Bad Kissingen
Mariä Himmelfahrt

Mariä Himmelfahrt: Neuer Feiertag in Maßbach wirkt sich kaum aus

Erst seit 2014 ist der 15. August in Maßbach gesetzlicher Feiertag. Geändert hat das aber wenig.
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Grafik: Micho Haller
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In 1704 bayerischen Gemeinden ist am 15. August Feiertag, in den restlichen 352 nicht. Die Grundlage dafür ist das Verhältnis zwischen Katholiken und Protestanten: Wo erstere in der Mehrheit sind, wird Mariä Himmelfahrt gefeiert, anderswo eben nicht. Im Landkreis Bad Kissingen sind nur noch in zwei kleinen Gemeinden die Protestanten in der Überzahl: Geroda und Zeitlofs. In Maßbach hat sich das Verhältnis beim Zensus 2011 umgekehrt, deshalb ist dort seit dem Jahr 2014 der 15. August ein Feiertag. Die wenigen Geschäfte, die bis dahin an Mariä Himmelfahrt noch auf hatten, müssen nun zu bleiben.
In Deutschland ist Mariä Himmelfahrt nur im Saarland und eben in den mehrheitlich katholischen Gemeinden Bayerns ein gesetzlicher Feiertag. Die Regelung stammt aus einer Zeit, in der die Konfessionen noch deutlich strikter getrennt waren, auch im Landkreis Bad Kissingen: Die Thüngensche Cent im Norden und einzelne Orte waren protestantisch geprägt, überall sonst waren die Katholiken in der Mehrheit.
Bereits mit der Flüchtlingswelle nach dem Krieg wurde viel durcheinander gewürfelt: Katholiken aus dem abgesiedelten Truppenübungsplatz etwa wurden direkt neben das Weißenbacher Schloss verpflanzt. Spätaussiedler und vor allem die zunehmende Mobilität taten ihr übriges dazu.


VG mehrheitlich katholisch

Auch gemischt konfessionelle Ehen sind heute keine Besonderheiten mehr: "Meine Frau und mein Sohn sind evangelisch, ich bin katholisch", berichtet etwa der frühere Maßbacher Bürgermeister Johannes Wegner (Grüne). Ökumene ist für Wegner ganz selbstverständlich: "Vor 50 Jahren mag das noch anders gewesen sein, aber heute ist das Miteinander von gegenseitiger Rücksichtnahme geprägt."
In seinen 18 Jahren als Maßbacher Bürgermeister war Mariä Himmelfahrt zwar kein Feiertag, aber die Verwaltungsgemeinschaft hatte trotzdem immer zu: "Rannungen und Thundorf sind ja schon immer überwiegend katholisch", verweist Wegner auf die weiteren Mitgliedsgemeinden. In den Maßbacher Gemeindeteilen sei es seit jeher unterschiedlich gehandhabt worden: "In Poppenlauer hatten die Geschäfte an dem Tag schon immer zu", berichtet Wegner. Auch Weichtungen sei seit Generationen überwiegend katholisch.
In Maßbach dagegen war das Bild schon immer gemischt: Die Auto-Werkstatt und ein Teil der Geschäfte blieben geschlossen, der Rest öffnete ganz normal. "Ich bin am Feiertag eh nicht zum Einkaufen", sagt Wegner und fühlt sich deshalb auch nicht dadurch eingeschränkt, dass kurz nach Ende seiner Amtszeit im April 2014 der Tag Feiertag wurde. Ähnlich sieht es der evangelische Pfarrer Stefan Bonawitz: "Für mich persönlich ist es innerlich kein Feiertag, aber wir begehen es als stillen Tag", beschreibt er seine Einstellung. Das habe er auch schon so gehalten, als die Katholiken noch nicht in der Mehrheit waren - "aus Respekt vor unseren katholischen Mit-Christen".


Ökumene hat einen festen Platz

Auch sonst sei die ökumenische Zusammenarbeit gut: "Es gibt zwar nicht viele gemeinsame Veranstaltungen, aber wo wir zusammenarbeiten, ist das immer sehr gut", fasst er die Situation zusammen. Fest eingeplant seien gegenseitige Besuche auf den Gemeindefesten, auch Schul- und Kindergartenabschieds-Gottesdienste werden ökumenisch gestaltet: "Es ist eine Selbstverständlichkeit geworden, dass wir das miteinander feiern", sagt Maßbachs Pfarrer Bonawitz.

Die Zahlen bewegen sich aufeinander zu, aber der Abstand bleibt groß: Von der Volkszählung 1987 bis zum Zensus 2011 ist die Zahl der Katholiken im Landkreis Bad Kissingen von 79 838 auf 72 177 gesunken, also um 7661 oder 9,6 Prozent. Gleichzeitig bekannten sich 1970 oder 10,7 Prozent mehr Menschen zum evangelisch-lutherischen Glauben, die Zahl stieg von 16 517 auf 18 487.

Die Verteilung ist unterschiedlich: In Sulzthal beispielsweise lebten 1987 noch 820 Katholiken und 20 Protestanten, 2011 waren es 749 und 56. In Ramsthal sank die Zahl der Katholiken in dem Zeitraum von 1073 auf 972, die der Protestanten stieg von 25 auf 72. Im Norden hatte Brückenau 1864 gerade einmal 19 Protestanten, in den 1990er Jahren stieg ihre Zahl bis auf 2500, weil viele protestantische Russland-Deutsche ankamen. Bis heute ist die evangelische Gemeinde stark von Zuwanderern geprägt.

Motten, die Heimatpfarrei des katholischen Dekans Michael Krammer, ist eindeutig katholisch geprägt. Auch deshalb ist der heutige Tag dort eine ganz große Besonderheit. "Mariä Himmelfahrt ist für mich ein österliches Fest mitten im Sommer", sagt Krammer. Wenn die Natur in voller Blüte stehe und die Ernte zum großen Teil eingefahren sei, stehe an dem Wallfahrtsort in der Rhön das Haupt-Wallfahrtsfest an: "Gott vollendet uns Menschen, indem er uns an der Auferstehung teilhaben lässt", deutet Krammer das heutige Fest. Mehrere tausend Menschen kommen deshalb am 14. und 15. August auf den Maria Ehrenberg - viele auch aus Hessen, obwohl dort kein Feiertag ist. Dass das auch in manchen Gemeinden in der Region so ist, ist für Krammer kein Thema: "Das ist Sache des Staates."

In Geroda und Zeitlofs ist heute normaler Arbeitstag, zu merken ist das aber so gut wie gar nicht. "Geschäfte sind da keine auf", berichtet Gerodas Bürgermeister Alexander Schneider (CSU). Keine Einschränkungen gebe es auch beim Werkeln daheim: "An dem Tag kann jeder machen, was er will, aber es reizt keiner aus", kommentiert Schneider das Dorfleben an Mariä Himmelfahrt. Pech habe natürlich, wer nach Hessen zur Arbeit fährt: "Die sind ganz normal unterwegs."


In Hessen normaler Arbeitstag

"Wir zeigen uns solidarisch", sagt auch der Zeitlofser Bürgermeister Wilhelm Friedrich (CSU). Die Läden seien geschlossen: "Wer zum Bäcker will, muss halt nach Altengronau fahren." Große Ausnahme: "Bei uns wird regulär gearbeitet", berichtet Karolina Hock von der Zeitlofser Schreinerei Hartmann, und: "Wer Urlaub haben möchte, kriegt Urlaub, aber es gab keine Nachfragen." Die 13 Beschäftigten, die nur zum Teil aus der Gemeinde kommen, seien es gewohnt, an Mariä Himmelfahrt zu arbeiten, auch weil die Firma viel im Rhein-Main-Gebiet unterwegs sei - "und da wird am 15. August auch ganz normal gearbeitet".
Der Getränkehandel Hümmer in Geroda dagegen bleibt heute geschlossen: "Wir haben es mehrfach versucht, aber an dem Tag kommt eh niemand", erzählt Hermine Hümmer. Sie selbst sei katholisch, aber das spiele bei der Frage der Öffnungszeiten keine Rolle: "Auch die Evangelischen haben zu."
Mariä Himmelfahrt und Dreikönig galten früher vor allem in Fulda als "bayerische Tage", weil viele über die Landesgrenze zum Einkaufen nach Hessen pendelten. "Das hat wegen des Online-Handels auch abgenommen", ist sich Georg Roth sicher. Der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Bad Brückenau hat je eine Parfümerie in Bad Brückenau und Schlüchtern. Das Personal in Bayern habe heute frei, das in Hessen müsse arbeiten: "Da darf man auch niemanden in die andere Filiale schicken", verweist Roth auf die Arbeitsgesetze.

Grundlage Bis 2013 fiel die Entscheidung, ob Mariä Himmelfahrt ein gesetzlicher Feiertag ist auf Grundlage der Volkszählung 1987. Seitdem zählen die Ergebnisse des Zensus 2011.

Übersicht In 1704 von 2056 bayerischen Kommunen ist heute Feiertag. In Ober- und Niederbayern überwogen 2011 die Katholiken sogar in allen Gemeinden. In der Oberpfalz ist heute in 96,0 Prozent der Gemeinden Feiertag, in Schwaben 95,3 Prozent und in Unterfranken in 87,0 Prozent aller Kommunen. In den meisten Gemeinden der evangelisch geprägten Regierungsbezirke Ober- und Mittelfranken ist Mariä Himmelfahrt dagegen kein Feiertag, dort sind nur 46,3 Prozent beziehungsweise 18,1 Prozent der Gemeinden mehrheitlich katholisch.

Städte Während in München, Augsburg, Würzburg, Regensburg und Ingolstadt Mariä Himmelfahrt ein gesetzlicher Feiertag ist, wird in den mittelfränkischen Großstädten Nürnberg, Fürth und Erlangen gearbeitet und die Geschäfte dürfen öffnen.

Info Eine Übersicht, in welchen bayerischen Kommunen heute Feiertag ist, gibt es beim Bayerischen Landesamt für
Statistik unter www.statistik. bayern.de/statistik/bevoelkerungsstand/00141.php.
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