Sammel-Leidenschaft

Faszinierende Schneekugeln

Eigentlich ist Josef Kardinal ein Fan moderner Kunst. Doch dann schenkten ihm Freunde eine Schneekugel. Mittlerweile hat er fast 9000 Exemplare. Einen Teil davon stellt er jetzt in Münnerstadt aus.
Hingucker: Ein besonders schönes Stück aus der Sammlung von Josef Kardinal. Fotos: Björn Hein
 
von BJÖRN HEIN
Schneekugeln faszinieren nicht nur Kinder. Auch die Erwachsenen sind begeistert, wenn sie die fragilen Gebilde in die Hand nehmen, schütteln und dann die winterlich-verschneite Landschaft genießen können. Doch nicht nur Weihnachtsmotive gibt es, die Auswahl an Motiven ist groß.
Wer wüsste dies besser als Josef Kardinal, der in seinem Haus in Nürnberg die größte Schneekugelsammlung der Welt besitzt. Über 8800 verschiedene Objekte nennt er sein Eigen. Eine Auswahl ist im Henneberg-Museum im Schloss zu sehen.Wenn man bei Josef Kardinal vorfährt, ist man kurz verwundert - sein Haus ziert das Motiv eines Beute machenden Geparden. Im Innern sind zahlreiche zeitgenössische Gemälde zu sehen, die zumeist der Pop-Art nachempfunden sind. Das mutet ungewöhnlich an für einen Schneekugelsammler. Auch die Art und Weise, wie der Finanzbeamte zu diesem eher seltenen Hobby kam, ist außergewöhnlich. "1984 habe ich die erste Schneekugel von Freunden bekommen, die im Urlaub waren. Diese waren auf ihr Geschenk, das ein Gebirgsmotiv darstellte, ganz stolz. Ich habe zuerst gedacht: Die wollen mich veräppeln. Eigentlich habe ich ja mehr ein Faible für moderne Kunst", erinnert sich Kardinal.
Wegwerfen wollte er das etwas kitschige Stück aber nicht, er stellte es auf sein Klavier. Freunde, die zu Besuch da waren, dachten daraufhin: der sammelt Schneekugeln. Und fortan brachten die Freunde Josef Kardinal Schneekugeln mit. Und er kam auf den Geschmack und begann selbst, von seinen Reisen Schneekugeln mitzubringen.
Irgendwann begann der Sammler, sich auch für andere Themenbereiche zu interessieren: sakrale Motive, Tiermotive, Comic und mehr. Die Sammlung wuchs unaufhörlich.
Anfang der 90er Jahre hatte Kardinal rund 1000 Schneekugeln und nahm Kontakt zu anderen Nürnberger Sammlern auf. Einer von diesen war ein Redakteur der Nürnberger Nachrichten, der selbst Sammler war, aber weit weniger eifrig als Kardinal. Nach dem Zeitungsbericht, der über die Deutsche Presse-Agentur verbreitet wurde - rund 200 Zeitungen druckten ihn damals ab - wurde Josef Kardinal über Nacht als Sammler bekannt. "Mein Schicksal als Sammler war damit besiegelt. Ich konnte mich kaum noch retten vor Paketen und Päckchen, mit und ohne Rechnung", erinnert sich der Sammler mit einem Schmunzeln.
Kardinal bekam daraufhin auch eine Ausstellung im Stadtmuseum Schwabach angeboten. Er nahm das Angebot gerne an und kam so in Kontakt mit weiteren Sammlern, aber auch mit deutschen Herstellern wie Walter und Prediger, Koziol. Etwas Besonderes war für ihn die Besichtigung bei Walter und Prediger. "Für mich war das eine große Ehre, da Betriebsbesichtigung bei Schneekugelnfirmen normalerweise nicht angeboten werden."
2001 kam er dank seiner Sammlung, die damals 4820 Exemplare umfasste, sogar ins Guiness Buch der Rekorde. Mittlerweile sind es mehr als 8800 Exemplare. "Inzwischen bin ich so gut ausgestattet, dass mir nur noch wenige Kugeln fehlen. Aber auf der Suche ist man immer", sagt Kardinal.
Im Internet und auf Trödelmärkten grast er das Angebot ab, in Souvenirshops und Geschenkeläden ist er immer wieder, besonders im Urlaub. "Meine Frau meint immer, dass der Urlaub erst dann anfängt, wenn ich meine Schneekugeln gekauft habe", sagt Kardinal. Auf der Jagd nach seltenen Exemplaren ist er immer. Dabei müssen die Füllmaterialien aber nicht immer aus künstlichem Schnee sein: auch Sand und Blattgold dienen als solcher. Schneekugeln haben ihren Siegeszug auf der ganzen Welt angetreten.
Natürlich bedeutet eine solch große Sammlung auch viel Arbeit. Alle fünf Monate startet Josef Kardinal eine Auffüllaktion. "Das ist immer ein großer Zeitaufwand, der mir aber viel Spaß macht. Drei Wochen verbringe ich dann abends im Keller, um destilliertes Wasser nachzufüllen". 20 Liter Flüssigkeit werden dann mit der Spritze nachgefüllt, die Kugeln müssen außerdem geschüttelt werden, damit der Schnee im Innern rieselfähig bleibt. "Verrückt muss man schon ein wenig sein", meint Kardinal, "wenn man Schneekugeln sammelt. Aber es ist auch schön, einen kleinen Mikrokosmos zu haben, in den man versinken kann. Für mich sind die Schneekugeln Kunst: auf wenigen Quadratzentimetern einen Ort nachzustellen, der dann vom Betrachter leicht zugeordnet werden kann, erfordert schon besonderes Talent."




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