Bad Kissingen
Gericht

Illegaler Handel mit Doping-Mitteln

Zwei Männer und eine Frau sind angeklagt - und schweigen.
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Kunden eines Fitnessstudios sollen drei Angeklagte mit Testosteron- und anderen Dopingmittel versorgt haben.  Symbolfoto: Oliver Berg dpa/lnw
Kunden eines Fitnessstudios sollen drei Angeklagte mit Testosteron- und anderen Dopingmittel versorgt haben. Symbolfoto: Oliver Berg dpa/lnw
Für ordentliche Muskeln tun viele Menschen alles - auch wenn sie dafür mit illegalen und gesundheitsschädlichen Substanzen nachhelfen müssen. Wer an Bodybuilder-Wettkämpfen teilnimmt, scheint an Pillen und Ampullen mit Wachstumsbeschleunigern gar nicht vorbeizukommen.
Zwei Männer (50 und 55) und die 54-jährige Betreiberin eines Fitnessstudios im Landkreis Bad Kissingen sollen von September 2015 bis zu ihrer Festnahme im Dezember 2016 die interessierte Kundschaft mit tausenden Doping-Pillen und -Ampullen versorgt haben, wie ihnen die Staatsanwältin vor der Großen Strafkammer des Landgerichts vorwirft.
Laut Anklage soll der 55-Jährige, ein gelernter Schreiner, dem 50-jährigen Fitnesstrainer Dopingsubstanzen für 32 000 Euro verkauft haben, die dieser in 15 Fällen an sechs Kunden weiterverkauft habe.
Bei dem Fitnesstrainer und seiner Partnerin, der mitangeklagten 54-jährigen Betreiberin des Fitnessstudios, wurden im Dezember 2016 bei einer Durchsuchung der Räume, des Autos und eines weiteren Fitnessstudios in den Haßbergen jede Menge Testosteron-Präparate und andere Dopingmittel gefunden. In der angemieteten Garage und der Wohnung des gelernten Schreiners im nordrhein-westfälischen Euskirchen, der sämtliche illegale Substanzen aus Polen beschafft haben soll, stellten die Ermittler Pillen und Ampullen "zu Dopingzwecken im Sport" sicher, deren Wirkstoffgehalt die so genannte "nicht geringe Menge" um das 2840-fache überschreiten. Angeklagt ist: unerlaubter Besitz von Arzneimitteln zum Sportdoping.


Seit Dezember in U-Haft

In allen Fällen wirft die Anklägerin der Schwerpunktstaatsanwaltschaft München den Männern und der Studiobetreiberin gewerbsmäßigen Handel mit den illegalen Substanzen in einer derartigen Menge vor, dass zumindest für die Männer eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung in Betracht kommt. Seit der Razzia am 6. Dezember 2016 sitzen sie in Untersuchungshaft. Auch die Studiobetreiberin war zunächst hinter Gittern, der Haftbefehl wurde dann außer Vollzug gesetzt.
Zum Prozessauftakt am Mittwoch schwiegen die Angeklagten zunächst auf Anraten ihrer Verteidiger zu den Vorwürfen. Nur zu ihren persönlichen Verhältnissen wollen sie sich äußern. Der 50-Jährige sei demnach auf einem polnischen Bauerhof aufgewachsen, habe schon 1992 ein Fitnessstudio in Wiesbaden betrieben, bis 2001 profimäßig an Bodybuilder-Wettkämpfen teilgenommen und sei auch einmal Weltmeister geworden. Und: "Bei jeder Vorbereitung auf einen Wettkampf habe ich mit Dopingmitteln gearbeitet."


Anabolika aus der alten Heimat

Sein 55-jähriger "Lieferant" der Dopingware, gelernter Schreiner, ist ebenfalls in Polen aufgewachsen. Aus der alten Heimat bezog er auch die illegalen Arzneien. Zum Schluss sei er mit dem Betrieb einer "klassischen Saufkneipe" in Euskirchen gescheitert, wie er sagt.
Die Studiobetreiberin ist nach eigener Aussage gelernte Apothekenhelferin, seit 1990 im Fitnessstudiobetrieb tätig und hat, wie der 55-Jährige, nie selbst Kraftsport betrieben.
Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage angesetzt. Er soll am 24. Januar fortgesetzt werden. fan
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