Tradition

Pilgerreise mit Tradition: Glaube und Gemeinschaft

Sechs Tage, 190 Kilometer und 200 Pilger: Für die Verantwortlichen gilt es viel zu beachten, um die Gruppe sicher zum Ziel und zurück zu führen.
Nicht nur die Pilgerreise selbst muss geplant werden, es gilt auch, für Versorgung und Unterkunft der Wallleut zu sorgen. Unser Foto zeigt die Gruppe beim Mittagessen in Poppenlauer.  Foto: Philipp Bauernschubert
 
von PHILIPP BAUERNSCHUBERT
Wanderschuhe und Handgepäck stehen bereit. Die Einkäufe sind erledigt. Während die meisten Wallfahrer, die sich am Sonntag, 27. August , von Haßfurt zum Kreuzberg auf den Weg machen, dem Start gelassen entgegen sehen, steht das Organisationsteam mit Diakon Manfred Griebel und der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Lissy Graßer unter Hochspannung. Alles ist geplant, und beide hoffen, dass die Wallfahrt frei von unliebsamen Überraschungen bleibt. Um 4.15 Uhr wird das Gepäck verladen. Namensschilder und Liederhefte sind ausgeteilt. Start ist nach einem Einstimmungsgottesdienst, der um 5 Uhr beginnt. Um 6 Uhr setzt sich der Pilgerzug unter dem Leitthema "Ich lebe - damit auch ihr lebt " in Bewegung.

Schon zu Anfang eines Jahres beginnen die Vorbereitungen. Einen Tross von rund 200 Pilgern über sechs Tage hinweg sicher über einen insgesamt 190 Kilometer langen Weg zu führen, ist trotz der mehrjährigen Wallfahrtserfahrung immer wieder eine Herausforderung und kein Kinderspiel. Da müssen die Fahrer eingeteilt werden, das Gepäck- und das Verpflegungsfahrzeug organisiert werden. Ebenfalls sind Sanitäter für die geschundenen Füße und Kreislaufprobleme notwendig, wie auch die Verkehrsregelung. Eine eigens für diese Wallfahrt zusammengestellte Musikkapelle unter der Leitung von Günter Wächter sorgt für die musikalische Umrahmung.

Vor allem aber gilt es für die Wallfahrtsleitung rund 200 Pilgern dreimal am Tag eine Mahlzeit für die Nacht und eine Schlafmöglichkeit zu organisieren. Dazu haben sie vor Ort in Thundorf und Großenbrach Freunde und Helfer, die sie bei der Suche nach Betten tatkräftig unterstützen. In diesen beiden Dörfern ist man auf die Gäste schon eingerichtet. Erfahrene Teilnehmer haben nicht selten ihre Quartiere, die sie schon Monate vorher reservieren. Aus Gastgebern sind Freunde geworden, mit denen man außerhalb der Wallfahrt Kontakt hält. Ob die Schloss- oder Seebeleuchtung, die Fronleichnamsprozession, oder die Thundorfer Dorfweihnacht, zu allen Veranstaltungen kommen die Pilger, um die Freundschaft warm zu halten.

Der Kreuzberg ist seit Jahrhunderten eine beliebte Pilgerstätte in der Region. Nach Würzburg zählt die Haßfurter Kreuzbergwallfahrt seit ihrem Anfang 2002 zu den größten Wallfahrten, die jährlich zum Heiligen Berg Frankens pilgern. Für Diakon Manfred Griebel ist eine "Wallfahrt ein Weg, um Gott näher zu kommen" und die Gemeinschaft der Kirche zu erleben. Diese Erlebnisse werden von den Pilgern immer wieder bestätigt. Seit mehr als 20 Jahren ist Manfred Griebel hauptamtlicher Diakon in der Pfarreiengemeinschaft St. Kilian. Ganz besonders zählen Wallfahrten zu seinen Lieblingsunternehmungen, wobei er aber darin kein Event, sondern in erster Linie Besinnung und ein hoffnungsvolles Unterwegssein auf dem Weg mit Gleichgesinnten in Gottesnähe sieht. "Pilgern ist Beten mit den Füßen", so der Diakon.


Einheitlich gekleidet

Bei Glockengeläut laufen die Pilger, einheitlich in rot gekleidet, am Sonntag, 27. August, von Stadtlauringen kommend betend und singend in Thundorf ein und suchen das Gotteshaus auf, wie übrigens fast in allen Orten auf dem Hinweg. Das Tagesthema lautet: "Ich war durstig und Du hast mir zu trinken gegeben". Seit 2002 wiederholt sich dieses Ereignis jährlich. Vor der Kirche und nach dem Entladen der Taschen warten schon immer mehr als zwei Dutzend Gastgeber mit ihren Autos. "Ganz wenige sagen nein", wenn sie nach einem Privatquartier für die "Haßfurter Wallleut" gefragt werden, so dass in Thundorf rund 60 und in Weichtungen bisher 25 Pilger bei Gastgebern unterkommen.

Der Rest wird ins TSV-Sportheim zum Duschen gefahren und bezieht dann in einem öffentlichen Gebäude, wie Jugendheim oder Kindergarten sein Quartier. Frühstück und Abendessen werden wieder in der Festhalle eingenommen. Auf dem Rückweg am Donnerstag, 31. August, wiederholt sich das Ganze, bevor die Pilger am Freitag, 1. September, dann wieder im Triumphzug und den neuen T-Shirts, von den Angehörigen mit Blumensträußen ausgestattet in Haßfurt begrüßt und in die Stadtpfarrkirche, dem Ausgangspunkt der Wallfahrt, wieder zurückkehren.
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