Elfershausen
Wirtschaft

Verlagerung läuft an

Ein Interessenausgleich soll die Folgen der Schließung des Schaeffler-Werks für die Beschäftigten abfedern. Die Produktionsverlagerung ist schon im Gang.
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Eine der Produktionslinien für Rillenkugellager, die von Elfershausen nach Caldas in Portugal verlagert werden. Foto: Archiv/Arkadius Guzy
Eine der Produktionslinien für Rillenkugellager, die von Elfershausen nach Caldas in Portugal verlagert werden. Foto: Archiv/Arkadius Guzy
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Auch wenn der Betriebsrat den Schaeffler-Standort nicht vor der Schließung bewahren konnte, ist für Michael Walter das Verhandlungsergebnis "durchaus positiv". Bei einem Pressegespräch nahmen der Vorsitzende des Betriebsrats und sein Stellvertreter, Mark Hermann, Stellung zu dem in der vergangenen Woche mit der Arbeitgeberseite abgeschlossenen Interessenausgleich.

"Wir haben unser zweites Hauptziel erreicht, dass es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommt", sagte Walter. Er machte deutliche, dass für die Arbeitgeberseite der Schließungsbeschluss alternativlos und der Erhalt des Standorts nicht Gegenstand der Verhandlungen gewesen sei.

Jeder der rund 260 Mitarbeiter in Elfershausen bekommt in Schweinfurt einen vergleichbaren Arbeitsplatz. Wer das nicht möchte, kann das Freiwilligen-Programm nutzen, das Aufhebungsverträge und Altersteilzeitregelungen vorsieht. Am Standort gibt es keine unbezahlte Mehrarbeit mehr. Sie wird über Zeitkonten ausgeglichen. Wer nach Schweinfurt wechselt, bekommt laut Walter drei Jahre lang einen Fahrtkostenzuschuss.

Die Nachfrage nach Beratung sei bei den Mitarbeitern hoch. Es hätten schon 50 Beratungstermine stattgefunden. Bis 30. April müssen sich die Beschäftigten entscheiden.


Produktion in Schweinfurt

Der Abbau der ersten Produktionslinie für Rillenkugellager laufe bereits seit vergangener Woche. Walter mahnte ein vernünftiges Vorgehen vom Unternehmen an, um Engpässe zu vermeiden: "Aufgrund des engen Zeitrahmens sehen wir die Gefahr, dass wir die Versorgung der Kunden nicht aufrecht erhalten können."

Die Rillenkugellager-Produktion wird nach Portugal verlagert, laut Walter eine Größenordnung von 100 Arbeitsplätzen. Die anderen Produkte - Schräglager, Federbeinlager, Axiallager - kommen nach Schweinfurt. Ursprünglich sollte ein Teilbereich auch in die Slowakei verlagert werden. Bei den Verhandlungen konnte aber erreicht werden, dass die Arbeitsplätze mit nach Schweinfurt gehen, wie Walter erklärte.

Er dankte für die Unterstützung durch die Politik, allen voran Landrat Thomas Bold (CSU) und Bürgermeister Karlheinz Kickuth (SPD/ FWG). Die Politik habe von Anfang an nur begrenzte Möglichkeiten gehabt. Die Schließung sei eine rein wirtschaftliche Entscheidung gewesen.

Der Betriebsratsvorsitzende aus Elfershausen dankte außerdem dem Schweinfurter Betriebsrat, ohne dessen Zustimmung ein Wechsel der Mitarbeiter nach Schweinfurt nicht möglich wäre. Denn er gilt formal wie eine Neueinstellung. Von den Verhandlungsführern auf Seiten des Unternehmens erwähnte Walter explizit zwei Personen: Rudolf Lenhart, Leitung Bearing and Components Technology, und Lothar Langer, Personalleitung Deutschland. Beide hätten den menschlichen Aspekt nicht aus den Augen verloren. Auch wenn die Verhandlungen hart gewesen seien, hätten beide Seiten versucht, sie auf Augenhöhe zu führen.

Und weil eine Aussage von Kickuth für Irritationen gesorgt habe, betonte Walter, dass man sich mangelnden Kampfwillen nicht vorwerfen lassen könne. Eine Kundgebung habe nach der Einigung auf das Eckpunkepapier keinen Sinn mehr gemacht.
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