Gastronomie

Im Keller wird's etwas ruhiger

Monika und Bernhard Wohlfromm werden ab 1. Januar den normalen Gaststättenbetrieb aufgeben. Für kleine Familienfeiern ist der Keller aber weiterhin offen.
Stoßen an auf eine etwas ruhigere Zukunft: Bernhard und Monika Wohlfromm in ihrem Deutschherrnkeller. Foto: Thomas Malz
 
von THOMAS MALZ
Das war kein leichter Schritt. 35 Jahre, nachdem sie den offiziellen Gaststättenbetrieb im ehemaligen Pferdestall der Deutschherren aufgenommen haben, stellen Bernhard und Monika Wohlfromm ihn wieder ein. Aber keine Angst. Sie machen mit den weiter, womit sie ursprünglich begonnen haben: Familienfeiern. Ein paar alte Stammtische werden weiter bedient und alle bereits angemeldeten Feiern finden natürlich statt. "Ich kann die Hände vom Kochtopf nicht lassen", sagt Bernhard Wohlfromm "Und ich nicht vom Serviertablett", fügt Monika Wohlfromm hinzu. "Wir werden nicht unbedingt weniger Arbeit haben", sind sie sich sicher. "Aber weniger Stress, weil alles besser planbar ist."


35 Jahre Dienst am Kunden

Sie wollen es einfach etwas ruhiger angehen lassen. "35 Jahre Dienst am Kunden haben ihre Spuren hinterlassen, man muss auf sich aufpassen." Und nicht nur das. "Unser sehr gutes Personal ist mit uns alt geworden, neues Personal ist schwer zu finden", erklärt Bernhard Wohlfromm. Der wachsende Verwaltungsaufwand hat auch nicht gerade dazu beigetragen, dass es leichter wird. "Da tritt die eigentliche Arbeit in den Hintergrund", weiß die Chefin des Hauses. Belehrungen, Gesundheitsamt, Berufsgenossenschaft, Finanzamt, Sozialversicherung und vor allem die aufwendige Dokumuentationspflicht rauben viel Zeit. "Und ständig kommen neue Gesetzte." All dies hat sie in ihrem Entschluss bestärkt. "So etwas entsteht nicht von heute auf morgen. Das ist ein langer Prozess. Aber man muss sich entscheiden", meint Bernhard Wohlfromm. Und das haben sie getan.


Mit Erde aufgefüllt

Das gesamte Areal gehörte früher zur Komturei des Deutschen Ordens. Als Bernhards Vater, Josef Wohlfromm, das damals sehr renovierungsbedürftige Areal übernahm und einen Malerbetrieb installierte, war die heutige Gaststätte mit Erde aufgefüllt. Die Nachbarn lagerten dort ihre Kartoffeln. Dann entfernte der Malermeister die Erde, baute den Keller ein wenig aus.
Die Lehrer des Schönborn-Gymnasiums waren die ersten, die sich dort trafen, 1969 fand die erste Hochzeit statt.
Im zarten Alter von 14 Jahren begann Bernhard Wohlfromm eine Lehre im Hotel Bristol in Bad Kissingen. In verschiedenen Betrieben sammelte er Erfahrungen, kochte auch immer wieder im heimischen Keller, wenn eine Familienfeier ausgerichtet wurde. Monika war dort als Kellnerin tätig. Sie hatte im Malerbetrieb Bürokauffrau gelernt. Die beiden wurden ein Paar. 1979 machten sie Nägel mit Köpfen. Die Küche mit Kühlhäusern wurde angebaut und die Bürgerstube errichtet. Am 1. April 1981 eröffneten sie den Deutschherrnkeller als öffentliche Gaststätte. Das ist nun mehr als 35 Jahr her.


Abseits der Hauptstraße

Von Anfang an setzten sie neben dem Tagesgeschäft auf Weihnachtsfeiern, Hochzeiten, Taufen, Kommunionen, Konfirmationen - auf alles eben was es zu feiern gibt. Denn - abgelegen von der Hauptstraße - mussten sie ihren Weg finden sich zu etablieren. Dabei sind sie geblieben. Sie haben Kunden, deren Taufe, Kommunion und Hochzeit im Keller gefeiert wurden. "Und dann die Taufe und Kommunion ihrer Kinder."
Bernhard Wohlfromm hat in den 35 Jahren einigen Lehrlingen das Kochen beigebracht. "Das schöne ist, dass sie alle noch heute in der Gastronomie tätig sind, teils in sehr bekannten Häusern", freut sich der Ausbilder.


Jazz und Hering, Blues und Bock

Die kulinarische ist aber nur eine Seite der Gaststätte. Von Anfang an haben die Wohlfromms auch eine besondere Kultur nach Münnerstadt gebracht. Inspiriert durch seine Jahre in Berlin entstand "Jazz und Hering", später "Blues und Bock." In dem doch überschaubaren Keller haben sich Größen des Musikgeschäftes die Gitarre in die Hand gegeben. Zusammen mit Hartmut Hessel hat Bernhard Wohlfromm "Akzente" aus der Taufe gehoben - jene legendären Kulturveranstaltungen, bei denen unter anderem Harald Schmidt zu Gast waren. Der Wirt des Deutschherrnkellers schwärmt von den Zeiten, als Bruno Eckert sich um den Tourismus kümmerte. "Da ging was in Münnerstadt." Nach dem Fund eines Einkaufszettels der Münnerstädter Kommende in Wien wurden in Zusammenarbeit mit Peter Genth und Hartmut Hessel die Deutschordensabende organisiert, wofür Mia Hochrein eigens das Geschirr töpferte.
Auf eine Errungenschaft ist Bernhard Wohlfromm besonders stolz: die Einführung des Wirtestammtisches, also regelmäßige Treffen der Münnerstädter Gastronomen. "Dadurch ist eine sehr kollegiale Zusammenarbeit entstanden." Der Koch muss lachen, wenn er an manche Vorkommnisse denkt. Es ist schon passiert, dass einem Wirt, der eine Gesellschaft zu Gast hatte, sämtliche Klöße verkocht sind und ein anderer seinen vollen Kloßtopf schnell zu dem Unglücksraben gebracht hat. Man hilft sich eben.


Dem Umfeld etwas geben

Er hat auch noch eine andere Prämisse: "Wenn ich etwas von meinem Umfeld erwarte, dann muss ich meinem Umfeld auch etwas geben." Deshalb kaufen die Wohlfromms ausschließlich in Münnerstadt und dem Umfeld ein.
"Das bedauere ich sehr", sagt Heinz Stempfle, Kreis- und Bezirksvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes, als er von der Aufgabe des Tagesgeschäftes der Wohlfromms erfährt. "Das ist eine hervorragende Gaststätte gewesen." Er habe aber auch Verständnis für diesen Schritt. Durch ihre Mitarbeit und ihre Anwesenheit bei den Treffen haben die Wohlfromms den Verband immer unterstützt, lobt der Vorsitzende. "Und sie haben immer neue Ideen eingebracht."
Monika und Bernhard Wohlfromm machen bis zum Jahreswechsel normal weiter und dann auf eine andere Art. Dass die Türen in dieser Woche verschlossen sind, hat einen ganz banalen Grund: Sie gönnen sich ein paar Tage Urlaub.
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