Gemünden am Main
Verhandlung

Amphetamine über das Darknet

Einen Freispruch gab es für einen 44-Jährigen, der von einem Drogenhändler belastet worden war.
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Einem 44-Jährigen aus dem Raum Gemünden hatte die Staatsanwaltschaft den versuchten Erwerb, Besitz und Handel mit Betäubungsmitteln vorgeworfen. Nun folgte vor Gericht der Freispruch. Unser Symbolfoto zeigt Amphetamine, hier Crystal Speed. Foto: M. Gründel
Einem 44-Jährigen aus dem Raum Gemünden hatte die Staatsanwaltschaft den versuchten Erwerb, Besitz und Handel mit Betäubungsmitteln vorgeworfen. Nun folgte vor Gericht der Freispruch. Unser Symbolfoto zeigt Amphetamine, hier Crystal Speed. Foto: M. Gründel
Freigesprochen werden musste ein 44-Jähriger aus dem Raum Gemünden, dem die Staatsanwaltschaft den versuchten Erwerb, Besitz und Handel mit Betäubungsmitteln vorgeworfen hatte. Dabei berief sich die Anklagebehörde auf die Aussage eines 29-Jährigen, der in seinem eigenen Prozess vor dem Schöffengericht Würzburg den Mann beschuldigt hatte. Zu Unrecht, wie sich jetzt herausstellte.
Über 700 Gramm Amphetamine hatte der anderweitig vom Schöffengericht am Amtsgericht Würzburg zu zwei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilte Mann aus dem Raum Gemünden über das Darknet unter anderem in den Niederlanden und in Südafrika bestellt. Die Drogen waren jeweils an der Grenze und am Frankfurter Flughafen entdeckt und beschlagnahmt worden.
Gegenüber den Ermittlungsbehörden und dem Gericht behauptete er, das Geld für die Drogen von drei anderen jungen Männern eingesammelt zu haben. Den Gewinn aus dem zu erwartenden Drogengeschäft hätte man sich teilen wollen. Alles gelogen, sagten jetzt übereinstimmend der Angeklagte und zwei 28 und 31 Jahre alte Männer. Diese drei sollten die Mitbesteller der Drogen gewesen sein.
"Der wollte dadurch wohl eine mildere Strafe bekommen", mutmaßte der nun in Gemünden vor Gericht stehende Mann. Zu dieser Ansicht und dass den Aussagen des in Würzburg verurteilten Drogenkonsumenten keinerlei Glauben zu schenken ist, war auch die Würzburger Richterin gekommen. Dies wurde aus dem Urteil vom Oktober 2016 deutlich, das Richter Thomas Schepping in Auszügen verlas. "Sie sind in einer schwierigen Situation", meinte auch der vorsitzende Richter zu dem Haupttäter, der nun als Zeuge aussagen sollte. Als solcher muss er, anders als in seinem Prozess, in dem er Angeklagter war, die volle Wahrheit sagen. Außer bei Fragen, bei deren wahrheitsgemäßer Beantwortung er sich selbst belasten würde. So hätte er jetzt wahrscheinlich gestehen müssen, damals falsche Angaben gemacht zu haben. Vorsichtshalber war er deshalb auch mit seiner Rechtsanwältin erschienen und machte von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch.
Den jetzigen Angeklagten entlasteten die beiden Mitbesteller sowie der Kripo-Beamte, der bei ihm eine Hausdurchsuchung vorgenommen, aber keine Hinweise auf Drogen gefunden hat.
"Die Vorwürfe haben sich nicht bestätigt", räumte dann auch die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer ein und beantragte einen Freispruch. Dem schlossen sich der Verteidiger und die drei Richter des Schöffengerichts in ihrem Urteil an. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.
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