Elfershausen
Wirtschaft

Schaeffler-Werk in Elfershausen: Schließung steht fest

Das Schaeffler-Werk in Elfershausen hat keine Zukunft. Für die Arbeitnehmer gibt es eine Perspektive.
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Die Belegschaft macht sich auf den Weg zur Schwedenberghalle, voran Betriebsratsvorsitzender Michael Walter (Zweiter von links).Foto: Arkadius Guzy
Die Belegschaft macht sich auf den Weg zur Schwedenberghalle, voran Betriebsratsvorsitzender Michael Walter (Zweiter von links).Foto: Arkadius Guzy
Am Freitagnachmittag hat sich die Belegschaft des von der Schließung bedrohten Schaeffler-Werks zu einer weiteren Betriebsversammlung in der Schwedenberghalle getroffen. Der Termin diente auch als Einstimmung auf die vielen Gesprächsrunden der kommenden Woche.

So wollte Michael Walter, Vorsitzender des Betriebsrats, seine Kollegen darüber informieren, was bisher gelaufen ist, und das anstehende Mediationsverfahren vorstellen. Vor allem aber wollte Walter die Arbeitgeberseite dazu bringen, endlich Stellung zu beziehen, wie er vor der Versammlung auf Nachfrage erklärte. Die Belegschaft solle endlich Klarheit haben.

Und die Arbeitgeberseite positionierte sich denn auch tatsächlich deutlich. Für den Konzern hat der Standort wirtschaftlich keine Zukunft, berichtete Walter nach der dreieinhalbstündigen Betriebsversammlung. Die Schließung des Werks steht also fest.

Allerdings hat die Arbeitgeberseite den Beschäftigten laut Walter eine Perspektive eröffnet: Alle, die wollen, sollen in Schweinfurt eine Arbeitsstelle bekommen. Offenbar hat sich die Situation am dortigen Schaeffler-Standort entspannt.

Damit wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben - ein wichtiges Ziel für den Betriebsrat in Elfershausen. Wie der Arbeitsplatzabbau noch abgefangen werden kann - denkbar wären zum Beispiel Altersteilzeit-Regelungen - und wie die Arbeitsplatz-Perspektive in Schweinfurt konkret aussehen wird, werden die weiteren Verhandlungsrunden zeigen.

Walter sprach davon, dass für die Beschäftigten damit zumindest die Ungewissheit vorbei ist. "Übers Wochenende müssen wir alle das Ergebnis der Betriebsversammlung erst einmal sacken lassen", meinte Walter.

Und das gilt nicht nur für den Betriebsrat selbst, sondern ebenso die Werkskollegen. Auch wenn sie nun Klarheit und eine Planungsgrundlage haben, werden sich einige bei einem Wechsel nach Schweinfurt familiär neu organisieren und absprechen müssen. Das gilt gerade für diejenigen, die in Elfershausen wohnen. Für sie war es natürlich eine Alltagserleichterung die Arbeitsstelle direkt im Ort ohne Fahrwege zu haben.

Mit der Perspektive können die Arbeitnehmer des Werks nun zumindest etwas beruhigter in die kommenden Monate gehen. Die Ungewissheit bedeutete eine Belastung, wie aus den Reihen der Beschäftigten zu hören war.

Die nächste Verhandlungsrunde zwischen der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite findet am Donnerstag, 9. Februar, statt. Zuvor gibt es am kommenden Montag, Dienstag und Mittwoch Gespräche im Rahmen des Mediationsverfahrens. Dieses soll die Verhandlungen unterstützen, indem es beide Seiten dazu bringt, eine Lösung zu finden.

Als Mediatorin, die das Verfahren leitet, hat die Arbeitnehmerseite die SPD-Politikerin Susanne Kastner auserkoren. Kastner gehörte von 1989 bis 2013 als Listenkandidatin für den Wahlkreis Bad Kissingen dem Bundestag an und war von 2002 bis 2009 Vizepräsidentin des Bundestages. Nach den drei Mediationsterminen will Kastner, die aus Neutralitätsgründen nicht an der Betriebsversammlung teilnahm, einen Vorschlag vorlegen. Aus ihrer Zeit als Abgeordnete kenne sie das Auf und Ab um den Standort, erklärte Kastner auf Nachfrage der Zeitung.

Wie die Werksschließung ablaufen wird, ist noch nicht bekannt. Walter ging aber davon aus, dass die einzelnen Bereiche nach und nach bis Jahresende verlagert werden.
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