Bad Kissingen
Gericht

Nur Geldstrafen für die Angeklagten

Keine Freiheitsstrafen wegen Körperverletzung in der Disko und Beleidigung verhängt. Beide Angeklagte nehmen das Urteil sofort an.
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Eine Schlägerei in der Disko sowie Beamtenbeleidigung waren Gegenstand einer Gerichtsverhandlung.Gestelltes Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Eine Schlägerei in der Disko sowie Beamtenbeleidigung waren Gegenstand einer Gerichtsverhandlung.Gestelltes Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Ein knappes Dutzend Zeugen, neun Anklagepunkte, vier Angeklagte und zwei Verteidiger ließen eine lange Verhandlung am Amtsgericht erwarten. Es ging um aktiven Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, mehrfache Körperverletzung und Beleidigung. Ursache des Verfahrens war eine Schlägerei in der Kissinger Diskothek "Look" gewesen.
Es schien ein hartes Stück Arbeit für die Amtsrichterin zu werden, juristische Ordnung in den Vorgang zu bringen, der nach fast dreistündiger Verhandlung mit zwei Geldstrafen, einer Geldauflage und einem Freispruch endete.
Was der Grund für die Schlägerei mit ihren Folgen in jener Februarnacht war, konnte nicht und brauchte auch nicht in der Verhandlung festgestellt zu werden. Hier ging es allein um das Verhalten zweier Angeklagter, die sich gegen ihre Festnahmen körperlich zur Wehr gesetzt und die Polizisten als "schwule Schwuchteln", "Bauern" und "Hurenböcke" bezeichnet hatten. Die beiden anderen Angeklagten waren ähnlich dem Prinzip "mitgefangen - mitgehangen" eher Randfiguren.


Verfahren abgetrennt

So war ein 26-Jähriger Schweinfurter von einem Zeugen direkt nach der Schlägerei bei der Polizei bezichtigt worden, ihm eine Bierflasche an den Kopf gestoßen zu haben, was er vier Tage nach diesem Geschehen in allen Einzelheiten vor der Polizei zu Protokoll gab. Vor Gericht verwickelte er sich derart in Widersprüche, dass Richterin und Verteidiger dem Staatsanwalt nahelegten, gegen diesen unglaubwürdigen Zeugen ein Strafverfahren wegen uneidlicher Falschaussage einzuleiten. Dieser Angeklagte wurde nach Verfahrensabtrennung erwartungsgemäß freigesprochen.
Auch der Fall der resoluten Mutter wurde abgetrennt. Sie war ebenfalls in der Disko, in der ihr Sohn sich amüsierte. Dieser war durch Zufall ins Umfeld der Schlägerei geraten und von einem der zwei Hauptangeklagten, der ein Kumpel des bei dieser Rauferei blutig Verletzten war, wegen sichtbarer Blutspritzer am Hemd als Schläger verdächtigt und angegriffen worden. Bei der Festnahme dieses 32-jährigen Angeklagten und seines ebenfalls vor Gericht stehenden 26-jährigen Bekannten, der seinen Freund nach dessen Festnahme befreien wollte, hatte sich die Mutter auf den Jüngeren gestürzt. Da die angeklagte Mutter mit ihrem Angriff und den Worten "Niemand schlägt meinen Sohn" diesen nur schützen wollte, ihre Tat auch eingestand, wurde das Verfahren gegen sie mit einer Geldauflage von 400 Euro vorläufig eingestellt.
Nur der 32-jährige Kraftfahrer und der 26-jährige Arbeiter blieben auf der Anklagebank zurück. Der Verteidiger des Kraftfahrers verzichtete auf die Anhörung der meisten Zeugen, da sein Mandant geständig sei, auch wenn er sich wegen seines Alkoholgehalts von 1,83 Promille kaum an Einzelheiten erinnern könne. Der Kraftfahrer habe während der Schlägerei, in deren Folge ein Mann stark blutend verletzt wurde, nur den Täter finden wollen und war auf jenen jungen Mann losgegangen, dessen Hemd verdächtig mit Blut bespritzt war. Erst im Nachhinein hatte sich herausgestellt, dass der Verdächtige völlig unschuldig war. Bei seiner Festnahme hatte sich der Kraftfahrer im Gefühl der Unschuld, da er eigentlich ja nur hatte helfen wollen, aktiv gewehrt, einen Beamten getreten und ihn beschimpft. Der jüngere Angeklagte hatte seinen Kumpel aus dem Griff der Polizisten befreien wollen und wurde selbst festgenommen, wehrte sich und stieß Beleidigungen gegen die Beamten aus.
Mit dem Staatsanwalt war sich die Richterin einig, dass die verbliebenen Anklagepunkte zutreffend seien. Obwohl der andere Angeklagte sich auf Erinnerungslücken berief, sprachen die Zeugenaussagen der Polizisten gegen ihn. Da beide Angeklagte nicht vorbestraft waren und nach Meinung der Richterin "ein ganz normales bürgerliches Leben führen", konnte von Freiheitsentzug abgesehen werden. Stattdessen erhielt der Kraftfahrer eine Geldstrafe von 75 Tagessätzen zu 60 Euro und der 26-Jährige von 80 Tagessätzen. Beide nahmen das Urteil noch im Gerichtssaal an.
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