Bischofsheim an der Rhön
Erlebnis

Erfahrungsbericht: "Plattfußindianer" unterwegs

Ohne Schuhe und Socken vom Kloster zur Gemündener Hütte: André Schmitt führt Barfußwanderungen über Bucheckern und Kieselsteinedurch die Rhön.
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André Schmitt, der "Rhönyeti", fühlt am liebsten hautnah, was sich unter ihm tut. Barfuß geht's hoch auf den Berg. Foto: Thinkstock
André Schmitt, der "Rhönyeti", fühlt am liebsten hautnah, was sich unter ihm tut. Barfuß geht's hoch auf den Berg. Foto: Thinkstock
Es war eine Reise zurück in die Jugendzeit. André Schmitt, auch als Rhönyeti bekannt, hat mich zu einer Barfußwanderung auf den Kreuzberg eingeladen. Barfuß wandern? Was soll das denn bringen? Ich war skeptisch, dann aber doch neugierig geworden. Pünktlich am Sonntagnachmittag habe ich mich dann vor dem Bruder Franz-Haus vor dem Kloster eingefunden.

Ein wenig verwundert war ich schon, denn ich hatte mit einer Handvoll Leuten gerechnet. Ältere, die ein wenig Nostalgie schnuppern wollten, so wie ich. Denkste. So um die 30 Leute hatten sich versammelt, und der Großteil alles andere als "Ü 50". Mein Gott, da bin ich wohl der Älteste? Meistens waren es junge Leute um die 30, vielleicht auch 40, Familien mit Kindern.

André, der "Rhönyeti", mitten drin. "Natur pur erleben, kannst du nur, wenn du die Natur auch spürst", so seine Einleitung zur Tour, die über den Kreuzberggipfel zur Gemündener Hütte führen soll. Wie könnte man das besser fühlen als mit bloßen Füßen.

Na denn, auf geht´s. Meine Sandalen habe ich bei André an den Rucksack geschnallt. Die ersten Schritte sind noch einigermaßen zaghaft, aber das asphaltierte Straßenstück vor dem Kloster ist angenehm warm von der Sonne. Ein paar Treppenstufen aufwärts. Au weh. Mitten drauf auf den Kiesweg. Das ist nicht gerade das reine Wohlgefühl. Da hab ich doch eine ganz andere Erinnerung an meine Barfuß-Kinderzeit. Damals sind wir den ganzen Sommer barfuß unterwegs gewesen, über die abgeernteten Stoppelfelder gelaufen. Aber jetzt?


Barfuß zum Panoramablick

Die Kieselsteine drücken gewaltig, kein Wunder bei dem Körpergewicht. Da heißt es: einfach ganz vorsichtig auftreten. Nach wenigen Schritten geht es auf dem Grasrand neben dem Weg weiter. Na also, geht doch. Bergauf geht es durch ein Waldstück. Der weiche Waldboden ist wohltuend, wenn da nicht ab und an diese ausgedorrten Schalen der Buchecker wären. Aber auch das geht vorbei und André führt uns über sanfte Wiesenwege hinauf zu den drei Kreuzen mit dem herrlichen Rhönpanorama. Das schönste, das ich kenne: Blick hinüber zum Dammersfeld und Auersberg, dann weiter in die Hohe Rhön mit Heidelstein und Wasserkuppe. Bei so einem herrlichen Sommertag gibt es nichts Schöneres.

Die Kinder haben natürlich großen Spaß. Sie laufen immer wieder voraus und müssen von André "eingefangen" werden. Ich höre mich etwas um, denn unseren Rhöner Dialekt höre ich in der Gruppe fast überhaupt nicht. Da sind einige junge Leute aus dem Spessart, ein älteres Ehepaar aus dem hessischen Lütter und eine junge Familie aus Bad Staffelstein und Urlaubergäste aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Sie haben von der Barfuß-Tour aus der Zeitung oder dem Radio erfahren und wollten das einfach mal ausprobieren. So wie ich. Aber es macht Spaß, da sind sich alle einig, und eine gute Massage für die Fußsohlen. Wenn da nicht immer mal ein Kiesweg wäre, der zu überqueren ist.


Die Spendersocke

Beim Hochkreuz auf dem Gipfel biegen wir Richtung Norden zu unserem Ziel ein - die Gemündener Hütte. Vom "Bischofsheimer Blick" genießen alle die wunderbare Aussicht, bevor es die letzten Meter hinunter zur Hütte geht. Ein wenig wundern sich die Gäste, als wir eintreffen. Die Bemerkung "Plattfußindianer" war aber sicher positiv gemeint. Jetzt haben wir uns alle ein Bierchen verdient. Die Pause in der herrlichen Sommersonne macht diesen Tag endgültig zu einem besonderen Fest.

André hat eine "Spendersocke" mitgebracht und lässt sie zum Abschluss reihumgehen. Nicht für den Rhönyeti, sondern für kranke Kinder in der Station Regenbogen in Würzburg. "Es gibt so viele Kinder, die gerne mit uns wandern würden, die es aber wegen ihren schweren Erkrankungen nicht können." Zusammen mit dem Sockeninhalt, mit einer weiteren Spende einer großen deutschen Versicherung und dem Betrag eines weiteren privaten Spenders gehen über 1000 Euro an die Elterninitiative für Leukämie- und Tumorkranke Kinder.
Damit kann der Großteil einer Ferienfreizeit für junge Patienten an der Ostsee finanziert werden. In diesem Jahr hat der Rhönyeti keine Barfußwanderung mehr im Programm, aber für nächstes Jahr werde ich mir den Termin sicher vormerken. Versprochen.

Manfred Zirkelbach
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