen Gemeindehaus in Bad Neustadt, wobei viele Sänger Mitglieder der katholischen Kirche sind. "Bei etwa 15 Auftritten pro Jahr, für die Vorbereitungen zu treffen oder Plakate zu drucken sind, hat man dann fast jeden Tag mit dem Chorprojekt zu tun", sagt Reuß. Und das ist auch der Grund, weshalb der Windheimer mit 60 Jahren die Zeit gekommen sieht, den Dirigentenstab abzugeben. "Nur wenn ich brenne für die Musik, dann können auch andere brennen. Alles hat eben seine Zeit", erklärt Reuß seinen Rückzug.

Am Sonntag, 15. Oktober, wird Thomas Reuß zum letzten Mal "Light in the Dark" in der evangelischen Christuskirche dirigieren und ein Konzert moderieren. Dann folgt noch ein Auftritt in der Neurologischen Klinik nach alter Tradition. "Dort lauschen schwer vom Leben Gezeichnete unserer Musik. Und wenn man merkt, wie sie positiv reagieren, dann gibt das einem viel zurück", sagt Reuß.
Er hofft, dass sich für den Chor eine neue Leitung findet, schließlich ist er selbst dem Chor seit bald 25 Jahren verbunden. Reuß will der Musik mit seinem Abschied von "Light in the Dark" nicht entsagen. Eine kleine Akustik-Formation kann sich der Windheimer gut vorstellen. Aber erst einmal wird das Abschlusskonzert über die Bühne gebracht. Die Klassiker, die bei jedem ihrer Auftritte nicht fehlen dürfen, sind auch dabei: "We are the World" zum Beispiel von Michael Jackson gehört zum Standard-Repertoire. Und auch "Oh Happy Day" wird an diesem Tag nicht fehlen. Auch wenn vielleicht ein paar Tränen des Abschieds fließen werden.

Abschlusskonzert

Seinen Abschied als Dirigent und Moderator des Gospelchores Light in the Dark nimmt Thomas Reuß am Sonntag, 15. Oktober, um 18 Uhr. Die rund 25 Sängerinnen und Sänger haben in der Christuskirche der evangelischen Kirchengemeinde ein Heimspiel. "United we stand", gemeinsam sind wir stark, lautet der Titelsong des aktuellen Programms. Mit Matthias Eichele am Klavier wird es einen bunten Mix aus fast einem Vierteljahrhundert Rhöner Gospelmusik geben: afrikanische Gesänge, alte Sprituals, zeitgenössischen Gospel, aber auch den ein oder anderen Pop- und Rocksong im Gospelstyle. Wie immer bei Light in the Dark ist das Publikum zum Mitmachen eingeladen. Und wie immer ist der Eintritt zum Konzert frei. Es wird allerdings um Spenden gebeten, die dem Kinderhospiz Sternenzelt Mainfranken zufließen. Gerhard Fischer