Eine Rolle rückwärts macht die Carl-von-Hess'sche Stiftung in Hammelburg. Die Sozialeinrichtung holt das Waschen der Wäsche heim. Unter Protest der betroffenen Mitarbeiter war die frühere Wäscherei 1996 aufgegeben worden. Seitdem wusch ein Schweinfurter Unternehmen.
Bereits im Januar sollen eigene Waschtrommeln anlaufen. "Wir haben jetzt die Größe, dass sich das rentiert", sagt Geschäftsführer Marco Schäfer zum Einbau der Wäscherei. Zweimal in der Woche soll die persönliche Wäsche der insgesamt 480 Heimbewohner, die Arbeitskleidung der Mitarbeiter und die Flachwäsche (Bettzeug und Handtücher) aus den sieben Einrichtungen der Stiftung in Hammelburg, Münnerstadt, Bad Brückenau, Zeitlofs, Oberthulba und Euerdorf abgeholt werden. Bis zu fünf Vollzeitkräften soll die Wäscherei Arbeit bieten.


Mehr Qualität

Dabei gehe es in erster Linie nicht um finanzielle Einsparungen. "Das Verbleiben im eigenen Kreislauf verbessert die Qualität", ist Schäfer überzeugt. In großen Privatwäschereien mit ihren haushohen Waschmaschinen bleibe schon mal etwas auf der Strecke oder werde verwaschen. "Bei den Angehörigenversammlungen ist das immer wieder Thema", weiß er.
Rationelle Reinigung und Mangel soll eine Kooperation mit dem Gerätehersteller Miele ermöglichen. Computergesteuert werden in der Anlage Wasser und Reinigungsmittel dosiert und der zertifizierte Desinfektionsprozess gesteuert.
Mehr noch: Alle Wäschestücke werden mit einem Mini-Chip versehen, der alles Wissenswerte vom Namen des Eigentümers bis hin zur erforderlichen Waschtemperatur enthalten.
Die Rückholung der Waschleistung liege bei Sozialeinrichtungen bundesweit im Trend, schließt Marco Schäfer aus seinen Beobachtungen bei Pflegemessen. Zumal Wäscherei-Mitarbeiter, anders als häufig noch in den 1990er Jahren, nicht mehr nach den höheren Tarifen des öffentlichen Dienstes bezahlt werden müssen. Außerdem werde bei Fremdvergabe inzwischen eine Umsatzsteuer von 20 Prozent erforderlich.
Möglich wird die Ansiedlung der Wäscherei vor Ort laut Schäfer nur, weil im Keller des vor wenigen Jahren errichteten Neubaus noch Platz ist. In den Umbau der künftig klimatisierten Räume fließen 400 000 Euro, der Maschinenpark wird über Mietkauf binnen sieben Jahren finanziert. Zu Energiegewinnung dient eine Solaranlage.


Küche im Ausweichquartier

Bewegung gibt es auch im Küchenbetrieb. Seit vergangener Woche wird für die Standorte Hammelburg und Euerdorf in Euerdorf gekocht. Der vor zehn Jahren als Provisorium unter privater Betreiberschaft neben dem Probst-Heim errichtete Küchencontainer weicht einem Massivbau. Den Container hatte die Stiftung vor drei Jahren übernommen. Auch die neue Küche will sie selbst betreiben.
Beim Anbau machen die Verantwortlichen Nägel mit Köpfen. Im ersten Stock über dem Küchenkomplex sollen zehn weitere Pflegeplätze zu den bisher 119 hinzu kommen. Geplant ist auch ein drittes Stockwerk. Dort wird laut Plan ein etwa 200 Quadratmeter großer Versammlungsraum unterkommen. "Bisher haben wir keinen Platz, wo alle Heimbewohner zum Beispiel zu einer Weihnachtsfeier zusammen kommen können", sieht Marco Schäfer Handlungsbedarf. Begonnen werden soll mit dem Anbau 2018. Fertig werden soll er zu Beginn des kommenden Jahrzehnts.